Die USA haben ihre militärische Präsenz vor der Küste Venezuelas in den vergangenen Tagen deutlich ausgebaut: Insgesamt sind derzeit acht Kriegsschiffe in der Region stationiert, darunter die USS Newport News, ein ehemals nuklear betriebenes U-Boot, sowie die USS Iwo Jima, ein amphibisches Angriffsschiff, das neben Hubschraubern auch Fahrzeuge und Flugzeuge an Bord hat.
Diese militärische Machtdemonstration wird von einer gezielten öffentlichen Inszenierung begleitet. So veröffentlichte die US-Regierung Bilder von Marinesoldaten in voller Kampfbereitschaft und streute gleichzeitig Berichte über eine angebliche Hungersnot in Venezuela. Beobachter:innen werten dies als bewusste Signalpolitik, die sowohl militärische Drohung als auch die Vorbereitung eines möglichen „humanitären“ Einsatzes beinhalten könnte.
Auch in der offiziellen Rhetorik verschärfte Washington den Ton. Präsident Trump ließ erklären, er sei bereit, sämtliche Machtmittel der USA einzusetzen, um gegen den Drogenhandel und die venezolanische Regierung vorzugehen, die von ihm als „Narco-Terror-Kartell“ bezeichnet wurde. Parallel zu diesen Drohgebärden laufen jedoch weiterhin geregelte Kontakte zwischen beiden Staaten. So stimmen die USA mit Caracas die Durchführung von Abschiebeflügen ab, die auch in dieser Woche planmäßig stattfanden.
Die Eskalation vor der venezolanischen Küste verweist klar auf den Zusammenhang zwischen Militärpräsenz und ökonomischen Interessen: Venezuela verfügt über eine der größten Erdölreserven der Welt, was es für die USA zu einem strategischen Ziel macht.
Die propagandistische Begleitung in Form von Bildern bewaffneter Marines und Berichte über Hungersnöte schafft dabei eine moralische Legitimation, indem die Regierung Maduros als „Narco-Terror-Kartell“ kriminalisiert wird. Zugleich zeigt die fortgesetzte Kooperation bei Abschiebeflügen die Widersprüchlichkeit der US-Politik. Relevant bleibt nicht die Art der Rhetorik, sondern die Durchsetzung imperialistischer Klasseninteressen.
Auch im Umgang mit anderen Staaten Lateinamerikas zeigt sich in den vergangenen Monaten dieselbe Logik: Mexiko wurde von Trump mit einer aggressiven Rhetorik über Migration und Drogen kriminalisiert und mit hohen Zöllen belastet, während die Regierung gleichzeitig eng in die US-Grenzschutzpolitik eingebunden blieb. Kuba wiederum wurde durch eine Verschärfung der Blockadepolitik gezielt wirtschaftlich in die Enge getrieben und politisch isoliert, um das dortige sozialistische System durch ökonomischen Druck zu zermürben. Kolumbien nahm die entgegengesetzte Rolle ein: Es wurde als enger Verbündeter aufgewertet, diente militärisch wie politisch als Vorposten Washingtons und wurde aktiv in die Einkreisung Venezuelas eingebunden.
Ob Drohgebärden, ökonomische Zermürbung, taktische Kooperation oder enge Allianz – die Mittel variieren, aber das Ziel bleibt gleich: die Sicherung kapitalistischer Interessen der USA, die Kontrolle über Arbeitskraft und Ressourcen sowie die Verhinderung unabhängiger politischer Projekte im lateinamerikanischen Raum.
