„Der Kapitalismus beutet die Ressourcen der Natur und die Arbeitskraft der Arbeiter gleichermaßen aus; die Zerstörung, die er in dem einen verursacht, zeigt sich auch im anderen.“ Karl Marx
Wir bewegen uns auf einen der größten Wendepunkte in der Geschichte der Menschheit zu. Die Erde verliert allmählich ihr seit Millionen von Jahren bestehendes ökologisches Gleichgewicht. Heute weist die Klimaforschung nicht mehr nur auf die „globale Erwärmung” hin, sondern auf einen unumkehrbaren Prozess: die „letzte Kurve”. Mit dem Überschreiten dieser Kurve kann sich das Klimasystem des Planeten durch sich selbst verstärkende Kettenreaktionen dauerhaft verändern.
Das bekannteste Beispiel ist die Austrocknung des Amazonas-Regenwaldes. Dieses riesige Ökosystem, das einst als „die Lunge der Welt“ bezeichnet wurde, verliert zunehmend seine Fähigkeit, sich selbst zu erhalten. Weniger Bäume, weniger Niederschläge, höhere Temperaturen. Das bedeutet mehr Brände. Jeder Baum, der aus Profitgier der Kapitalisten gefällt wird, nimmt dem Planeten ein Stückchen mehr Luft zum Atmen. Wenn ein Großteil des Amazonas in eine trockene Savanne (Bezeichnung für die weiten Graslandschaften am Äquator) verwandelt wird, werden die dort gespeicherten Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt. Dies wäre nicht nur für Südamerika, sondern für die ganze Welt eine tödliche Gefahr.
Laut Klimaforschern könnte das Abschmelzen und Zerbrechen der grönländischen Eiskappe den Meeresspiegel um mehr als sieben Meter ansteigen lassen. Dies wäre eine Katastrophe, die nicht nur Küstenstädte, sondern auch die Lebensräume von Millionen von Menschen, große Süßwasserressourcen und weite landwirtschaftliche Produktionsflächen zerstören würde. Andererseits würde der Zusammenbruch der Ozeanströmungen, die als Atlantische Meridionale Umwälzströmung (AMOC) bezeichnet werden, Europa rasch abkühlen, die Niederschlagsverhältnisse (die natürlichen Bedingungen, die die Verteilung und Menge der Niederschläge bestimmen) verändern und die Landwirtschaft zum Erliegen bringen. Noch schlimmer ist, dass diese Katastrophen sich gegenseitig auslösen könnten. Laut Klimawissenschaftlern könnte das aus Grönland abfließende Süßwasser die AMOC schwächen, was zu weniger Niederschlägen über dem Amazonas führen und damit das schnellere Absterben der Wälder zur Folge haben könnte. Wie man sieht, ist das auf Ausbeutung und Profit basierende kapitalistische System dabei, ein ganzes Ökosystem wie Dominosteine zum Einsturz zu bringen.
Der Kapitalismus fördert nicht nur durch seine Produktionsweise, sondern auch durch seine Kultur die Klimakrise. Die durch Werbung angeheizte Sucht nach Konsum vermittelt den Menschen, dass es „Freiheit“ sei, die Natur zu verbrauchen. Das Motto „Mehr kaufen, mehr konsumieren“ bildet die gesellschaftliche Grundlage für die ökologische Zerstörung. Egoismus, also die Ausrichtung aller Menschen auf ihre eigenen Interessen, lässt vergessen, dass die Natur ein kollektiver Lebensraum ist und die Ressourcen begrenzt sind. Von einem solchen System eine echte Lösung für die Klimakrise zu erwarten, wäre, um es vorsichtig auszudrücken, naiv. Denn das System, das die Ursache des Problems ist, ist gleichzeitig so tief verrottet, dass es keine Lösung hervorbringen kann. Begriffe wie „grüner Kapitalismus”, „Emissionshandel” und „nachhaltige Entwicklung” dienen lediglich dazu, ein riesiges Problem zu verharmlosen und das Kapital selbst zu rechtfertigen.
Klimaforscher weisen seit über 20 Jahren auf diese kritischen Wendepunkte hin. Die Warnungen der Wissenschaftler werden jedoch von Politikern und Kapitalkreisen nicht nur ignoriert, sondern als „Unsinn” heruntergemacht. Einige Personen aus Kapitalkreisen, die sich als „Wissenschaftler” ausgeben, verbreiten Propaganda, wonach es so etwas wie ein „Klimaproblem” gar nicht gebe. Daher erfordert die echte Lösung der Klimakrise die Überwindung der kapitalistischen Eigentums- und Produktionsverhältnisse. Wissenschaftler warnen vor den möglichen Folgen, die sich ergeben werden, wenn dieser Wendepunkt überschritten ist. Das Bild ist nun klar: Mit der Zerstörung des Amazonas, dem Abschmelzen der Gletscher und der Abschwächung der Meeresströmungen haben bereits unumkehrbare Prozesse begonnen. Die Krise ist nun keine theoretische Möglichkeit mehr, sondern hat konkrete Realität erreicht.
Der Gipfel in Belém und der Ausweg
Die 30. Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP 30), die dieses Jahr vom 10. bis 21. November in der brasilianischen Stadt Belém stattfindet, wird ironischerweise am „Tor zum Amazonas“ abgehalten. Von den riesigen Versicherungsmonopolen über Rentenfonds bis hin zu „Hilfsorganisationen” und Regierungs- und Staatsvertretern werden sich dort die Mächte versammeln, die die Natur ausbeuten. Aber kann dieses System, das die Natur zerstört, sie wirklich schützen? Die Antwort liegt auf der Hand: Nein.
Der Kapitalismus kann keinen Frieden mit der Natur schließen, weil seine Logik nicht auf Leben, sondern auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Die Amazonaswälder, die Gletscher Grönlands und das Gleichgewicht der Ozeane werden in diesem System weiterhin Verhandlungsobjekte bleiben. Heute stehen der Menschheit nur zwei Wege offen: Entweder wir laufen weiter auf den Abgrund des Kapitalismus zu oder wir finden einen Weg, dieses System zu zerstören. Der einzige Weg, die Klimakrise zu stoppen, besteht darin, die Art der Produktion und Verteilung zu beenden, die die Natur zu einer Ware macht. Wie Engels sagte: „Die meisten unserer Siege über die Natur rächen sich schließlich an uns. Wir müssen lernen, mit der Natur in Übereinstimmung mit ihren Gesetzen umzugehen.“
Die Natur ist das gemeinsame Zuhause der Menschheit und aller Lebewesen, sie ist nicht Eigentum von Unternehmen. Die wahre Lösung besteht darin, eine kollektive, sozialistische Ordnung zu schaffen, die nicht auf Profit, sondern auf Bedarf ausgerichtet ist und im Einklang mit der Natur steht. Aus diesem Grund ist der Kampf gegen die Klimakrise Teil des antikapitalistischen Klassenkampfs. Die Zukunft des Amazonas, der Gletscher und der Ozeane ist direkt mit dem Kampf der Arbeiterklasse und aller unterdrückten Völker verbunden. Die Zukunft der Menschheit hängt nun auch davon ab, dass die Natur, die unser Lebensraum ist, geschützt und verteidigt wird
