15. Mai 2026

Nach Lützerath – Wie ist die Lage am Hambacher Wald?

Wie sieht es eigentlich am Hambacher Wald aus? Vielen haben noch die Bilder der Proteste in Lützerath im Kopf, die Bilder von Räumungen der Waldbesetzungen und Häusern, die der Kohle weichen müssen. 

Aktuell finden dazu Prozesse statt. Ob für den Mönch von Lützerath, der durch seinen Kampf gegen Polizei im Schlamm von Lützerath weltweit für Aufsehen gesorgt hat, oder Besetzer:innen von Block Neurath gegen die entsprechenden Kohlekraftwerke. Doch auch im einstigen Gebiet der großen Klimakonflikte, im Hambacher Wald, ist Bewegung. Weiter gibt es vor Ort viele Baumhäuser und der Konflikt um ein Dorf nimmt zu. So soll am Tagebau Hambach südlich von Köln das Dorf Manheim weichen. Dieses Mal nicht der Kohle sondern dem Kies. Hier soll die sogenannte Manheimer Bucht, von den Menschen vor Ort eher „Manheimer Loch“ genannt, entstehen. Dabei soll nun doch noch ein Dorf zerstört werden und wichtige Teilabschnitte des Hambacher Waldes weichen. Der sogenannte Sünden- oder Erbwald, ein Teilstück des Hambacher Waldes mit wichtiger ökologischer Rolle für bedrohte Arten wie die Haselmaus oder die Bechsteinfledermaus (Anmerkung: die Rodung des Hambacher Waldes wurde 2018 aufgrund des Urteils durch das Oberverwaltungsgericht in Münster wegen der Bedrohung dieser Fledermausart eingestellt), ist unmittelbar von einer Rodung bedroht. Aktuell ist der Wald besetzt. Aktivist:innen haben auch hier Baumhäuser errichtet und bieten eine Anlaufstelle für Menschen, die sich für den Wald und das Anliegen interessieren an. Auch eine Mahnwache wird sonntags im Ort Manheim unmittelbar vor dem Waldstück abgehalten. Der Ort Manheim wurde in den letzten Wochen fast komplett durch RWE zerstört. Nur noch eine handvoll Anwohner:nnen bleibt vor Ort. Viele Straßen werden abgerissen und auch auf Bauruinen, die Tieren als Versteck und Anlaufpunkt galten, wird nicht geachtet. 

Weiter nördlich wird zunehmend auf die Umsetzung des Projektes der sogenannten Rheinwassertransportleitung hingearbeitet. So wurden erste Bauteile aus der Türkei geliefert und liegen in den entsprechenden Materiallagern unweit von Dormagen, wo die Wasserentnahmestelle aus dem Rhein entstehen soll. Trotz aller Kritik und Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Projektes hält RWE und auch die Landesregierung an dem Projekt fest. Festzuhalten bleibt, dass auch hier weiter ein Auge auf die Situation gehalten werden sollte. Der Hambacher Wald, welcher durch die Austrocknung und die Insellage (bald wird es umgeben von Gruben bzw. Baustellen sein, wodurch ein Genaustausch der Tiere unmöglich sein wird) weiter unmittelbar in seinem Bestand bedroht ist, ist weiter ein großes Symbol für die Klimagerechtigkeitsbewegung. Besonders im Kampf gegen den Kapitalismus sollte diese Situation daher weiter unsere Aufmerksamkeit kriegen. Ein Besuch der Waldbesetzung oder der Mahnwachen ist ausdrücklich gewünscht und jede Unterstützung ist willkommen.