Am Ostersonntag wurde in Oldenburg der 21-jährige Lorenz A. bei einem Polizeieinsatz erschossen. Laut Polizei soll er nach einem Streit vor einer Diskothek Reizgas versprüht und später auch gegenüber Beamt:innen eingesetzt haben. Ein Polizist schoss daraufhin viermal – drei Schüsse trafen Lorenz in den Rücken. Er starb später im Krankenhaus.
Die Behörden rechtfertigen den Einsatz mit einer „akuten Bedrohungslage“, doch zentrale Details bleiben unklar: Zwar heißt es, Lorenz habe ein Messer bei sich gehabt, doch bislang gibt es dafür keinen öffentlich bestätigten Beweis. Auch die Darstellung, er sei „hochgefährlich“ gewesen, basiert vor allem auf Schilderungen von Passant:innen und Polizei. Überprüfbare Beweise fehlen jedoch und die Ermittler schweigen. Kritik kommt von Angehörigen, Freund:innen und Aktivist:innen, die auf eine Häufung tödlicher Polizeieinsätze gegen nicht-weiße Menschen hinweisen. Sie fordern eine unabhängige Aufklärung, da es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt. Die Morde durch die Polizei und auch die zunehmende Polizeigewalt häufen sich.
Der Fall reiht sich ein in eine Serie tödlicher Polizeieinsätze, die in den vergangenen Jahren bundesweit für Entsetzen sorgten:
Oury Jalloh, ein Asylbewerber aus Sierra Leone, starb 2005 in einer Dessauer Polizeizelle in einer gefesselten Position bei einem Brand. Bis heute sind die Umstände ungeklärt, offizielle Erklärungen gelten als widerlegt.
Adel B. wurde 2019 in Essen von der Polizei erschossen, nachdem er in einem psychischen Ausnahmezustand war. Auch hier wurde sein Verhalten als „bedrohlich“ eingestuft – eine Deeskalation fand nicht statt.
Qosay K., ein 19-jähriger Jeside, starb 2021 nach einem Polizeieinsatz in Delmenhorst. Er wurde unter Drogenverdacht festgenommen – in Gewahrsam brach er zusammen und starb später im Krankenhaus. Die Umstände wurden bis heute nicht aufgeklärt. Nun soll auch noch ausgerechnet diese Polizeiinspektion aus „Neutralität“ ermitteln, ob der Schusswaffengebrauch verhältnismäßig war.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den beteiligten Polizisten wegen des Verdachts auf Totschlag. Für viele steht fest: Polizeigewalt ist kein Einzelfall – sondern ein strukturelles Problem. In Oldenburg formiert sich derweil Protest – mit Mahnwachen, Demonstrationen und der Forderung: Gerechtigkeit für Lorenz.
