Zehntausende Menschen gingen auch in diesem Jahr bei den traditionellen Ostermärschen in ganz Deutschland auf die Straße und forderten „Frieden gegen Aufrüstung und imperialistische Kriegspolitik“. Bei den Ostermärschen in mehr als 100 Städten Deutschlands waren die Menschen in diesem Jahr mit verstärkten Friedensbotschaften auf der Straße. Zehntausende Menschen, die dem Aufruf der Friedensbewegung folgten, brachten die Forderung der Menschen nach Frieden in einer Welt zum Ausdruck, die von Militarismus, imperialistischem Expansionismus und faschistischen Tendenzen überschattet wird. Die Organisationskomitees erklärten, dass die diesjährigen Märsche erfolgreicher waren als die der Vorjahre, sowohl was die Zahl der Teilnehmer:innen als auch die Verbreitung in den Städten betrifft. Die Demonstrationen, die am Ostermontag fortgesetzt wurden, fanden in Großstädten wie Frankfurt am Main, Stuttgart und Berlin sowie an strategischen Punkten wie dem Luftwaffenstützpunkt Büchel in Rheinland-Pfalz statt, wo sich US-Atomwaffen befinden. Die starke Beteiligung an den Demonstrationen, insbesondere in den Großstädten Stuttgart, Berlin und Frankfurt, zeigte einmal mehr die Massenstärke der Friedensbewegung.
Auf der Tagesordnung der Friedensdemonstrationen standen Themen wie „Wettrüsten, steigende Rüstungsexporte, imperialistische Kriege und systematische Völkerrechtsverletzungen“, die gerade in den letzten Jahren an Dynamik gewonnen haben. Die Rolle Deutschlands in der NATO, dem imperialistischen Kriegsapparat, und die Bereitstellung enormer Mittel für die Aufrüstung (900 Milliarden Euro) geben Anlass zu ernster Sorge. Willi van Ooyen, Sprecher der Organisation, sagte: „Diese Schritte im Namen der Sicherheit machen die Menschen unsicherer. Aufrüstung bringt keinen Frieden, sondern ebnet nur den Weg für neue Konflikte“, und wies auf die Notwendigkeit hin, diese Politik zu hinterfragen.
Der Plan der USA, im Jahr 2026 neue Mittelstreckenraketen mit Atomsprengköpfen in Deutschland zu stationieren, war eines der Themen, auf die die Demonstrationen aufmerksam machten. Diese Entwicklung wird als ein Schritt gesehen, der nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa nuklear bedrohen würde.
„Eine Zukunft ohne Krieg ist möglich“
Ein weiterer markanter Beitrag zur Friedensbewegung kam in diesem Jahr von Jugendorganisationen. Gegen die Wehrpflichtpläne der Bundeswehr und die Militärprogramme und -propaganda an den Universitäten beteiligten sich junge Menschen an Demonstrationen unter dem Motto „Eine Zukunft ohne Krieg ist möglich“. Auch die Werbekampagnen der Bundeswehr in Schulen und Wirtschaftszentren riefen starke Reaktionen hervor. Die junge Generation lernt nicht nur die Lehren aus der Vergangenheit, sondern erhebt auch ihre Stimme für eine Zukunft in einer Gesellschaft ohne Krieg.
Aus der Geschichte muss gelernt werden
Auf der Kundgebung in Bochum-Wattenscheid erinnerte Ulrich Sander, Vertreter der antifaschistischen Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA), an die historischen Folgen des Militarismus und betonte die Gefahren des Schweigens. Er zitierte die Aussagen der ersten Ostermärsche von 1960: „Noch einmal: Wir dürfen nicht schweigen. Der Krieg ebnete den Weg für Konzentrationslager, Zerstörung und Völkermord. Wenn die nukleare Aufrüstung fortgesetzt wird, droht dieses Mal der gesamten Menschheit die Auslöschung…“.
Die diesjährigen Demonstrationen forderten nicht nur Frieden, sondern kritisierten auch die wirtschaftlichen und politischen Machtverhältnisse, die hinter dem Krieg stehen. Die Demonstrierenden stellten fest, dass die imperialistischen Interventionen im Einklang mit den Interessen der Rüstungsindustrie durchgeführt werden und dass diese militaristische Struktur nur durch die Solidarität und den Kampf der Völker durchbrochen werden kann. Im Mittelpunkt der Kritik stand die Zunahme der deutschen Rüstungsexporte, insbesondere in Konfliktgebiete. Die Demonstration in Berlin forderte auch ein Ende des Krieges in Gaza. Doch die Polizei, die auch diese Forderung nicht duldete, griff die Demonstration an und nahm Dutzende von Menschen fest. Beim kreativen Protest vor dem niedersächsischen Rheinmetall-Rüstungswerk erregte der Slogan „Tomaten statt Granaten“ Aufmerksamkeit.
Die Friedensbewegung insgesamt formiert sich als Einspruch nicht nur gegen Kriege, sondern gegen die gesamte Ordnung, die Krieg produziert. Die Massen, die sich des Zusammenhangs zwischen Imperialismus, Militarismus und Faschismus bewusst sind, haben bei den Ostermärschen einmal mehr nachdrücklich auf diese Tatsache hingewiesen. Die diesjährigen Ostermärsche waren, auch wenn sie die reformistischen Grenzen nicht überwinden konnten, die Räume, in denen sich der Zorn der werktätigen Klassen gegen die wachsende Kriegsgefahr widerspiegelte.
