13. Mai 2026

1. Mai – Die Geschichte des internationalen Arbeiterkampftags

Den meisten Menschen ist der 1. Mai nur als ein gewöhnlicher Feiertag bekannt, der auch „Tag der Arbeit“ genannt wird. Seine Entstehungsgeschichte klärt jedoch auf, dass es sich um einen von den Arbeiter:innen mit Blut erkämpften Tag handelt.

Der 8-Stunden-Tag galt seit jeher als eine der wichtigsten Forderungen der Arbeiter:innenbewegung, insbesondere im 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1856 war er zum ersten Mal von australischen Arbeiter:innen erkämpft worden. Nach diesem Vorbild ging auch die amerikanische Arbeiter:innenklasse am 1. Mai 1886 auf die Straße und legte mit der gleichen Forderung die Maschinen still. An den landesweit durchgeführten Streiks in den USA nahmen rund eine halbe Million Arbeiter:innen teil. Die US-amerikanische Unternehmer:innenklasse fürchtete sich vor dieser organisierten Masse und plante aus diesem Grund bereits einen brutalen und hinterhältigen Angriff auf die Streikenden.

Der Haymarket Square wurde zu einem zentralen Ort der Proteste. Die wichtigsten Versammlungen begannen dort oder sollten dort enden. Am 3. Mai wurden die Streikenden von der Polizei angegriffen, nachdem zuvor deren Streikbrecher als Schlägertrupps die Versammlung attackiert hatten. Mehrere Arbeiter wurden von der Polizei erschossen oder verletzt. Doch auch nach diesem Angriff schreckten die Streikenden nicht zurück und marschierten erneut Richtung Haymarket Square.

Der 4. Mai markierte schließlich den Höhepunkt des Konflikts zwischen den Ausgebeuteten und der kapitalistischen Staatsgewalt. Durch eine Bombe, die in der versammelten Menge gezündet wurde, starben zwölf Menschen. Die Hintergründe des Bombenangriffs gelten bis heute als unbekannt. Die Polizei fügte dem Anschlag jedoch noch mehr Gewalt hinzu und eröffnete das Feuer gegen die Streikenden. So wurden unzählige weitere Arbeiter:innen ermordet. Es blieb allerdings nicht nur dabei: Der Staat nutzte diese Situation für einen politischen Prozess und machte die Organisatoren der Versammlung verantwortlich. Die vier wichtigen Arbeiterführer August Spies, Albert Parsons, Adolph Fischer und George Engel wurden infolgedessen hingerichtet. Dies führte auf internationaler Ebene zu Empörung und Protesten. 7 Jahre später wurde offiziell das Urteil gefällt, dass alle Beschuldigten eigentlich unschuldig gewesen waren.

Die Bedeutung des 1. Mai

Aus Solidarität mit den amerikanischen Arbeiter:innen und diesem prägenden Augenblick in der Geschichte der Arbeiter:innenklasse, machte der französische Delegierte Raymond Felix Lavigne der 1889 in Paris stattfindenden II. Internationale einen Vorschlag: Der Arbeiterführer aus Bordeaux schlug vor, den 1. Mai symbolisch als internationalen Arbeiterkampftag einzuführen. Damit wurde dieses Datum ab 1890 zu einem traditionellen Tag des Klassenkampfes, der Einheit und der Solidarität. Der sogennante Haymarket Riot war weltweit zu einem Funken geworden.

Betrachtet man den 1. Mai heute, wird schnell deutlich, dass die Geschichte völlig vergessen wurde. Das Motto Klassenkampf wurde ersetzt durch die Parole „Lasst uns den Kapitalismus verschönern“. Unter der Führung der sozialdemokratisch-reformistischen Parteien und der mit den Unternehmer:innen kollaborierenden Gewerkschaftsbonzen hat der 1. Mai seinen revolutionären Charakter verloren und wurde seines eigentlichen Inhaltes beraubt. Es war ein geschickter Schachzug des kapitalistischen Staates und seiner Kapitalistenklasse, die Bedeutung dieses wichtigen Tages zu verfälschen und ihn auf einen gewöhnlichen Feiertag zu reduzieren. Die Gewerkschaftsbürokratie wiederum formte den 1. Mai zu einer traditionellen Feier, auf der nur alibimäßig inkonsequente Worte über die Rechte der Arbeiter:innen gesprochen werden. Der Hauptfokus liegt dabei gänzlich auf der Festlichkeit des Tages, sodass die erdrückende Mehrheit der Teilnehmer:innen dieser Feste nicht einmal zur traditionellen Demonstration erscheint. Die etablierten Feiern und Alkoholexzesse im Rahmen des „Tanz in den Mai“ am Vortag des 1. Mais spielen sicherlich auch eine Rolle dabei, ob am nächsten Morgen demonstriert wird oder überhaupt die Kenntnis über diesen Anlass existiert.

Der Kapitalismus hat in seiner Geschichte die Formen der Ausbeutung und Unterdrückung zwar verändert, doch immer noch läuft dieses Wirtschaftssystem nach denselben Prinzipien. Es ist und bleibt eine gnadenlose Klassengesellschaft, in der die Klasse der Lohnabhängigen in einem ewigen Kreislauf ihre Arbeitskraft verkauft, während die Unternehmer:innenklasse diese ausbeutet und sich von Tag zu Tag mehr bereichert. Gesellschaft, Politik und alles was dazugehört, wird vom Prinzip der Profitmaximierung und somit von den Interessen der Konzerne bestimmt. Den Höhepunkt dieses Systems bilden schließlich wachsende Armut, verheerende ökonomische Krisen, unumkehrbare Umweltzerstörung, faschistischer Terror und vernichtende Kriege. In diesem Sinne zeigt die heutige Situation auf der Welt, dass der 1. Mai sogar bedeutender denn je geworden ist; nicht als Feiertag, sondern als wahrhaftiger Kampftag der Arbeiter:innenklasse.