In den letzten Monaten kam es in Deutschland in verschiedenen Branchen zu Arbeitskämpfen und Tarifkonflikten. Besonders betroffen davon waren der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV), die Geld- und Werttransportbranche sowie die Metall- und Elektroindustrie.
Seit dem 21. Februar 2025 kommt es in mehreren Bundesländern immer wieder zu Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr. Die Gewerkschaft Verdi hat rund 50.000 Beschäftigte kommunaler Bus- und Bahnunternehmen dazu aufgerufen, für einen Tag die Arbeit niederzulegen. Der Grund dafür ist, dass die Arbeitgeber:innen bisher kein akzeptables Angebot für neue Tarifverträge vorgelegt haben.
Auch in der Geld- und Werttransportbranche drohten kurz vor Weihnachten 2024 Streiks, die zu leeren Geldautomaten hätten führen können. Nach Verhandlungen einigten sich die Tarifparteien auf eine Gehaltserhöhung von bis zu 8,43 Prozent über zwei Jahre.
Im November 2024 legten Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in Bayern die Arbeit nieder, um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen zu fordern. Die IG Metall organisierte Streiks in 27 Betrieben sowie Kundgebungen in Aschaffenburg und Augsburg.
Für die nahe Zukunft sind weitere Streiks in Kliniken, Kitas, Verwaltungen und dem ÖPNV angekündigt.
Die Forderungen nach besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen machen deutlich, wie ungerecht der Wohlstand verteilt ist: Die Arbeiter:innen leisten essenzielle Arbeit, während Unternehmen und der Staat davon profitieren, ihnen aber zu wenig zahlen. Besonders im Nahverkehr zeigt sich dieses Ungleichgewicht, weil das System ohne die Beschäftigten schlicht nicht funktioniert.
Diese Streiks sind mehr als reine Lohnkämpfe – sie zeigen, dass ohne die organisierte Arbeiter:innenklasse nichts läuft. Auch sind sie Ausdruck der wachsenden Widersprüche im Kapitalismus, der es nicht schafft, den Menschen eine sichere, solide Lebensgrundlage zu ermöglichen.
Allerdings hat sich durch diese Arbeitskämpfe auch gezeigt, dass bürgerliche Gewerkschaften kein revolutionäres Instrument der Arbeiter:innenklasse sind, sondern ein Mittel, um den Kapitalismus zu stabilisieren. Gewerkschaften wie Verdi und IG Metall haben in jüngsten Tarifkonflikten oft faule Kompromisse geschlossen, anstatt konsequent für die Interessen der Arbeiter:innen zu kämpfen. Im öffentlichen Nahverkehr etwa wurden Streiks schnell beendet, obwohl die Löhne kaum gestiegen sind und die Arbeitsbedingungen weiter schlecht bleiben. In der Geld- und Werttransportbranche drohte ein längerer Streik, doch die Gewerkschaften einigten sich auf eine moderate Lohnerhöhung, die kaum die Inflation ausgleicht. Solche Zugeständnisse zeigen, dass bürgerliche Gewerkschaften eher das System stabilisieren, als es grundlegend infrage zu stellen.
Ihre enge Zusammenarbeit mit Staat und Unternehmen macht sie zu einem Werkzeug der herrschenden Klasse, um die Arbeiter:innen in geordnete Bahnen zu lenken. Statt echter Klassenkämpfe organisieren sie oft nur symbolische Proteste, die den Unmut der Beschäftigten kontrollieren, aber das System nicht gefährden. Nur eine revolutionäre Gewerkschaftsbewegung, die auf den Sturz des Kapitalismus hinarbeitet, kann die Befreiung der Arbeiter:innenklasse wirklich vorantreiben.
