15. Mai 2026

Nach dem Tod von 15 Menschen in Serbien: Proteste gegen Korruption

Am 1. November ereignete sich ein schwerer Unfall am Bahnhof der serbischen Stadt Novi Sad, bei dem 15 Menschen durch den Einsturz des Bahnhofsdaches ums Leben kamen. Der Bahnhof war erst vor kurzem nach mehrjährigen Renovierungsarbeiten wieder eröffnet worden.

In den Wochen danach kam es zu landesweiten Protesten, die vor allem von Schüler:innen und Studierenden getragen wurden. Zehntausende Menschen forderten die vollständige Veröffentlichung aller Dokumente zu den Renovierungsarbeiten, die Festnahme der Verantwortlichen sowie die Freilassung aller Aktivist:innen, die während der Proteste inhaftiert worden waren.

Präsident Aleksandar Vučić lenkte schließlich ein und hob die Geheimhaltung der Bauunterlagen auf. Doch die Protestierenden kritisierten die veröffentlichten Dokumente als „unvollständig“. Der Staat machte den ehemaligen Minister für Bau, Verkehr und Infrastruktur für die Sicherheitsmängel verantwortlich. Die Demonstrant:innen aber sehen das Problem tiefer: Es gehe nicht um einzelne Personen, sondern um Korruption, die Baumängel duldet.

Am Abend des 22. Dezember versammelten sich erneut Zehntausende auf dem Slavija-Platz in der Hauptstadt Belgrad. Mit einer 15-minütigen Schweigeminute gedachten sie der Opfer und trugen Schilder mit Aufschriften wie „Eure Hände sind blutig“, „Ist euer Gewissen beruhigt?“ und „Studierende sind die Stimme der Vernunft“.

Verflechtungen zwischen Bauunternehmen, Politik und Behörden sind ein Resultat des profitorientierten kapitalistischen Systems. Statt Verantwortung zu übernehmen, sucht die Regierung nach Schuldigen, um von den strukturellen Problemen abzulenken. Die 15 Opfer sind mehr als nur eine Zahl; sie stehen stellvertretend für die zahllosen Menschen, die weltweit unter den Folgen eines Systems leiden, das den Profit über das Leben von Menschen stellt. Alles kostspielige, was diesem Profit im Wege steht, wie z.B. ordentliche Sicherheitsmaßnahmen und Vorbeugung, wird bewusst umgangen. Die Proteste in Serbien sind ein Aufschrei gegen diese Ungerechtigkeit und ein Hoffnungsschimmer, dass Veränderung möglich ist.