13. Mai 2026

Frauenkampftag, die Geschichte und aktuelle Entwicklungen

Der internationale Frauenkampftag ist ein Tag, bei dem es darum geht gegen die fortwährende Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen im kapitalistischen Patriarchat zu kämpfen und um an die revolutionären Ursprünge dieses Tages zu erinnern.

Der 8. März ist kein symbolischer Feiertag, sondern ein Kampftag mit revolutionärer Tradition. Sein Ursprung liegt in den Kämpfen der Arbeiterinnenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. 1908 demonstrierten Textilarbeiterinnen in New York gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne. 1910 rief die marxistische Feministin Clara Zetkin dann den Internationalen Frauenkampftag ins Leben. Doch diese Einheit wurde mit dem Ersten Weltkrieg zerschlagen. Die SPD verriet die Losung „Klasse gegen Klasse“, stimmte für die Kriegskredite und stellte sich auf die Seite des Nationalstaats. Am Ende ließ sie nicht nur die internationale Solidarität fallen, sondern beteiligte sich auch an der brutalen Verfolgung und Ermordung der revolutionären Kräfte in den eigenen Reihen. Der 8. März wurde endgültig zum Kampfsymbol, als Arbeiterinnen 1917 in Petrograd durch Massendemonstrationen und Streik gegen Krieg und Hunger die Februarrevolution einleiteten.

Trotz über hundert Jahren Kampf ist die kapitalistische Ausbeutung von Frauen nicht überwunden. Zu sehen ist hingegen sogar wie bereits vor 100 Jahren erkämpfte Rechte, wie das Recht auf Abtreibung, durch den kapitalistischen Staat und den vorherrschenden Rechtsruck wieder genommen werden sollen. 

Noch immer verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer. In Deutschland lag die Lohnlücke 2019 bei 20 Prozent. Selbst bei gleicher Qualifikation und Arbeit betrug der bereinigte Unterschied noch immer sechs Prozent. Frauen verrichten über die Hälfte mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer – sie kochen, pflegen, erziehen, während der Kapitalismus diese Arbeit systematisch entwertet und unsichtbar macht. Und das, obwohl ohne diese unbezahlte Arbeit kein kapitalistisches Unternehmen bestehen könnte.

Gewalt gegen Frauen ist demnach ein zentrales Herrschaftsinstrument des Patriarchats, das dazu dient, Frauen in traditionellen Rollen zu halten, sie zu kontrollieren und ihnen ihre Selbstbestimmung zu nehmen. Sexualisierte Gewalt und die Einschränkung reproduktiver Rechte (d.h. über sexuelle Selbstbestimmung oder freie Entscheidung über Schwangerschaft und Geburt) greifen direkt in die physische und psychische Gesundheit von Frauen ein, während häusliche Gewalt und wirtschaftliche Unsicherheit sie in die Abhängigkeit drängen. Diese Mechanismen verhindern nicht nur die Befreiung der Frau, sondern verhindern auch ihre gemeinsame Organisation gegen die kapitalistische Ordnung, indem die Frau in eine gewisse gesellschaftliche Rolle gedrängt wird.

Auch heute ist sichtbar, wie feministische Parolen für imperialistische Interessen vereinnahmt werden. Während der Staat Milliarden in Aufrüstung steckt, bleiben Frauenhäuser unterfinanziert, Mädchenzentren werden geschlossen, queere Beratungsstellen gestrichen. Löhne verlieren gegenüber der Inflation an Wert, während die Profite der Rüstungskonzerne in die Höhe schießen. Von Palästina bis Kurdistan werden Geschäfte mit der Ermordung von Frauen und Mädchen gemacht, während ein Sondervermögen für das Militär das nächste jagt.

Diese Militarisierung bleibt nicht ohne Folgen. Gewalt gegen Frauen und Queers nimmt zu und Femizide sind tägliche Realität. Das ist aber kein Zufall, sondern Ausdruck eines autoritären Rechtsrucks, der nach innen zuschlägt, während nach außen Kriege geführt werden. Krieg im Ausland bedeutet Repression und Gewalt im Inland – und letztlich werden es die Körper der Arbeiter:innen und Werktätigen sein, an denen sich dieses System als letztes austobt.

Die feministische Theoretikerin Alexandra Kollontai erkannte im frühen 20. Jahrhundert, dass die Befreiung der Frau untrennbar mit der Abschaffung des Kapitalismus verbunden ist. Der Kampf für Frauenrechte kann nicht losgelöst vom Klassenkampf betrachtet werden. Dementsprechend kann Gleichberechtigung innerhalb eines ausbeuterischen Systems nicht erreicht werden. Diese Erkenntnis führte, unter dem starken Einfluss von Kollontai und ihren Weggefährt:innen, zu den frauenrechtlichen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts auf der ganzen Welt, speziell in denen unter Einfluss der UdSSR und der sozialistischen Bewegung. 

Die Antwort kann dem zufolge nur der Kampf gegen das kapitalistische Patriarchat sein, was der Frauenkampftag Ausdruck bringen will. Die Forderungen die an diesem Tag auf Demos und Veranstaltungen geäußert worden sind immer noch identisch oder ähnlich zu denen der Vergangenheit: Vergesellschaftung von Reproduktionsarbeit, die Abschaffung der Lohnungleichheit, gerechte Arbeitsbedingungen und eine Gesellschaft, in der nicht Profite, sondern Menschen im Mittelpunkt stehen. 

Die Natur des Tages als Kampftag beinhaltet einen weiteren wichtigen Punkt der allen Weggefährt:innen der Frauenbefreiung der Vergangenheit klar war und immer noch ist. Die Befreiung wird nicht durch Appelle an die Herrschenden erreicht, sondern durch den Kampf der Arbeiter:innenklasse selbst. Die letzten Jahre und Jahrzehnte sind gefüllt mit dem erbitterten Kampf für Frauenbefreiung. Der kapitalistische Staat steht diesem entgegen, erkennbar an der Polizeigewalt in Berlin, Deutschland und überall auf der Welt, auch an diesem Tag.