Die Finanz- und Wirtschaftskrise des kapitalistischen Systems treibt Unternehmen in die Pleite. Die Frankfurter Wirtschaftsforschungsorganisation Creditreform erwartet, dass die bundesweite Insolvenzquote in Deutschland bis Ende dieses Jahres von 60 auf 72 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen steigen wird. Das entspricht einem starken Anstieg von 20 Prozent gegenüber 2023. Auch im unterdurchschnittlichen Bundesland Bayern steigt nach Angaben der Organisation die Zahl der Unternehmensinsolvenzen rasant an. Laut Creditreform stieg die Insolvenzquote im Freistaat von 45 auf 53 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, was einem Anstieg von knapp 18 Prozent entspricht.
Im Ländervergleich liegt Bayern an dritter Stelle, während die Insolvenzquoten in Brandenburg und Thüringen niedriger sind. Die drei Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg weisen die meisten Insolvenzen auf. Spitzenreiter ist laut Creditrefom die deutsche Hauptstadt Berlin mit 123 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen.
In absoluten Zahlen erwartet Creditreform bundesweit 22.400 Unternehmensinsolvenzen, fast ein Viertel mehr als im Vorjahr und den höchsten Stand seit 2015. Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung und Pressesprecher bei Creditreform in Frankfurt sagt: „Die Krisen der letzten Jahre haben sich bei den Unternehmen in Form von Insolvenzen bemerkbar gemacht, wenn auch mit Verzögerung. Das bedeutet, dass bald wieder Zahlen in der Nähe der Spitzeninsolvenzen von 2009 und 2010, wo mehr als 32.000 Unternehmen in Konkurs gingen, zu verzeichnen sein könnten.“
Die Pleitewelle, die der deutsche Staat während der Pandemie durch die Flutung des Marktes mit Geld unterdrückt hat, trifft nun vor allem schwächere Unternehmen durch Zinserhöhungen zur Bekämpfung der durch den Krieg in der Ukraine und hohe Energiepreise ausgelösten Inflation. Die Leidtragenden sind also die Menschen, die sowieso keinen großen Profite machen und die Mitarbeitenden, die nun um ihre Jobs bangen müssen. Laut Creditreform betreffen die Insolvenzen vor allem kleine Unternehmen mit maximal zehn Mitarbeiter:innen, sodass im Jahr 2024 insgesamt 320.000 Arbeitsplätze in Deutschland durch Firmenpleiten bedroht sind. Aber auch einige große Unternehmen haben Insolvenz angemeldet, so zum Beispiel der Essener Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof. Drei der zehn großen insolventen Unternehmen befinden sich nach Angaben von Creditreform im Bundesland Bayern. Dabei handelt es sich um den Münchner Reiseveranstalter FTI Touristik mit 8.000 Mitarbeitenden, die in Oberfranken und Thüringen ansässige Krankenhausgruppe Regiomed mit 5.200 Beschäftigten und die Gries Deco Gruppe in Unterfranken mit 3.100 Mitarbeiter:innen. Zu Gries Deco, die Insolvenz angemeldet hat, gehört auch die Einzelhandelskette Depot.
