„Es ist ein Kampf ums Leben“, so Kolumbiens Präsident Gustavo Petro in seiner Eröffnungsrede in Cali. Derzeit findet in Cali in Kolumbien die COP 16, die Biodiversitätskonferenz der Vereinten Nationen statt. In Kolumbien haben sich dabei viele neben den staatlichen Entscheidungsträger:innen auch NGOs und Aktivist:innen, vor allem von indigenen Völkern versammelt, die einen gerechteren Umgang mit der Natur fordern.
Nachdem zuletzt 2022 in Montreal Ziele für den Schutz der Artenvielfalt formuliert worden waren, soll die Umsetzung dieser nun bewertet werden. Das Problem dabei: Kaum jemand hat die Hausaufgaben gemacht. Das Minimum, eine nationale Strategie zum Naturschutz, haben nur 30 der fast 200 Vertragspartner erfüllt. Das Ziel (30:30 genannt) bis zum Jahr 2030 30% der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen, wird bei weitem verfehlt werden. Auch Deutschland wird es bei weitem verfehlen. Eine Strategie zum Naturschutz bringt man zwar mit, allerdings ist diese noch nicht abgestimmt und gültig.
Außerdem geht es wieder ums Geld. Da Länder wie Deutschland ihre Biodiversität und Natur stark beschädigt haben, sollen vor allem die intakten Naturzonen (meist in sogenannten Entwicklungsländern) wie der Amazonas in Brasilien oder die Anden in Peru finanziell geschützt werden. Doch niemand will zahlen. Die Gelder sollen über die Weltbank durch den Global Biodiversity Framework verteilt werden; ein kompliziertes und bürokratisches Verfahren, über das sich Länder wie Brasilien beschweren. Des Weiteren stehe zu wenig Geld zur Verfügung.
Der Schuldenerlass für sogenannte Entwicklungsländer wie Kolumbien ist eine weitere Forderung. Mehr als staatliche Repräsentant:innen versuchen jedoch vor allem die Zivilgesellschaft und aktivistische Gruppen Lösungen zu finden. Eine ihrer zentralen Forderungen: Die Kommerzialisierung der Natur und die Förderung von Marktmechanismen zum angeblichen Schutz der Natur als falsche Lösungen zu verhindern. Allen voran La Via Campesina, ein internationales Bündnis von Landarbeiter:innen, Fischer:innen, Landlosen und Indigenen aus über 80 Ländern, ist hier als Gegenpol zur neoliberalen Globalisierung durch die Vereinten Nationen und die Welthandelsorganisation (WTO) präsent. Sie sehen viele Ansätze als Greenwashing und als politische Durchsetzung von Konzerninteressen. Sie stellen den Anspruch, die Stimme der Ungehörten zu sein, also derer, die mit der Natur arbeiten und leben. Dabei ist die Rede von wirklicher Klimagerechtigkeit, dem Ende des Extraktivismus und einem systematischen Wechsel.
