Einer von nun über 150 Femiziden 2024
Vergangene Woche, am 17.10.2024, ereignete sich in Köln-Mülheim ein weiterer Femizid. Dies war der 149 Femizid dieses Jahres. Seitdem wurden zwei weitere Frauen kaltblütig ermordet. Das ist ein Femizid alle 48 Stunden.
Ein Femizid beschreibt einen Mord an einer Person (meistens Frauen oder Mädchen) aufgrund ihrer, durch das patriarchale kapitalistische System gegebene, untergeordneten Position. Diese Art patriarchaler Gewalt geht von Männern aus dem nahen Umfeld des Opfers aus. Die Täter und ihre Taten haben ihren Ursprung in der seit Geburt an vom kapitalistischen System anerzogene patriarchale Gewaltstruktur, die sie in diesem Moment, aufs extremste zugespitzt, anwenden. Die Täter meinen zu glauben sie könnten sich das Recht herausnehmen, aus vom Täter selbst definierten Gründen, (tödliche) Gewalt anzuwenden und das Opfer so bspw. für diesen Grund „zu bestrafen“. Im Endeffekt sind diese erfundenen Gründe niemals ein triftiger Grund um Gewalt anzuwenden und dies bedeutet, dass die Opfer wegen nichts anderem als ihrer Position im patriarchalen kapitalistischen System ermordet werden.
Der Mord in Köln-Mülheim war genau dies. Laut den Aussagen der Nachbarn war die Situation zwischen Täter und Opfer, die sich in einer Beziehung befanden, angespannt. Es soll Streit und Auseinandersetzungen gegeben haben. Am vergangenen Donnerstag spitzte sich die Situation zu. Das Opfer und ein weiteres männliches Opfer, welches schwer verletzt überlebte, wurden zuerst vom Täter mit mehreren Stichen verletzt. Daraufhin stürzten beide aus der Wohnung im vierten Stock.
Die Dunkelziffer der Femizide in Deutschland und Weltweit ist außerordentlich hoch. Gewalt am Ehepartner war in der BRD noch bis in die Anfänge der 2000er Jahre legal und in vielen Staaten dieser Erde ist dies immer noch so. Genauso ist die Hürde für Opfer von patriarchaler Gewalt diese zur Anzeige zu bringen ebenfalls sehr hoch. Vom gesellschaftlichen Druck, Druck von Familie und Umfeld, über zum Staatsapparat, ob Polizei oder Justiz, ist das Desinteresse solche Fälle zu klären hoch.
Zum einen, weil viele Fälle vor Gericht scheitern. Zum anderen, weil das kapitalistische System kein Interesse daran hat die patriarchalen Strukturen zu zerschlagen. Das Patriarchat und die dadurch doppelte Unterdrückung der Frau* nützt dem Kapitalismus ungemein. Die Bourgeois dieser Erde profitieren durch die ungeheure Menge an nicht entlohnten Arbeitsstunden die die Frauenrolle entrichtet immens. Außerdem muss das kapitalistische System nur (ungefähr) halb so viele Menschen unterdrücken, wenn die andere Hälfte diese Aufgabe für sie übernimmt. Das Kapital und damit die Staaten dieser Welt haben somit gar kein Interesse Femizide und das Patriarchat zu beenden, sondern im Gegenteil, es nützt ihnen.
Dies erkennt man auch daran wie über Femizide berichtet wird, besonders in Deutschland. In den meisten Fällen wird gar nicht berichtet oder nur in den kleinsten Lokalzeitschriften. Ebenfalls wird dann, wie bei den allermeisten Gewaltverbrechen im kapitalistischen System, der Polizeibericht zu diesem Gewaltverbrechen kopiert. Die Polizei beschreibt Femizide oft verharmlosend als „Familiendrama“, „Tat der Leidenschaft“ oder ähnliches. So wird patriarchale Gewalt dezidiert aus der Öffentlichkeit ferngehalten. Oft kommen nur die Femizide, die von migrantischen oder muslimischen Männern begangen werden in der breiten Öffentlichkeit an, da so die Propaganda gegen Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund weiter breitgetreten werden kann und vom eigentlichen Problem abgelenkt werden kann: Das patriarchale kapitalistische System.
Das Patriachat und das kapitalistischen System kann nur überwunden werden, wenn alle Arbeiter:innen und Werktätigen dieser Welt sich entschlossen gegen den Kapitalismus und das Patriachat stellen und organisieren.
