15. Mai 2026

Massive Studentenproteste in Bangladesch

In Bangladesch kam es in den letzten Tagen zu militanten Protesten, die allen voran von der jungen Generation geprägt wurden. Im Fokus steht die von den Protestierenden verurteilte Wiedereinführung eines Quotensystems, das Familien von Veteranen bei der Vergabe von Jobs im öffentlichen Dienst bevorzugen soll. Besonders Menschen, die der regierenden Partei „Awami-Liga“ nahestehen, sollen bevorzugt werden. Das Quotensystem war ursprünglich 2018 nach Protesten abgeschafft worden.

In den letzten Tagen kam es schließlich zu zahlreichen Protestaktionen, unter anderem Blockaden von Straßen und Besetzungen von Universitätsgebäuden. Das Staatsfernsehen wurde gestürmt und in Brand gesetzt. Viele Geschäfte blieben geschlossen. Es kam zu gewaltsamen Angriffen der Polizei auf die protestierenden Student:innen, bei denen neben Tränengas und Blendgranaten auch Geschosse aus Gummi oder Schrot eingesetzt wurden. Laut der Nachrichtenagentur AFP kam es allein am Donnerstag zu 32 Toten. Insgesamt liegt die Zahl der Toten in einer Woche bei mindestens 151 und Hunderte sind verletzt.

Die Regierung verhängte anschließend sogar eine Ausgangssperre im Namen der öffentlichen Sicherheit. Schulen und Universitäten blieben geschlossen und auch das Internet wurde gesperrt, wodurch der Informationsfluss völlig lahmgelegt wurde. Bei der Ausgangssperre arbeitet die Polizei mit dem Militär zusammen.

Der Protest der Student:innen geht weit über studentische Interessen hinaus. Es handelt sich klar um einen politischen Protest, der sich nicht nur gegen die Abschaffung des Quotensystems richtet, sondern auch gegen die starke Arbeitslosigkeit und Inflation im Land. Es wird der Rücktritt der seit 15 Jahren amtierenden Ministerpräsidentin Sheikh Hasina gefordert. Trotz der Repressionen und vielen Toten durch die Polizei sind die protestierenden Student:innen entschlossen den Kampf fortzuführen und sich nicht einschüchtern zu lassen.

Der Oberste Gerichtshof ging aufgrund des militanten Widerstandes bereits einen großen Schritt zurück und reduzierte die Quote von 30 auf 7 Prozent. Auch die Regierung lenkte ein und gab zumindest an, auf Forderungen eingehen zu wollen. Doch für die studentische Bewegung ist es nun von größter Bedeutung, sich in ihrem Momentum nicht bremsen und durch angebliche Verhandlungen bremsen zu lassen. Ein sehr wahrscheinliches Hinhaltemanöver der Regierung zu verhindern, wird eine der kritischen Aufgaben für den Erfolg der Proteste sein.