Gestern, am 24.02.26, jährte sich der Beginn des Ukraine Krieges zum vierten Mal; ein Ende scheint nicht in Sicht. Die Verlustzahlen auf beiden Seiten sind kaum prüfbar, da die Dunkelziffern deutlich höher liegen und Opferzahlen stets eine rhetorische Waffe beider Kriegsparteien sind. Dennoch zeichnen selbst die konservativsten Schätzungen ein schreckliches Bild: Schätzungen zufolge wurden seit Beginn des Krieges bis zu 1,8 Millionen russische und ukrainische Soldaten getötet, verwundet oder gelten als vermisst. Auf ukrainischer Seite verkündete Präsident Selenskyj Anfang Februar diesen Jahres 55.000 gefallene Soldaten, während andere westliche Quellen von bis zu 140.000 Toten sprechen. Auf russischer Seite geben Quellen eine Totenzahl im Rahmen von 200.000 bis zu 350.000 an.
Es sind nicht die Oligarchen, Generäle oder Politiker:innen, die in den Schützengräben verbluten. Wie in jedem imperialistischen Krieg, sind es auf beiden Seiten die Kinder der Arbeiterklasse. Die russischen Mobilisierungswellen seit 2022 haben das bestätigt: Die Rekrutierung konzentrierte sich nachweislich auf die ärmsten und marginalisierten Regionen des Landes, wie etwa Burjatien oder die Peripherien Sibiriens, während wohlhabende städtische Schichten die Möglichkeit hatten, ins Ausland auszureisen.
Seit Februar 2022 hat Russland etwa 20 Prozent des ukrainischen Gebiets besetzt. Der Angriffskrieg hat sich zu einem Stellungskrieg entwickelt; es gibt seit Monaten keine richtige Frontbewegung mehr. Und das ist wahnsinnig teuer: Ein einziger Kriegstag kostete die Ukraine im Jahr 2025 durchschnittlich 172 Millionen Dollar; ein Anstieg von fast 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei ist die Ukraine finanziell komplett auf westliche Hilfen angewiesen. 2025 erhielt die Ukraine 52,4 Milliarden Dollar externe Finanzierung; seit Kriegsbeginn beläuft sich die gesamte finanzielle Aushilfe auf fast 168 Milliarden Dollar. Selbstverständlich ist dieses Geld kein Geschenk aus Nächstenliebe oder Solidarität, wie es uns so gern verkauft wird, sondern ein politisches Instrument, das die Ukraine strukturell in die Schuld westlicher Staaten stellt und ihr nach einem etwaigen Kriegsende kaum Platz für eine eigenständige wirtschaftliche Entwicklung lassen wird.
Auf russischer Seite stellt sich die Frage nach der Finanzierung als noch drängender heraus, denn die westlichen Sanktionen haben die russische Volkswirtschaft sehr hart getroffen. Russisches Erdöl wurde im Februar 2026 mit einem Abschlag von 40 Prozent gehandelt. Erste Zahlen deuteten darauf hin, dass der russische Staat in den ersten beiden Monaten 2026 nur noch halb so viel aus dem Öl- und Gassektor einnehmen wird wie vor einem Jahr; es handelt sich hier um einen Sektor, der etwa ein Viertel aller Staatseinnahmen ausmacht. Diese Kosten werden natürlich nicht nach oben, in Richtung Oligarchie und Rüstungskapital, sondern nach unten weitergereicht. So zahlt die Arbeiterklasse nicht nur mit ihrem Leben, sondern auch finanziell den Krieg: Bei Grundnahrungsmitteln sind die Preise um bis zu 200 Prozent gestiegen.
Wer hat den Krieg denn nun gewonnen?
Die klaren Gewinner dieses Krieges stehen jetzt schon fest: Die Rüstungsindustrie beider Blöcke, deutsche Konzerne wie Rheinmetall, Lockheed Martin oder BAE Systems, verzeichneten seit 2022 Rekordgewinne und volle Auftragsbücher über Jahre hinaus. Insbesondere US-amerikanische und norwegische Energiekonzerne konnten Europa den Ersatz für russisches Gas zu Höchstpreisen verkaufen, während z.B. in Deutschland die lohnabhängige Bevölkerung die Energiekrise in Form explodierender Strom- und Heizkosten tragen muss. In Kombination mit den anderen Kriegen, die der Westen führt oder unterstützt, werden die Lebenserhaltungskosten noch größere Dimensionen annehmen.
Besonders die von den USA geführte Kriegsinstitution NATO konnte sich durch den Krieg strategisch stärken, indem sie die Blockbildung der Länder intensiviert und ihre Front um Finnland und Schweden erweitert hat. Die westlichen imperialistischen Mächte haben jahrelang einen antirussischen Putsch in der Ukraine gefördert, eine kontinuierliche Einkesselung Russlands seitens der NATO betrieben und schließlich mit Provokationen durch Angriffe auf die russische Bevölkerung in der Ukraine Russland dazu bewegt, einen Krieg zwischen den imperialistischen Lagern zu starten. Das große Ziel dessen war die Schwächung des imperialistischen Konkurrenten Russlands. Wer eindeutig verloren hat, ist die lohnabhängige Bevölkerung beider Länder und darüber hinaus. Vier Jahre Krieg in der Ukraine, hunderttausende Tote. Es drängt sich jeden Tag mehr die Frage auf: Sozialismus oder Barbarei?
