15. Mai 2026

Der neue Wehrdienst: Die Jugend soll erneut in den Krieg

Ab 2026 wird jeder 18-jährige Mann und jede 18-jährige Frau Post von der Bundeswehr bekommen. In dieser Post wird nach dem Gesundheitszustand, Bildungsabschlüssen und Interesse an der Bundeswehr gefragt. Das Ausfüllen ist für Männer Pflicht, für Frauen freiwillig. Ob Mann oder Frau diesen Wehrdienst antritt, soll „freiwillig“ sein. Die Musterung, die Prüfung der geistigen und körperlichen Vorraussetzungen für einen Wehrdienst, ist ebenfalls Pflicht für alle ab dem 01.01.2008 geborenen Männer. Diese Musterung soll ab Mitte 2027 starten.

Wie erwähnt, setzt das Gesetz auf „Freiwilligkeit“. Diese Freiwilligkeit gilt aber nur, solange die riesige Propagandamaschine der Bundeswehr der letzten Jahre Wirkung zeigt. Dafür wird nun schon seit Jahren die Werbeglocke der Bundeswehr geläutet. An Schulen, auf der Straße, auf Jobmessen und sogar auf Dönerpapier. Die Bundeswehr ist überall. Dazu kommt auch noch die Vergütung, die man erhalten soll: 2.600 Euro brutto. Der Staat kann wohl lebenserhaltende Löhne zahlen, aber nur, wenn man dieses Leben für Deutschland gibt. Das ausgesprochene Ziel ist es, 460.000 Soldat:innen bis 2035 zu rekrutieren. 200.000 davon sollen Reservist:innen sein. 

Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich die Herrschaften aus der Regierung schöne neue Wortkombinationen ausgedacht. „Bedarfswehrpflicht“ und ein dazugehöriges Losverfahren sind ebenfalls Teil des Gesetzes. Nach den eigenen Worten der schwarz-roten Koalition soll die Bedarfswehrpflicht „Lücken zwischen dem Bedarf der Streitkräfte und der tatsächlichen Zahl an Freiwilligen“ abdecken. Das heißt, dass im Endeffekt diese sogenannte Freiwilligkeit trotzdem hinfällig ist.

Was ab jetzt klar ist: Dieses Gesetz wird nun offiziell dazu führen, dass jeder Mann der 2008 und danach geboren wurde, sich zwingend mit der Bundeswehr auseinandersetzen muss. Und wie wir in der Vergangenheit bei den Versammlungsgesetzen, den Polizeigesetzen etc. gesehen haben, bleibt es nie bei diesem einen Schritt. Dieses Gesetz öffnet Tür und Tor für eine aktivierbare militarisierte Gesellschaft, die praktisch und von der Propaganda auf Krieg vorbereitet wird.

Interessant ist auch: Wer doch das Pech hat, in Zukunft eingezogen zu werden oder sich durch die unaufhörliche Propaganda der Bundeswehr „freiwillig“ dazu zu entscheiden den Wehrdienst anzutreten, hat eine Mindestlaufzeit von 6 Monaten. Diese 6 Monate Ausbildung qualifizieren einen zum Sicherungs- und Wachsoldaten. In anderen Worten: Heimatschutz. Also werden in erster Linie Menschen ausgebildet, um Versorgungslinien für den modernen Krieg mit Drohnen, selbstfliegenden Raketen und Robotertechnik aufrechtzuerhalten und die Bevölkerung in ihrem Widerstand gegen Krieg zu unterdrücken. Die Waffen werden also, so vorausschauend die Herrschenden manchmal sind, schon in beide Richtungen geschärft; nach innen und nach außen.

Zusammengefasst ist also der Dienst an der Waffe ab 2026 beschlossene Sache: Der Blick der Herrschenden richtet sich nach außen aufs „Erobern“, oder wie sie es nennen: „Sicherheit“, und nach innen auf Gehorsam. Währenddessen stopfen sich die Kapitalisten die Taschen mit Profiten durch Aufrüstung. 

Wer sich nun in Zukunft mit dem Thema Wehrdienst bzw. der Wehrpflicht beschäftigen muss oder davon betroffen ist, muss sich schon jetzt über Wege der Verweigerung informieren, wie z.B. auf verweigern.info. Ein unerlässlicher Schritt wird jedoch sein, sich mit vielen anderen Menschen politisch zu organisieren, um eine starke Gegenbewegung gegen die Militarisierung der Gesellschaft aufzubauen.

Die Situation, so düster sie auch aussehen mag, ist nämlich noch nicht hoffnungslos. Das Rheinmetall-Entwaffnen Camp und alle Demonstrationen und Aktionen drumherum, die Demos gegen Wehrpflicht und der von Schüler:innen organisierte bundesweite Schulstreik am 05.12.2026 zeigen: Die Gesellschaft und die Menschen in ihr wollen mehrheitlich keinen Krieg. Sie wollen ihre Söhne und Töchter, ihre Mütter und Väter nicht im Krieg verlieren. Die nun stärker werdende antimilitaristische Bewegung und die nun seit mindestens zwei Jahren anhaltende Solidarität mit den Klassengeschwistern aus Palästina sind die ersten Impulse für einen Umbruch in diesem kriegstreibenden System.