Alle drei Minuten erlebt eine Frau oder ein Mädchen in Deutschland häusliche Gewalt; jeden Tag werden mehr als 140 von ihnen in Deutschland Opfer einer Sexualstraftat. Fast jeden dritten Tag stirbt eine Frau in Deutschland durch die Hand ihres Partners.
Heute, am 25.11., dem internationalen Gedenktag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, bietet uns das kapitalistische System wie jedes Jahr Awareness-Kampagnen, UN-Resolutionen und lila Schleifchen als Antwort auf dieses Problem. Als wäre Gewalt gegen Frauen eine Frage der Kommunikation; als müsste man Männern nur deutlicher zu verstehen geben, dass sie ihre Partnerinnen nicht umbringen dürfen. Dabei entspringt diese Gewalt gar nicht einem mangelndem Bewusstsein allein, sondern ist in erster Linie tief verwoben mit konkreten materiellen Interessen:
Gewalt gegen Frauen und Mädchen sichert Verfügungsgewalt über Arbeitskraft, Sexualität und Reproduktion. Frauen arbeiten überproportional häufig in Niedriglohnsektoren mit prekären Arbeitsbedingungen wie Pflege, Reinigung, Einzelhandel, Gastronomie. Die daraus resultierende ökonomische Abhängigkeit vom „Ernährer“ der Familie ist kein verstaubtes Relikt der Vergangenheit, sondern erfüllt auch heute noch einen konkreten Zweck: Sie senkt die Reproduktionskosten der Arbeitskraft und privatisiert die Kosten für Kinderbetreuung, Pflege und Hausarbeit. Der Kapitalismus bedient sich dabei patriarchaler Strukturen, die Frauen diese unbezahlte Arbeit zuweisen. Häusliche Gewalt wird so zu einem Instrument der Disziplinierung; sie hält Frauen in ökonomischer Abhängigkeit und bindet sie an unbezahlte Reproduktionsarbeit. Clara Zetkin schreibt dazu: „Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein. Nur in der sozialistischen Gesellschaft werden die Frauen wie die Arbeitet in den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen.“
Und während hier lila Schleifchen verteilt werden, schweigt der liberale westliche Feminismus zu den Frauen, die just in diesem Moment unvorstellbare Gewalt erleben: Die Palästinenserinnen, die unter israelischen Bomben sterben, systematisch vom israelischen Staat ausgehungert werden oder von IDF Soldaten gefoltert und vergewaltigt werden; die sudanesischen Frauen, die systematischer sexualisierter Gewalt durch Milizen ausgesetzt sind.
Ihr Leiden ist Symptom der gleichen kapitalistischen Strukturen und deswegen braucht es keine Awareness-Kampagnen, sondern Klassenkampf, der am 25. November auf die Straße getragen werden muss. Die Gewalt gegen Frauen und Mädchen wird nicht enden, bis die Verhältnisse umgeworfen sind, die sie hervorbringen. Wie es ein Slogan der internationalen Frauenbefreiung sagt: Frauen, die kämpfen, sind Frauen, die leben!
