Die humanitäre Lage im Gazastreifen hat sich noch einmal verschärft und wird von internationalen Organisationen zunehmend als „menschenverursachte Massenhungersnot“ beschrieben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und zahlreiche Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Save the Children und Oxfam schlagen Alarm und weisen darauf hin, dass über zwei Millionen Menschen in Gaza von lebensbedrohlicher Unterernährung betroffen sind.
Während die israelische Regierung immer und immer wieder betont, „Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung“ zu ergreifen, steht dem eine Realität gegenüber, die sich klar als systematische Beseitigung der gesamten palästinensischen Bevölkerung darstellt.
Bis heute leugnen viele Medienvertreter:innen und Politiker:innen die Tatsache, dass sich in Palästina ein Genozid abspielt. Sie sprechen von „Krieg“, von „humanitärer Katastrophe“, von „Selbstverteidigung“. Dabei konnte es jede:r selbst beobachten: Seit dem 07. Oktober 2023 berichten mutige palästinensische Journalist:innen in Echtzeit aus der Hölle, die die israelische Regierung in Palästina geschaffen hat. Sie zeigen die Zerstörung, die Toten, die Verletzten. Die vielen Kinder, die ihre Eltern verloren; die einen grausamen Hungertod starben; die bei dem Versuch, Lebensmittel von Hilfskonvois zu bekommen, von der IDF erschossen wurden.
Heute sehen wir, dass der Genozid an den Palästinenser:innen seine letzten Züge erreicht. Wir wissen, dass 85% der palästinensischen Bevölkerung von lebensbedrohlichem Hunger betroffen ist. Expert:innen sprechen von Phase 5 der Unterernährung, der bedrohlichsten und tödlichsten – selbst wenn nun ausreichend Lebensmittel im Gazastreifen ankommen würden, würden sich viele Menschen von der Unterernährung nicht mehr erholen oder bleibende Schäden davontragen.
UN-Trucks voller Hilfslieferungen stehen am Gazastreifen bereit, aber werden nach wie vor von der israelischen Regierung blockiert, während wenige Meter weiter Millionen von Palästinenser:innen zu Tode hungern. Das zeigt uns deutlich: Der Hunger ist keine Nebenerscheinung des Genozids, sondern sein Werkzeug. Die Hungersnot in Gaza ist geplant und gewollt, Hilfe wäre vorhanden, aber wird blockiert. Hunger ist somit Israels aktuellste Waffe gegen die palästinensische Bevölkerung.
„Nie wieder“ – der Schwur, der aus den Verbrechen der Shoah hervorging, wird heute von denen entweiht, die ihn am lautesten beschwören. Was als universelle Mahnung gedacht war, ist zum nationalen Besitzanspruch verkommen, selektiv angewendet und politisch instrumentalisiert. Wer „Nie wieder“ ernst meint, muss es überall verteidigen – auch in Gaza, auch für Palästinenser:innen. Gerade deshalb ist die internationale Solidarität der Arbeiter:innen und Unterdrückten in aller Welt von zentraler Bedeutung, denn dieser Genozid geschieht nicht in einem luftleeren Raum. Er ist eingebettet in eine globale Ordnung, die auf Ausbeutung, Kontrolle und militärischer Gewalt beruht. Es ist der imperiale Kapitalismus, der Kriege als Investitionschance, Widerspruch als Sicherheitsproblem und Menschenleben als verhandelbare Ressource betrachtet. Die Waffen, die heute in Gaza töten, die Technologie, die überwacht, die Blockaden, die aushungern, sind Produkte eines Systems, das Profit über Leben stellt.
Der Kampf des palästinensischen Volkes ist daher nicht nur ein nationaler Befreiungskampf, er ist auch ein Teil des globalen Kampfes gegen ein System, das solche Verbrechen erst möglich macht, duldet und absichert. Es braucht eine klassenbewusste, antikapitalistische und internationalistische Solidarität, die sich nicht von rassistischen Narrativen blenden oder von politischen Repressionen schwächen lässt. Wer für Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde kämpft, steht an der Seite der Palästinenser:innen.
