Die Krise ausgetragen auf dem Rücken der Belegschaft
Die großen Industriegiganten Deutschlands scheinen vermeintlich zu straucheln. Durch die Konkurrenz aus Asien, aus den sogenannten „Billiglohnländern“, Länder mit noch weniger Arbeitsrechten, müssen die großen Stahl- und Chemie-Riesen anscheinend große Sparkurse fahren. Und wo wird angefangen? Bei den Arbeiter:innen.
Erst einmal zu den Argumenten der Konzerne, die branchenübergreifend ziemlich ähnlich klingen: Hohe Energiekosten, Konjunkturschwäche und Billigkonkurrenz aus Asien. Grundsätzlich können diese Argumente, abhängig von der spezifischen Branche, ja auch wahr sein, doch sie spielen erst eine Rolle im kapitalistischen System, wenn dadurch der Umsatz und der Profit ausbleibt.
Im Folgenden werden zwei Beispiele aus den letzten Wochen gezeigt die genau dies widerspiegeln.
Zum einen der Bayer Konzern, der seinen Standort in Frankfurt am Main nun geschlossen hat. 500 Arbeiter:innen haben ihre Arbeitsstelle verloren. Darüber hinaus wurden weitere 200 Stellen in Dormagen gestrichen. Zwei Punkte sind hier wichtig:
1. Begründet wurden die Stellenkürzungen in der Öffentlichkeit größtenteils mit genau den Argumenten vom Anfang. Diese Argumente wurden aber von den Bayer-Managern selbst widerlegt. Sie sagten in den Verhandlungen mit den Gewerkschaftsrepräsentanten: Der Grund für diese Stellenstreichungen sind schlechte Entscheidungen auf den Chef-Etagen. Es wurde aufs falsche Pferd gesetzt, auf das in der Agrarwirtschaft als Pflanzenschutzmittel genutzte Glyphosat, anstatt auf Innovationen. D.h. die Fehlkalkulationen der Kapitalistenklasse, die darauf setzten weiter einen krebserregenden Stoff zu verkaufen, anstatt auf andere Produkte umzusteigen, die vielleicht weniger profitabel wären, muss die Belegschaft ausbaden.
2. Die Gewerkschaft, in diesem Fall die IG BCE (Bergbau, Chemie. Energie), hatte vor den Verhandlungen große Töne gespuckt. Sie würden nicht zulassen, dass das Werk geschlossen wird usw. usf. Doch am Ende, nach mehrtägigen Verhandlungen, knickten sie wie immer ein und sprachen von „fairen, tragfähigen Perspektiven für alle“. Diese Stellen dürften gestrichen werden, aber dafür keine weiteren bis 2030. Die Gewerkschaften, die seit langer Zeit nicht mehr das sind, was sie eigentlich versuchen zu sein, die vereinigte Repräsentation der Arbeitschaft, sind nun oftmals nicht viel mehr als eine weitere bürokratische Hürde für die Kapitalist:innenklasse.
Zum anderen ist es Thyssen-Krupp. Da hat der Stahlriese nun ebenfalls ein großes Rationalisierungsprogramm losgetreten, auch mit den gleichen Argumenten. Hier sieht es für die 27.000 Arbeiter:innen wie folgt aus:
Kein Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld halbiert und Arbeitszeit runter von 34 Wochenstunden auf 32,5. Natürlich ohne Lohnausgleich. Das alles auch ausgehandelt mit der Repräsentation von IG Metall am Tisch. Diese haben da ähnliche Worte gefunden wie die Kolleg:innen aus Leverkusen. Doch hier noch zusätzlich: Die Versprechen, die es bei der IG BCE noch offiziell gab, hier nur verpackt in Versprechen „bis 2030 kein werksbedingter Stellenabbau.“
Diese Beispiele zeigen klar auf was zu Beginn festgestellt wurde: Solange der Profit und die Bonuszahlungen für die Chef-Etage fließen kann weiter ausgebeutet werden. Wenn dieser ausbleibt, muss die Arbeiter:innenklasse dafür ihre Existenz hinhalten. Wenn die Kapitalist:innenklasse einer Seite der Erdkugel besser ausbeutet als die andere, wird dafür eben diese Arbeiterschicht dafür büßen müssen.
Und was machen die Gewerkschaften? Von Unterstützung von Kriegsplänen bis hin zu Entbehrlichmachung hunderter Arbeiter:innen. Sie schauen zu und nicken ab. Die Krise und Kriege in dieser imperialistisch-kapitalistischen Welt spitzen sich weiter zu und die Repräsentation der Arbeiterschaft hält ihre Füße still. Der einzige Weg dem Verschwinden ganzer Werke und Existenzen entgegenzutreten und als ganzes dem kriegstreiberischen Staaten dieser Erde die Stirn zu bieten ist eine fortschrittliche und kämpferische Arbeiter:innenbewegung aufzubauen. Diese wird all diese Probleme vom Tisch fegen, so wie sie das ihr zu Grunde liegende ausbeuterische System in seinen Grundfesten erschüttern wird.
