30. August 2026

60 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

Am 12.05. gab es Grund zu feiern: Anlässlich des 60. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel kam Israels Präsident Herzog nach Berlin, um die Solidarität Deutschlands zu loben und dankte für die Unterstützung Deutschlands in schweren Zeiten – Wie kam es zu dieser historischen Freundschaft?

Wie kam diese enge Freundschaft zustande?

Der Ursprung der Beziehung zwischen Israel und Deutschland liegt nicht innerhalb von Narrativen wie „Selbstverteidigung“, „Wiedergutmachung“ oder „aus der Geschichte lernen“, sondern in der politischen und ökonomischen Wiederbelebung des westdeutschen Kapitalismus nach 1945. Nach dem Zusammenbruch des NS-Staats und beeinflusst durch den Kalten Krieg, suchte die Bundesrepublik Anschluss an die westliche Hegemonie. Die Aufnahme von Beziehungen zu Israel diente dabei als Mittel zur außenpolitischen Rehabilitierung – besonders gegenüber den USA, die seit jeher an der Seite von Israel stehen, das ihnen wiederum seit seiner Staatsgründung als „Wachhund“ im Nahen Osten dient. Gleichzeitig konnte Deutschland mit der Lieferung von Reparationen in Form von Waren und Kapitalexporten nicht nur Schuld symbolisch „Wiedergutmachen“, sondern auch die eigene Industrie stärken – ökonomisch betrachtet war diese „Wiedergutmachung“ damit also auch ein Geschäftsmodell.

Israel wiederum war seit seiner Gründung ein zentraler Vertreter westlicher Interessen im Nahen Osten. In diese Konstellation, an der Seite der USA, gliederte sich dann auch die Bundesrepublik ein: durch Waffenlieferungen, geheimdienstliche Kooperation und politische Rückendeckung. 

Mit dem Zusammenbruch der DDR in den 1990er Jahren wurde das Verhältnis Deutschland-Israel  innerhalb der deutschen Gesellschaft ideologisch erneuert: In Deutschland entwickelte sich ein politisch-kultureller Konsens, der die Solidarität mit Israel zur sogenannten „Staatsräson“ erklärte. Was uns bis heute als Ausdruck moralischer Verantwortung für die Gräueltaten des Nationalsozialismus verkauft wird, funktioniert in Wirklichkeit als Herrschaftsideologie: Die Berufung auf die NS-Zeit wird gegen linke, antizionistische oder palästinasolidarische Stimmen instrumentalisiert; Kritik an israelischer Politik wird in bürgerlichen Medien reflexhaft mit Antisemitismus abgestempelt, und eine reale, klassenbewusste Solidarität mit Unterdrückten weicht einer staatlich kontrollierten Gedenkkultur. 

Gleichzeitig wird die Erinnerung selbst verkauft: Deutschland exportiert seine „Vergangenheitsbewältigung“ ebenso wie Autos oder Maschinen. Gedenkpolitik wird zum internationalen Aushängeschild des reuevollen und „erneuerten“ Deutschlands. Die Beziehung zu Israel ist darin eingeschlossen – als moralisch aufgeladene, aber machtpolitisch und ökonomisch wirkende Partnerschaft. Die deutsch-israelische Beziehung ist also nicht das Ergebnis von Reue und Besinnung, sondern das Zeichen eines Bündnisses zweier kapitalistischer Staaten innerhalb der globalen imperialistischen Ordnung. Die Betonung von „Schuld“ und „Verantwortung“ dient dabei der moralischen Absicherung und Rechtfertigung hegemonialer Handlungen und der Disziplinierung der Opposition – besonders derjenigen, die sich seither unermüdlich gegen Israels Vertreibung und systematischer Ermordung der Palästinenser:innen einsetzen.

Heute, am 15.05.25, dem Nakba-Tag müssen wir uns besonders an diejenigen erinnern, die den Verbündeten Deutschland und Israel zum Opfer gefallen sind: Seit der israelischen Staatsgründung im Jahr 1948 sind Schätzungen zufolge über eine Million Palästinenser:innen entwurzelt und aus ihrer Heimat vertrieben worden (vgl. Deutsche Welle). Seit dem 08.10.2023 sind im Gazastreifen über 100 000 Menschen durch Israels Hand ermordet worden – bis heute leugnet Deutschland den Genozid Israels an den Palästinenser:innen.