9. Juni 2026

Die USA wollen Grönland übernehmen

Im anhaltenden Konflikt um das Interesse an Grönland hat US-Außenminister Marco Rubio erneut Druck auf Dänemark ausgeübt. Bei einem NATO-Treffen erklärte er, viele Grönländer:innen wollten nicht länger Teil Dänemarks sein – eine Meinung, die nicht von den USA beeinflusst, sondern historisch gewachsen sei. Er betonte, die USA wären bereit, eine Partnerschaft mit Grönland einzugehen, falls sich die Insel für Unabhängigkeit entscheide. Präsident Donald Trump hatte zuvor sogar eine mögliche Annexion ins Spiel gebracht und militärische Mittel nicht ausgeschlossen.

Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen verurteilte Rubios Aussagen und betonte, dass Grönland ein gleichberechtigter Teil Dänemarks sei. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen stellte klar, dass allein die Bevölkerung Grönlands über ihre Zukunft entscheiden könne – Annexionen widersprächen der internationalen Ordnung. 

Grönland ist derzeit weitgehend autonom, gehört aber formell zu Dänemark. Zwar gibt es auf der Insel Bestrebungen in Richtung Unabhängigkeit, doch Besitzansprüche der USA wurden sowohl von Kopenhagen als auch von der grönländischen Regierung klar zurückgewiesen. Die Insel ist geopolitisch hochinteressant – nicht nur für die USA: Auch Russland und China zeigen wachsendes Interesse an der rohstoffreichen, strategisch gelegenen Insel.

Was macht Grönland so begehrt unter imperialistischen Mächten?

Als kleines, selbstverwaltetes Areal innerhalb Dänemarks steht Grönland bisher abseits des Weltmarktes: durch seine begrenzte Infrastruktur, der unterentwickelten Industrie und Abhängigkeit von Subventionen Dänemarks blieb Grönland  weitgehend außerhalb der zentralen kapitalistischen Produktions- und Handelsnetzwerke, was es zu einer Art imperialistischen „Peripherie“ macht – ein Gebiet, das zwar nicht vollständig in die kapitalistische Weltwirtschaft integriert ist, aber enormes Potenzial zur Ausbeutung bietet. Die reichen Vorkommen an seltenen Erden, Öl, Gas, Uran und anderen Rohstoffen machen die Insel zu einem attraktiven Ziel für Kapitalinvestitionen und Abbauindustrien. Die Erdöl- und Erdgasvorkommen gelten als wichtige Quelle für die globale Energie- und Technologiebranche. Chinesische Bergbauunternehmen sind daher bestrebt, ihre Investitionen in Grönland zu erhöhen. Russland hingegen ist bestrebt, seinen Einfluss in der Region des Arktischen Ozeans aufrechtzuerhalten und den Handel auf dem Nördlichen Seeweg zu sichern. 

Insgesamt bietet die strategische Lage im arktischen Raum – einer Region, die durch das Abschmelzen des Eises zunehmend militärisch und wirtschaftlich zugänglich wird – einen Vorteil für Großmächte im globalen Machtkampf, insbesondere im Hinblick auf den Zugang zu neuen Handelsrouten und zur militärischen Präsenz gegenüber konkurrierenden Staaten wie Russland und China. Wie üblich kümmern sich die Imperialisten nicht um die Tatsache, dass das Schmelzen der Gletscher ernsthafte Umweltprobleme mit sich bringen wird.

In Grönland befindet sich außerdem der 1951 von den USA eingerichtete Luftwaffenstützpunkt Thule Air Base. Washington bemüht sich seit Jahren um eine Stärkung der Rolle Grönlands in der NATO. Mit Trumps Äußerung „Wir brauchen Grönland“ wurde die Insel wieder auf die Tagesordnung gesetzt und stellt im Hinblick auf die geopolitischen Gleichgewichte ein äußerst kritisches Gebiet dar. Die zunehmende Rivalität zwischen den imperialistischen Mächten wird die diplomatischen Spannungen und strategischen Schritte in der Region weiter verschärfen.

Dementsprechend steckt hinter dem Gerede von „Partnerschaft“ und „Unabhängigkeit“ kein altruistisches Motiv, sondern der Drang nach Kapitalakkumulation und geopolitischer Vorherrschaft. Die Bevölkerung Grönlands spielt in diesem Machtspiel eine untergeordnete Rolle – ihre Selbstbestimmung wird entweder ignoriert oder nur dann anerkannt, wenn sie mit den Interessen der Großmächte vereinbar ist. Grönland soll somit zum Objekt imperialistischer Konkurrenz werden, in der wirtschaftliche Ausbeutung und strategische Kontrolle vor dem Wohle der Grönländer:innen stehen.