9. Juni 2026

Erneuter Todesfall bei Thyssenkrupp

In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar ist ein junger Mann bei einem Arbeitsunfall auf dem Werksgelände von Thyssenkrupp in Duisburg ums Leben gekommen. Es ist nicht der erste tödliche Arbeitsunfall bei Thyssen: 2022 verstarb dort bereits der Arbeiter Refat Süleyman bei einem Arbeitsunfall. 

Leiharbeit kostet Leben 

Sowohl Refat Süleyman als auch der kürzlich verstorbene Arbeiter waren bei Subunternehmen angestellt: diese Unternehmen beschäftigen in erster Linie Migrant:innen, meist aus Südeuropa, Syrien oder Afghanistan. Die Schicksale beider Männer und die der vielen anderen, die zwar nicht ums Leben kamen, aber erhebliche körperliche und psychische Schäden davontrugen, zeigen deutlich, dass Leiharbeit nicht nur ausbeuterisch, sondern lebensgefährlich ist. 

Dass Leiharbeit Leben kostet, meint zweierlei Dimensionen: Zum einen stiehlt sie Lebenszeit und Kraft. Viele Leiharbeiter:innen verdienen weniger als den Mindestlohn, sie müssen unzählige unbezahlte Überstunden machen und sind häufig von ihren Familien getrennt. Manche von ihnen leben in provisorischen Unterkünften, die nicht menschenwürdig sind und können oft keine adäquate medizinische Versorgung in Anspruch nehmen. So verbringen viele junge Menschen ihre Jugend in ausbeuterischen Betrieben, geben viel Geld zu ihren armutsbetroffenen Familien und kehren abends ausgebrannt, ausgebeutet, schwer verletzt oder gar nicht nach Hause zurück. 

Tödlich ist das System der Leiharbeit vor allem deshalb, weil aufgrund der Sprachbarriere oft keine adäquate Sicherheitsbelehrung erfolgen kann. Auch die Kommunikation mit Kolleg:innen ist dadurch erschwert. Hinzu kommt, dass vor allem bei Thyssen erhebliche Mängel bei der Arbeitssicherheit festgestellt wurden – diesen sind vor allem fremdsprachige Leiharbeiter:innen schutzlos ausgeliefert.

Es stellt sich die Frage: Wieso kommen Unternehmen wie Thyssenkrupp oder auch die Subunternehmen damit durch? Die Antwort ist keine kurze, weil so viele Faktoren hineinspielen: Durch das Subunternehmermodell wird an zentralen Aspekten wie Arbeitssicherheit und Löhnen gespart. Subunternehmen sind oft nicht verpflichtet, die gleichen Standards wie größere Unternehmen einzuhalten, wenn es um die Sicherheit der Arbeiter:innen geht. Dadurch kann es zu unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen und gefährlichen Arbeitsbedingungen kommen.

Auch bei den Löhnen wird gespart: Subunternehmen zahlen häufig niedrigere Gehälter als die Hauptunternehmen, weil sie in einem Preiskampf miteinander stehen und versuchen, ihre Kosten so gering wie möglich zu halten. Diese Löhne entsprechen oft nicht dem, was für vergleichbare Tätigkeiten in größeren, direkt angestellten Positionen gezahlt wird. Weil dies meist Migrant:innen betrifft, die innerhalb der Gesellschaft eh schon einen niedrigeren Stand haben, bleibt der Aufschrei innerhalb der Bevölkerung aus. Dies zeigt deutlich, wie gespalten die Arbeiter:innenklasse ist und wie wenig Solidarität es mit denen gibt, die keine Arbeitsrechte und keine sichere Lebensgrundlage haben. 

Wer übernimmt Verantwortung?

Bereits nach dem Tod von Refat Süleyman im Jahr 2022 weigerte sich Thyssenkrupp trotz nachgewiesenen Mängeln bei der Arbeitssicherheit,  die Verantwortung für den Unfall zu übernehmen. Auch die Staatsanwaltschaft sah es damals nicht als notwendig an, Anklage zu erheben. Im Fall des kürzlich verstorbenen Arbeiters laufen die Ermittlungen noch – Gerechtigkeit wird es aber innerhalb des kapitalistischen Systems und seiner juristischen Mühlen nicht geben, so lange die Arbeiter:innenklasse in erster Linie als Ware und nicht als Menschen gesehen werden.