Heute vor 101 Jahren starb Wladimir Iljitsch Lenin, die Führungsperson der sozialistischen Oktoberrevolution 1917 in Russland. Durch seinen essenziellen Beitrag zur Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Sozialismus und die anschließende revolutionäre Umsetzung dessen in der Praxis wird Lenin als bisher größter Revolutionär der Menschheitsgeschichte betitelt.
Die Oktoberrevolution als größtes Vermächtnis Lenins
Durch jahrelange und beharrliche politische Arbeit unter den schwierigsten Bedingungen des damaligen zaristischen Russlands gelang es 1917 der bolschewistischen Partei, die Arbeiter:innen, Bäuerinnen/Bauern und der kriegsmüden Soldaten zu vereinen, um den kapitalistischen Staat zu stürzen. Es war die ideologische Führung des Revolutionärs Lenin, unter der sich die Masse der Unterdrückten erhob und die Macht im Staat übernahm, um den Kapitalismus Stück für Stück zu beseitigen und die Demokratie der Arbeiter:innenklasse, den Sozialismus zu errichten. Im Vergleich zu den vergangenen Revolutionen der Geschichte – wie z.B. der Französischen Revolution – war die Oktoberrevolution der unblutigste Umsturz eines Systems.
Der allererste Schritt der Oktoberrevolution war der sofortige Ausstieg aus dem 1. imperialistischen Weltkrieg, den die Unternehmer:innenklasse für ihre eigenen wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen auf Kosten unzähliger Menschenleben geführt hatte. Es war Lenins vorausschauende taktische Herangehensweise und ideologische Überzeugungskraft, die trotz der ungerechten „Friedensverhandlungen“ feindlicher Kräfte – wie das imperialistische Deutschland – wichtige Friedensbedingungen durchsetzte und die Soldaten vom Tod an der Front rettete.
Der nächste Schritt der Revolution war die Umwandlung des Privateigentums an den Produktionsmitteln in gesellschaftliches Eigentum. Es war das Startsignal für das Ende der Ausbeutung von den Kapitalist:innen und den Beginn der kollektiven Nutzung der gesellschaftlichen Ressourcen. Für die verschiedenen unterdrückten Nationen des ehemaligen Kaiserreichs Russland bedeutete es endlich die nationale Unabhängigkeit, infolgedessen zahlreiche Republiken entstanden. Des Weiteren bedeutete es wichtige Schritte zur Befreiung der Frau, die in der entstehenden sozialistischen Gesellschaft durch verschiedenste Maßnahmen eine Daseinsberechtigung und Perspektive erhielt.
Doch die Errungenschaften der Oktoberrevolution blieben nicht nur auf Russland und die anschließend geschaffenen sozialistischen Sowjetrepubliken beschränkt; sie entfachte weltweit Revolutionen und nationale Befreiungskämpfe, die von den bolschewistischen Revolutionär:innen unterstützt wurden. Trotz ihrer Schwächen und Schwierigkeiten war es auch dem großen Opfer und den Heldentaten der sozialistischen Sowjetunion zu verdanken, dass während des Zweiten Weltkrieges ganz Europa und somit die Welt vom Hitlerfaschismus befreit wurde. Bis zum Mauerfall 1989, der das Ende dieses unvollendeten Sozialismusversuchs in der Geschichte symbolisierte, mussten sich alle Länder des imperialistisch-kapitalistischen Lagers der Welt in ihren kriegerischen Aggressionen und auch der Innenpolitik zügeln, um die eigene Bevölkerung nicht für die Ideen des alternativen Systems ohne Ausbeutung zu verlieren. Erst gegen Ende der Sowjetunion und besonders nach dem Mauerfall zeigte das imperialistisch-kapitalistische Weltsystem erneut sein vollständiges wahres Gesicht: Die Zeit der neoliberalen Angriffe auf die Lohnabhängigen und Werktätigen begannen, blutige imperialistische Kriege waren wieder auf der Tagesordnung.
Warum Kriege im Kapitalismus unvermeidbar sind
Neben der Anleitung zur Schaffung einer konsequenten revolutionären Parteiorganisation war der größte ideologische Beitrag Lenins, die marxistische Weltanschauung, also den wissenschaftlichen Sozialismus, durch die Analysen des Zeitalters des Imperialismus zu ergänzen. In seinem Buch „Sozialismus und Krieg“ aus dem Jahr 1915 beschrieb er den Imperialismus folgendermaßen:
„Der Imperialismus stellt die erst im 20. Jahrhundert erreichte höchste Entwicklungsstufe des Kapitalismus dar. Dem Kapitalismus ist es zu eng geworden in den alten Nationalstaaten, ohne deren Bildung er den Feudalismus nicht stürzen konnte. Der Kapitalismus hat die Konzentration bis zu einem solchen Grade entwickelt, daß ganze Industriezweige von Syndikaten, Trusts, Verbänden kapitalistischer Milliardäre in Besitz genommen sind und daß nahezu: der ganze Erdball unter diese „Kapitalgewaltigen” aufgeteilt ist, sei es in der Form von Kolonien, sei es durch die Umstrickung fremder Länder mit den tausendfachen Fäden finanzieller Ausbeutung. Der Freihandel und die freie Konkurrenz sind ersetzt durch das Streben nach Monopolen, nach Eroberung von Gebieten für Kapitalanlagen, als Rohstoffquellen usw.“
Er hob somit hervor, dass die im imperialistischen Stadium des Kapitalismus entstandenen Konzerne aufgrund ihres Profitzwanges und die bereits ausgeschöpften einheimischen Märkte stets darauf abzielen, weiter zu expandieren und als Konsequenz dessen Kriege gegen andere Konkurrenten zu führen. Die heutige Weltlage untermauert diese Analysen, denn an allen Ecken der Welt werden imperialistische Konflikte oder Kriege ausgetragen, die jederzeit zu eskalieren drohen. Insbesondere die Kriegsgebiete Ukraine, Naher Osten und Asien-Pazifik beherbergen die reale Gefahr eines Dritten Weltkriegs.
Lenin als Symbol des Antiimperialismus
In seiner revolutionären Haltung gegen den Imperialismus und seine Handlanger blieb Lenin stets konsequent und entlarvte die verschiedenen Friedensillusionen sowie das allgemeine Verständnis von Krieg und Frieden:
„Die Sozialisten haben die Kriege unter den Völkern stets als eine barbarische und bestialische Sache verurteilt. Aber unsere Stellung zum Krieg ist eine grundsätzlich andere als die der bürgerlichen Pazifisten (der Friedensfreunde und Friedensprediger) und der Anarchisten. Von den ersteren unterscheiden wir uns durch unsere Einsicht in den unabänderlichen Zusammenhang der Kriege mit dem Kampf der Klassen im Innern eines Landes, durch die Erkenntnis der Unmöglichkeit die Kriege abzuschaffen, ohne die Klassen abzuschaffen und den Sozialismus aufzubauen, ferner auch dadurch, daß wir die Berechtigung, Fortschrittlichkeit und Notwendigkeit von Bürgerkriegen voll und ganz anerkennen, d.h. von Kriegen der unterdrückten Klasse gegen die unterdrückende Klasse, der Sklaven gegen die Sklavenhalter, der leibeigenen Bauern gegen die Gutsbesitzer, der Lohnarbeiter gegen die Bourgeoisie. Von den Pazifisten wie von den Anarchisten unterscheiden wir Marxisten uns weiter dadurch, daß wir es für notwendig halten, einen jeden Krieg in seiner Besonderheit historisch (vom Standpunkt des Marxschen dialektischen Materialismus) zu analysieren. Es hat in der Geschichte manche Kriege gegeben, die trotz aller Greuel, Bestialitäten, Leiden und Qualen, die mit jedem Krieg unvermeidlich verknüpft sind, fortschrittlich waren, d.h. der Entwicklung der Menschheit Nutzen brachten, da sie halfen, besonders schädliche und reaktionäre Einrichtungen (z.B. den Absolutismus oder die Leibeigenschaft) und die barbarischsten Despotien Europas (die türkische und die russische) zu untergraben. Wir müssen daher die historischen Besonderheiten eben des jetzigen Krieges untersuchen.“
Zusammengefasst propagierte er gegen imperialistische Raubkriege, die weltweit Millionen von Menschen für die Profitinteressen der Konzerne opferte und hob die Fahne des revolutionären Kampfes gegen die herrschende Klasse des eigenen Landes. Bis zu seinem Lebensende diente er dem Ziel der Weltrevolution, die schließlich eine Welt ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Kriege einleiten sollte.
Nicht umsonst wird Lenin heute in vielen Geschichts- und Schulbüchern verteufelt; als größter antikapitalistischer und kommunistischer Revolutionär stellt er gleichzeitig die größte Gefahr für die Herrschenden im Kapitalismus dar. Doch bis heute folgen weltweit Revolutionär:innen und antikapitalistische Organisationen seinen Lehren und halten sein Erbe am Leben. Während der Kampf um den Sozialismus im 20. Jahrhundert viele Schwierigkeiten mit sich brachte, die zu seinem Scheitern führten, wird der Sozialismus im 21. Jahrhundert auf einen Nährboden stoßen, der die geeignetsten Bedingungen für die Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft bietet.
