13. Mai 2026

Erneute Räumung im Hambacher Wald – Profit vs. Natur

Nachdem es 2018 bereits zu einer Eskalation der Gewalt im Rheinischen Revier südlich von Köln rund um die Erweiterung der Tagebaue für die Braunkohleförderung gekommen ist, bei welcher auch Menschen ums Leben gekommen sind, wird es auch 2025 keinen Vorrang für die Natur geben. Deutschland, welches sich global oft als Wohlgeber für Natur und Umwelt gibt, setzt weiter auf fossile Energiestoffe und den dafür nötigen Raubbau an der Natur. 2018 gab es massive Proteste nahe des Dorfers Manheim am Tagebauloch. Hundertausende waren auf den Straßen und im Wald und solidarisierten sich mit Waldbesetzer:innen und Anwohner:innen. Tausende von Menschen wurden aus ihren Dörfern vertrieben, Ökosysteme weggebaggert und wichtige Lebensräume für Tiere für immer vernichtet. Das Braunkohleunternehmen RWE, das hinter diesen Tagebauarbeiten steht, wird dabei stark vom Staat unterstützt. Es kam zu Polizeigewalt und Ausschreitungen. 

Die Umwelt- und Naturschutzorganisation BUND klagte damals vor dem Oberverwaltungsgericht in Nordrhein-Westfalen und war erfolgreich. RWE durfte den Wald nicht roden und zerstören. Die Bechsteinfledermaus, welche streng geschützt ist, hat hier einen wichtigen Rückzugsort. 

Auch dieses Jahr geht es wieder um dieses Tier. Auch das sogenannte Sündenwäldchen, ein Teilstück des Hambacher Waldes, welches vor dem mittlerweile zu großen Teilen durch RWE zerstörten Dorfes Manheim liegt, ist ein Rückzugsort für die Fledermaus. Viele der Bäume des alten Waldes dienen mit ihren offenen Löchern als Schlafpatz. RWE ist das egal. Der Wald soll weg. Nicht für die Braunkohle, nein, für die Renatuerierung des Tagebaues. Hier soll Kies gewonnen werden, welches später zur Stabiliserung des geplanten Sees, der im mit Wasser zu füllenden Tagebaus entstehen soll. Für die ehemaligen Bewohner:innen des Dorfers ein Schlag ins Gesicht, wurde ihnen ursprünglich doch erzählt, dass ihr Dorf gerettet sei.

Aktivist:innen besetzten im September 2024 das Teilstück des Hambacher Waldes, welches ein wichtige Grünverbindung zwischen verschiedenen Teilstücken des einst zusammenhängenden Hambacher Waldes darstellt. Lebewesen schaffen es so von einem Teilstück ins andere. Der BUND klagt erneut für den Erhalt des Wäldchens, eine fast dauerhafte Mahnwache ist vor dem Wäldchen aufgebaut und regelmäßige Sonntags-Spaziergänge geplant. Menschen, die sich für den Wald einsetzen wollen und sich für das Geschehen interessieren, sind ausdrücklich eingeladen. Die nächsten Termine dazu sind am 19. und 26. Januar geplant. Diese Termine sind ebenfalls von enormer Wichtigkeit, da, laut vielen Stimmen der Bewegung selbst und der Repräsentation der Roder, ab dem 01. Februar mit der Zerstörung des „Sündenwäldchens“ begonnen werden soll. Die Vereitelung dieser Pläne ist ebenfalls von so großer Wichtigkeit, da die Rodungssaison, also die Zeit in der gerodet werden darf, nur bis zum 28. Februar geht. Wenn bis da hin verzögert werden kann, darf erst wieder im Herbst überhaupt gerodet werden.

Der Hambacher Wald ist nicht nur aufgrund seiner Funktion als Wald so wichtig. Nein, er ist auch das physische Symbol für Klimagerechtigkeit in Deutschland. Sprechen wir bei Klimagerechtigkeit oft von Gebieten wie den Amazonas, so ist der Hambacher Wald das Beispiel für den Umgang mit der Natur durch den deutschen Staat und die deutsche Industrie, wenn es um Profitgier und Flächenfraß geht. Sein Ruf geht weit über das Rheinische Revier hinaus. Sein Erhalt sollte das Anliegen aller Menschen sein, die sich gegen ein Natur und Menschen ausbeutendes System stellen.