13. Mai 2026

Wieso führen die USA und Israel Krieg mit dem Iran?

In unserem Artikel vom 28.02.26 haben wir bereits über die Anschläge der USA und Israel auf den Iran geschrieben. In den letzten Tagen hat sich die Situation, wie erwartet, dramatisch entwickelt:

Am 28. Februar 2026 starteten Israel und die USA Angriffe auf den Iran. Noch in der Nacht meldeten israelische Quellen den Tod vom iranischen Staatsoberhaupt Ali Chamenei, dessen Bunker zerstört worden sei. Am 1. März bestätigten iranische Staatsmedien seinen Tod. Ebenfalls bestätigt wurden die Tode von Generalstabschef Abdolrahim Mousavi sowie weiterer hochrangiger Geheimdienstoffiziere und Militärberater. 

Am 2. März überstieg die Zahl der Todesopfer die 555. Zu den schwersten humanitären Katastrophen bisher zählte ein Angriff auf eine Mädchen-Grundschule in Minab, bei dem mindestens 165 Schülerinnen getötet wurden. Gleichzeitig wurde bekannt, dass US-Geheimdienste intern zugaben, der Iran sei gar nicht kurz vor dem Besitz einer Atombombe gewesen, was die offizielle Begründung für die Angriffe als Lüge enttarnte. Bis zum heutigen 4. März 2026, dem fünften Kriegstag, hat Israel weitere Angriffe auf Teheran unternommen, der Konflikt hat sich auf den Libanon ausgeweitet und Iran hat nach US-Angaben über 500 Raketen sowie 2.000 Drohnen zur Abwehr abgefeuert. Die Gesamtzahl der Todesopfer im Iran überstieg die 1000. 

Wieso führen die USA und Israel Krieg mit dem Iran?

Die offiziellen Begründungen für die Angriffe auf den Iran lauteten: die Atombombe verhindern und das Regime stürzen. Das klingt vielleicht zunächst plausibel, aber der Umstand, dass US-Geheimdienste selbst einräumen, Iran sei gar nicht kurz vor dem Besitz oder Entwickeln einer Atombombe gewesen, zeigt: Das waren beides nur Vorwände. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass hinter dem Krieg ein wirtschaftliches und strategisches Interesse steckt. 

Der Nahe Osten ist eine der letzten Regionen, deren Ressourcen und Handelsrouten noch nicht vollständig unter westlichem Einfluss stehen. Iran sitzt auf den viertgrößten Ölreserven der Welt und kontrolliert mit der Straße von Hormus eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Solange der Iran diese Art von Kontrolle ausübt, bleibt die US-amerikanisch-israelische Dominanz über die Region begrenzt.

Wer außerdem von diesem Krieg profitiert, lässt sich bereits jetzt benennen: Die US-Rüstungsindustrie verbraucht in wenigen Tagen tausende Raketen, die neu produziert werden müssen – also ein sehr gutes Geschäft für die US-amerikanischen Rüstungsunternehmen. Auch die Energiekonzerne gewinnen an Einfluss, sobald die Ölversorgung der Region unter westlicher Kontrolle steht. Israel nutzt den Krieg, um im Windschatten weitere Gebiete im Westjordanland zu beanspruchen und die USA sichern sich militärische Dominanz in einer Region, aus der sie zuletzt zunehmend verdrängt wurden. Wir sehen: der Staat handelt nicht im Interesse aller, sondern im Interesse derer, die die Wirtschaft dominieren.

Die Arbeiter:innenklasse im Iran zahlt den Preis für den Profit einiger Weniger. Das Regime hatte sie seit Jahren unterdrückt und die intensiven Aufstände seit 2022 zeigen, wie groß die Wut auf die Herrschenden ist. Doch die Bomben der USA und Israels befreien niemanden und sie bringen auch keine Freiheit. Sie zerstören Schulen, Krankenhäuser und Wohnhäuser, also genau das, was das Überleben und den Widerstand des iranischen Volkes überhaupt ermöglicht.

Die Frage ist nun: Wie wird es weitergehen?

Natürlich kann man nicht zuverlässig vorhersagen, was als nächstes passiert, doch ein Blick in die Geschichtsbücher kann eine gute Idee darüber geben, welche Richtung dieser Krieg einschlagen wird. Der Irak 2003 und Libyen 2011 sind die naheliegendsten Vergleiche. Auch dort wurden Regime durch westliche Militärinterventionen gestürzt und auch dort waren die erklärten Ziele „Freiheit und Stabilität“. Was folgte, war in beiden Fällen jahrzehntelanger Bürgerkrieg, Gewalt, Armut, zerstörte Infrastruktur und eine Bevölkerung, der es nach dem Importieren der „Freiheit“ schlechter ging als zuvor. 

Den Menschen im Iran steht nun wahrscheinlich ein länger andauernder Krieg bevor. Die Führung des Irans mag immer wieder gestürzt werden, aber das Militär wird auch ohne diese Führung kämpfen. Gleichzeitig werden die Kosten für die USA steigen, finanziell und menschlich. Raketen kosten Millionen von Dollar und tausende Soldaten werden in Särgen wieder nach Hause zurückkehren. Zu erwarten ist, dass die amerikanische Bevölkerung im Inland Druck gegen den Krieg machen wird. Irgendwann wird der Druck zu groß werden, um weiterzumachen; so war es, als die USA Krieg in Vietnam führten und auch, als sie im Irak intervenierten. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass es auch hier so passieren wird. 

Die eigentliche Frage ist: Was, oder besser noch wer, kommt, wenn der Krieg vorüber ist? Einen neuen Anführer von außen einzusetzen, egal wer das sein mag, wird die iranische Bevölkerung nicht einfach akzeptieren, denn die Menschen im Iran haben selbst erlebt, was passiert, wenn der Westen entscheidet, wer ihr Land regiert: Der letzte Schah, den die USA in den 1950ern an die Macht brachten, war ein Diktator, der sein eigenes Volk unterdrückte. Seine Herrschaft war einer der Gründe, warum die islamische Revolution 1979 so viel Zustimmung bekam. 

Die einzige Entwicklung, die dem Land langfristig Stabilität bringen könnte, wäre eine, die von dem iranischen Volk selbst getragen wird. Was den Iran zu Stabilität verhelfen würde, wäre eine Gesellschaft, in der die Ressourcen des Landes tatsächlich den Arbeiter:innen und Werktätigen gehören. Mit Blick auf die aktuelle Situation scheint diese Entwicklung in weite Ferne gerückt zu sein, doch die letzten Jahre haben gezeigt: Die Menschen im Iran kämpfen seit Jahren mutig gegen das Regime und für soziale Gerechtigkeit, Frauenrechte und ein Leben ohne Angst.