Die Monopole, der „Augapfel“ des deutschen kapitalistischen Staates, haben einen sehr umfassenden Angriff gegen die Arbeiter:innenklasse angekündigt. Seit Anfang dieses Jahres haben viele Unternehmen aus verschiedenen Sektoren angekündigt, ihre Arbeitsplätze zu reduzieren und Zehntausende von Beschäftigten unter dem Vorwand „wir machen Verluste“ zu entlassen. Die großen Monopole der Eisen- und Stahlindustrie, der Automobilindustrie, der Petrochemie und des Verkehrssektors führen diesen Angriff an. Nach Berichten aus erster Hand haben VW (30.000), die Deutsche Bahn (30.000), Thyssenkrupp (zwischen 10.000 und 13.000), ZF (14.000), Continental (7.350), Bosch (7.000), Bayer (8.000), BASF (2600) in der chemischen Industrie angekündigt, dass sie beschlossen haben, Arbeiter:innen zu entlassen und einige Fabriken zu schließen. Diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn unweigerlich werden auch Tausende von großen und kleinen Betrieben, die für diese Monopole produzieren, schließen. Dies wird zu einem weiteren Gemetzel an Zehntausenden von Arbeitnehmer:innen führen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gingen allein im Jahr 2023 26.000 kleine und mittlere Unternehmen in Konkurs und Zehntausende von Arbeiter:innen und Angestellten wurden auf die Straße gesetzt. Es ist bemerkenswert, dass dieser Sturm von Angriffen gegen Arbeiter:innen und Angestellte in den wichtigsten Industriezweigen stattfindet, die den Hauptteil der deutschen Wirtschaft ausmachen und trotz der Schrumpfung der Wirtschaft enorme Gewinne machen. Eine der wichtigsten Säulen, um den Kampf zu gewinnen, ist es der Arbeiter:innenklasse die Wahrheit zu sagen und sich gegen die schmutzige Propaganda zu wehren, die auf Lügen beruht, die über die Presse/Medien verbreitet werden und versuchen, all diese Angriffe zu legitimieren.
Das Hauptziel dieser umfassenden Angriffe besteht darin, die Arbeitnehmer:innen die Rechnung für die seit 2008 andauernde Wirtschaftskrise zahlen zu lassen, die sich durch die Coronavirus-Pandemie und den Krieg in der Ukraine noch verschärft hat. Es ist offensichtlich, dass der kapitalistische Staat, die Systemparteien und die Gewerkschaftsbürokratie diesen umfassenden Angriff auf die wichtigsten Industriezweige, in denen die Arbeiter:innenklasse am stärksten organisiert ist, gemeinsam vorbereiten.
Der Kapitalismus ist ein System der Krisen
Aufgrund des internationalen Charakters der kapitalistischen Produktion und des Gesetzes der ungleichen Entwicklung können die Entwicklungen in einer beliebigen geografischen Region nicht losgelöst von ihrem internationalen Kontext analysiert werden. Daher stehen die wiederkehrenden Krisen in direktem Zusammenhang mit internationalen Entwicklungen. Das liegt daran, dass die kapitalistische Produktion nicht auf dem Bedarf, sondern auf dem Ziel der Profitsteigerung beruht. Allein diese Tatsache reicht aus, um die aktuelle Krise der Überproduktion zu erklären. Seit Jahren produzieren die multinationalen kapitalistischen Monopole fleißig, um mehr Profit zu machen und um mehr Märkte zu beherrschen.
1) Das Gesetz der ungleichen Entwicklung hat dazu geführt, dass die alleinige Vorherrschaft des westlichen imperialistischen Blocks unter Führung der USA, die die letzten 35 Jahre geprägt hat, zu Ende gegangen ist. Chinas unaufhaltsames wirtschaftliches, kommerzielles, finanzielles und militärisches Wachstum hat begonnen, die bis heute bestehende unipolare Ordnung zu stören. China, dass 17 Prozent der Weltproduktion erwirtschaftet, hat in kürzester Zeit das Produktionsniveau aller Länder der Europäischen Union erreicht. Jetzt reißt China große Stücke von dem Kuchen ab, den der imperialistische westliche Block gestern großzügig unter sich aufgeteilt hat und fordert größere Anteile. Das Niveau, das China vor allem in der Automobil- und der Eisen- und Stahlindustrie erreicht hat, ist einer der wichtigsten Faktoren für die Krise in diesen beiden Sektoren, die die Schwergewichte der deutschen Wirtschaft sind. Heute herrscht ein unerbittlicher Krieg zwischen den imperialistischen Herrschern um die Neuaufteilung der Weltmärkte. Dieser Krieg ist eine der Hauptursachen für die Rezession der europäischen und deutschen Wirtschaft in den letzten Jahren.
2) Als Folge der neoliberalen Wirtschaftspolitik der letzten fünfzig Jahre hat sich die Polarisierung von Reichtum und Elend weltweit verschärft. Die Löhne und die Kaufkraft der Arbeiter:innen und Angestellten sinken ständig. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der Anteil der Löhne an den Produktionskosten in den letzten vier Jahren von 19 Prozent auf 15 Prozent gesunken. Nach den Statistiken desselben Instituts liegt der „reale Kaufkraftverlust“ bei über 10 Prozent. Diese Situation verschärft die Krise weiter, da die Käufer der Waren, die Tag und Nacht am Fließband produziert und auf den Markt gebracht werden, immer weniger werden. Das geht so weit, dass Millionen von Menschen, deren Kaufkraft rapide schwindet, keine potenziellen Märkte mehr sind, und die umgekehrte Wirkung der vom Kapitalismus geschaffenen Armut das System erschüttert.
3) Die imperialistischen Kriege, die für die Aufteilung der Welt geführt werden, werden zwar als ein Produkt der Krisen des kapitalistischen Systems erlebt, verschärfen aber gleichzeitig die Krisen. Denn die in Kriege investierten Milliarden bereichern nur die Rüstungsmonopole, schaffen aber keinen Mehrwert für den gesellschaftlichen Reichtum. Die Folgen des imperialistischen Krieges in der Ukraine, der seit Februar 2022 andauert, lassen sich an dem großen Zusammenbruch der europäischen Volkswirtschaften und den daraus resultierenden Dimensionen des sozialen Elends ablesen. Während die europäischen kapitalistischen Monopole gestern noch riesige Profite machten, indem sie mit der billigen Energie, die sie aus Russland bezogen, viel billiger produzierten, haben sie heute mit den Problemen zu kämpfen, die durch hohe Energiepreise entstehen. Darüber hinaus werden Dutzende von Milliarden Euro aus Steuern, die im Schweiße des Angesichts der Arbeiter:innen gestohlen wurden, zur Finanzierung dieses schmutzigen Krieges ausgegeben. Diese Mittel, die für soziale Dienste und Wohlfahrt verwendet werden sollten, werden für die Fortsetzung des imperialistischen Krieges verschwendet und das soziale Elend wird vergrößert.
Angesichts dieser grundlegenden Tatsachen sollten wir einen Blick auf die sehr umfassenden Angriffe werfen, die von den kapitalistischen Monopolen in Deutschland gegen die Arbeiter:innen und Werktätigen geführt werden. Diese Angriffe, die sich hauptsächlich auf vier Grundsektoren (Automobil, Eisen-Stahl, Chemie und Verkehr) beziehen, werden sich zwangsläufig auch auf andere Sektoren ausweiten. Denn dies sind die Säulen der deutschen Wirtschaft und Millionen von Menschen arbeiten in diesen Sektoren und ihren Zulieferindustrien.
Thyssenkrupp: die Nummer eins in der deutschen Eisen- und Stahlindustrie mit 27.000 Beschäftigten in Deutschland. Es ist eines der wichtigsten Monopole, das den Hitlerfaschismus an die Macht brachte und den Faschismus und den Zweiten Imperialistischen Weltkrieg bis zum letzten Moment finanzierte. Durch diesen barbarischsten Krieg, den die Geschichte je gesehen hat, hat Thyssenkrupp das Kapital erhalten, das es heute besitzt. Thyssenkrupp betreibt hauptsächlich Eisen- und Stahlwerke in den Städten Duisburg, Bochum, Gelsenkirchen, Dortmund, Hagen, Siegen und Finnentrop in NRW. Ein 20-prozentiger Anteil an dem Monopolunternehmen wurde vor zwei Jahren an die EP Group of Companies (EPCG) des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky verkauft. Nach diesem Verkauf waren Personalabbau und Entlassungen an der Tagesordnung. Als Folge der Auflagen des Vorstandsvorsitzenden Miguel López traten vor zwei Monaten vier Mitglieder der Geschäftsführung zurück. López, der mit den neuen Managern radikale Angriffsprogramme durchführte, kündigte an, dass sie beschlossen hätten, die Eisen- und Stahlproduktion ab dem nächsten Jahr von 12,5 Millionen Tonnen auf 9 Millionen Tonnen zu senken, dass einige Fabriken geschlossen würden und dass zwischen 10.000 und 13.000 Mitarbeitende entlassen würden. Als Gründe für den Angriff nannte Tekel den übermäßigen Anstieg der Energiepreise, den internationalen Wettbewerb und die Schrumpfung des Automobilsektors- seines wichtigsten Kunden. Nach dem Rücktritt der früheren Geschäftsführung vor zwei Wochen traten auch der Aufsichtsratsvorsitzende Sigmar Gabriel (SPD), sein Stellvertreter Detlef Wetzel, der frühere IG-Metall-Chef und der vierköpfige Aufsichtsrat zurück.
Im Jahr 1988 wurde in der berüchtigten Frankfurter Erklärung, die von der IG Metall unterzeichnet wurde, der Abbau von 25.000 Arbeitsplätzen vereinbart. Seitdem folgt ein „Zukunftskonzept“ dem anderen. In jedem dieser Konzepte stimmten IG Metall und Betriebsrat Lohnkürzungen und Entlassungen zu, angeblich um Arbeitsplätze zu retten. In der Zwischenzeit wurden 90.000 Arbeitsplätze in der deutschen Eisen- und Stahlindustrie vernichtet. Zur Belohnung wurden IG-Metall-Funktionäre oft in die Vorstände der Unternehmen berufen und erhielten Millionenbeträge. Der inzwischen entlassene Markus Grolms und Oliver Burkhard, Personalchef des Gesamtkonzerns, Chef der U-Boot-produzierenden Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), sind nur zwei Beispiele.
Durch diese seit Jahren andauernden Angriffe sind Zehntausende von Arbeitsplätzen in der Eisen- und Stahlindustrie gefährdet. Die Warmbreitbandstraße in Bochum, in der das Material aus Duisburg weiterverarbeitet wird, wird Ende 2025 geschlossen, das Siliziumstahlwerk im Jahr 2030. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass bei der Thyssenkrupp-Stahlhandelstochter Schulte rund 450 Arbeitsplätze wegfallen werden- das ist jeder fünfte Arbeitsplatz im Unternehmen. Besonders gefährdet ist das Eisen- und Stahlwerk Krupp Mannesmann (HKM) südlich von Duisburg. Thyssenkrupp ist mit 50 Prozent an diesem Unternehmen beteiligt, das rund 3.000 Mitarbeiter:innen, zwei Hochöfen und eine Kokerei umfasst. Zwei Rohrwerke in Düsseldorf und Mülheim/Ruhr (ehemals Mannesmann), die einst 2.000 Menschen beschäftigten, wurden im vergangenen Jahr geschlossen.
Trotz Milliardenhilfen der Bundesregierung hat der Krieg in der Ukraine zu einer Explosion der Erdgas- und Strompreise geführt, von der alle energieintensiven Industrien betroffen sind, auch die Eisen- und Stahlindustrie. Im Jahr 2023 produzierte China über 1 Milliarde Tonnen Eisen und Stahl, das sind 54 Prozent der weltweiten Stahlproduktion. Infolge der rückläufigen Nachfrage der Automobilindustrie, dem Hauptabnehmer der Stahlindustrie, sank die deutsche Stahlproduktion im vergangenen Jahr auf 32,8 Millionen Tonnen, den niedrigsten Stand seit 2009, dem Krisenjahr nach dem weltweiten Finanz- und Wirtschaftseinbruch.
VW (Volkswagen): VW ist der größte europäische Automobilhersteller. Mit 60.000 Beschäftigten ist das Werk in Wolfsburg die größte Autofabrik der Welt. In den 122 Werken auf allen Kontinenten sind 670.000 Menschen beschäftigt, davon 120.000 in Deutschland. Hunderttausende weitere sind in der Zulieferindustrie beschäftigt. Die Porsche/Piëch-Clans, die größten VW-Aktionäre, verdanken ihren heutigen Reichtum der Tatsache, dass sie Nachfahren von Ferdinand Porsche und seinem Schwiegersohn Anton Piëch sind, der als Günstling Adolf Hitlers das Volkswagenwerk für die Nazis baute. Die Quelle des milliardenschweren Reichtums von Porsche und Piëch war die Produktion von Waffen für die faschistischen deutschen Armeen in den VW-Werken während des zweiten imperialistischen Teilungskrieges. Zehntausende von Kriegsgefangenen mussten damals unter unmenschlichen Bedingungen in den VW-Werken arbeiten und Tausende von ihnen verloren ihr Leben. Kurz gesagt, dieses Monopol, der Liebling des deutschen kapitalistischen Staates, ist das Produkt des Faschismus und seiner Arbeit. Das kapitalistische VW-Monopol, das das eigene Kind des Faschismus ist, hat nun der Arbeiter:innenklasse den Krieg erklärt. Die Rechte der Arbeiter:innen, die durch ihren Kampf errungen wurden, sollen nun durch vier Änderungen zerstört werden.
- Der Vertrag zur nachhaltigen Sicherung der Beschäftigung, der 1994 unterzeichnet wurde und bis 2029 gilt. Darüber hinaus wird auf Lohnerhöhungen in Tarifverträgen verzichtet und bestehende Löhne werden gekürzt.
- Berufsausbildungsvertrag. Mit der Kündigung dieser Vereinbarung will das VW-Management selbst entscheiden, wie viele Auszubildende es künftig einstellt und ob es die Beschäftigung nach der Ausbildung sichern kann. Nach der geltenden Vereinbarung hatten bisher der Betriebsrat und die Jugendauszubildendenvertretung (JAV) ein Mitspracherecht in dieser Frage.
- Vereinbarung über die Lohn- und Arbeitsbedingungen für Leiharbeitnehmer:innen wird ebenfalls gekündigt. Damit werden Leiharbeiter:innen erhebliche Lohneinbußen hinnehmen müssen und leichter entlassen werden können.
- Die Abschaffung der Sondervereinbarung für Spezialisten und Beschäftigte mit Führungsaufgaben (Tarif-plus).
Die Tekel-Geschäftsführung behauptet, dass die vor einiger Zeit angekündigten Einsparungen in Höhe von 10 Milliarden Euro nicht ausreichen und weitere 4 Milliarden eingespart werden müssen. Zu diesem Zweck sollen mindestens zwei Werke geschlossen und 30.000 Beschäftigte entlassen werden. Dabei hat das VW-Monopol in den letzten vier Jahren nach Abzug aller Kosten einen Gewinn von über 87 Milliarden gemacht, trotz sinkender Verkaufszahlen. Doch das reicht den gierigen Aktionären des Monopols nicht. All diese Angriffe auf VW zielen darauf ab, die Gewinne noch weiter zu steigern. Erstes Ziel von Thomas Schäfer, einem der VW-Chefs, ist es die Gewinnrate von derzeit knapp 3 Prozent auf mindestens 6,5 Prozent zu steigern. „Auch in Krisenzeiten und in einer sich ständig destabilisierenden Welt müssen wir gute Renditen erwirtschaften“, erklärt Schäfer.
Der erste Schritt bei den Angriffen auf VW begann zunächst mit einer rücksichtslosen Reorganisation bei Audi. Es wurde beschlossen, die jährlichen Werkskosten bis 2033 zu halbieren. Die IG Metall und der Audi-Betriebsrat beschlossen, bis 2025 9.500 Mitarbeiter:innen zu entlassen. In der Folge wurden 3.000 Beschäftigte entlassen und das Audi-Werk in Brüssel geschlossen. Die bei VW organisierte IG Metall hat sich mit keinem Wort gegen diesen Angriff gewandt. In keinem anderen deutschen Monopolbetrieb ist die Zusammenarbeit zwischen Management und Gewerkschaft so ausgeprägt wie bei Volkswagen. Mit einem Heer von hauptamtlichen Funktionären sorgen IG Metall und Betriebsrat in völliger Harmonie dafür, dass die Entscheidungen des Unternehmens reibungslos umgesetzt werden und es keinen Widerstand dagegen gibt. Allein im VW-Werk Wolfsburg gibt es 75 vom Unternehmen bezahlte und von der Arbeit freigestellte Gewerkschafter, davon 66 von der IG Metall. Zusätzlich werden diese Bürokraten von 2.500 Vertrauensleuten unterstützt, die „in jedem Winkel der Werksstadt Augen und Ohren haben“.
Wenn die Vertrauensleute und IG-Metall-Funktionäre sagen, „wir haben von diesem Angriffsplan nichts gewusst“, ist das eine große Lüge. Denn der Aufsichtsrat des VW-Monopols besteht zur Hälfte aus den Oligarchen Porsche und Piëch, denen 53 Prozent der Aktien gehören, zur anderen Hälfte aus dem Emir von Katar, dem 17 Prozent der Aktien gehören, und dem SPD-regierten niedersächsischen Ministerpräsidenten, dem 20 Prozent der Aktien gehören. Der ehemalige IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sitzen im achtköpfigen Präsidium des Aufsichtsrates, in dem alle wichtigen Entscheidungen besprochen werden. Der Präsident der IG Metall ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats.
Volkswagen ist mit seiner Hauptmarke VW seit den 1980er Jahren Marktführer in China. Doch der Absatz von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor geht inzwischen dramatisch zurück, stattdessen wächst die Nachfrage nach Elektroautos rasant. Bei der Neuordnung des Marktes ist VW derzeit weit abgeschlagen. Der chinesische Monopolist BYD, der derzeit nur Elektrofahrzeuge herstellt, konnte im ersten Quartal dieses Jahres seinen Marktanteil auf 11 Prozent steigern und liegt damit vor Volkswagen und Toyota. Außerdem steigerte es seine Verkaufszahlen um 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die für Elektroautos benötigten Batterien benötigen große Mengen an Lithium, Nickel, Kobalt und Grafit sowie einige seltene kritische Mineralien. Die Tatsache, dass China diesen Markt weitgehend kontrolliert und gleichzeitig diese Rohstoffe verarbeitet, bringt westliche Automonopole und Regierungen zunehmend in Konflikt mit China.
Die Rechnung der imperialistischen Kriege, der Krise und der monopolistischen Konkurrenz wird auf die Arbeiter:innenklasse abgewälzt
Während die Angriffe auf die Eisen- und Stahl- und Automobilmonopole, die Lieblinge des deutschen kapitalistischen Staates, begonnen haben, ist die Situation in Dutzenden anderen Sektoren nicht viel anders. „In den kommenden Wochen und Monaten dürften weitere Unternehmen neue oder verschärfte Sparprogramme ankündigen, darunter auch Entlassungen“, prognostiziert das Handelsblatt, die Stimme des Kapitals, unter Berufung auf Wirtschaftsexperten. Nach einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) rechnen nur fünf von 47 Branchenverbänden mit einem Anstieg der Beschäftigtenzahl bis 2024, während 23 Branchen, darunter beschäftigungsintensive Wirtschaftszweige wie der Groß- und Einzelhandel, einen Rückgang erwarten.
Neben VW und Thyssenkrupp will auch die Deutsche Bahn (DB) 30.000 Beschäftigte entlassen, um Strecken zu erhalten und auszubauen. Carlos Tavares, Chef des US-Unternehmens Stellantis, spricht von einem „Blutbad“ und einem „turbulenten Jahr 2024“. Die Werke des Konzerns in Deutschland, darunter Opel, waren im vergangenen Jahr nur zu 60 Prozent ausgelastet. In Stellantis wurde, wie die FAZ schreibt, „kein Stein auf dem anderen gelassen“. Das Opel-Werk in Eisenach steht vor der Schließung. Das Stammwerk in Rüsselsheim beschäftigte einst 15.000 Menschen, jetzt sind es nur noch 8.300. SAP, das größte deutsche Softwareunternehmen, entlässt 10.000 Mitarbeiter:innen. Ford hat sein Werk in Saarlouis geschlossen und greift nun die Beschäftigten in Köln und Valencia an.
In den Zulieferindustrien gibt es ein regelrechtes Gemetzel an Arbeitnehmer:innen. Die Giganten Bosch, Continental und Friedrichshafen (ZF) entlassen Tausende von Arbeitnehmer:innen. ZF, das weltweit 165.000 Menschen beschäftigt, will seine Belegschaft in Deutschland bis 2029 um 14.000 Mitarbeiter:innen reduzieren. Achim Dietrich, ein mit den Plänen des Monopolisten vertrauter Arbeitnehmervertreter, sagte dem Handelsblatt jedoch, dass die Zahl bis zu 18.000 betragen könnte. Eissmann Automotive hatte Anfang des Monats Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen mit Sitz in Bad Urach, südlich von Stuttgart, produziert Teile für fast alle Automarken und beschäftigt 5.000 Mitarbeiter:innen an 17 Standorten weltweit, davon 1.000 in Deutschland.
Bosch, das rund 60 Prozent seines Umsatzes im Mobilitätssektor erwirtschaftet, ist dabei diesen Bereich komplett umzugestalten. Das Unternehmen, das allein in Deutschland fast 134.000 Menschen beschäftigt, kündigt seit Monaten Stück für Stück Entlassungen an. Derzeit wird gemunkelt, dass insgesamt 7.000 Menschen entlassen werden sollen. Bosch schließt jedoch nicht aus, dass es noch mehr werden könnten. Continental will 7.350 Mitarbeiter entlassen, das sind mehr als 3 Prozent der weltweiten Gesamtbelegschaft. Auch die Reifenhersteller schließen einen Betrieb nach dem anderen. Michelin zieht sich aus der Lkw-Reifenproduktion in Deutschland zurück und wird bis Ende 2025 mehr als 1.500 Arbeitsplätze in Karlsruhe und Trier abbauen. Goodyear will das Werk im brandenburgischen Fürstenwalde mit 700 Arbeitsplätzen schließen.
Der Chemiemonopolist Bayer (100.000 Beschäftigte weltweit) hat beschlossen, 8.000 Stellen zu streichen, um die Gewinne zu steigern. Auch die BASF (112.000 Beschäftigte weltweit) hat im vergangenen Jahr ein Sparprogramm angekündigt. Sie schließt zwei Werke in Köln und Frankfurt-Höchst. Mit dem Abbau von 2.600 Stellen (zwei Drittel davon in Deutschland) sollen 1,1 Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden. Weitere Milliarden will Konzernchef Martin Brudermüller im Werk Ludwigshafen einsparen. Dafür hat er einen weiteren Stellenabbau angekündigt. Der Essener Chemiekonzern Evonik hat angekündigt, in den nächsten zwei Jahren 33.000 Stellen zu streichen, davon 1.500 in Deutschland. Das Unternehmen begründet die Entlassungsoffensive mit sinkenden Gewinnen.
Der Hausgerätehersteller Miele will bis 2025 weltweit 23.000 Stellen abbauen. Die 700 Mitarbeiter:innen starke Waschmaschinenmontage am Stammsitz in Gütersloh soll zur Kostensenkung nach Polen verlagert werden. Als Begründung führt das Unternehmen den Auftragsrückgang und steigende Kosten nach dem Umsatzrekord im Jahr 2022 an. Auch in der Hausgerätesparte von Bosch (BSH), dem europäischen Marktführer für Hausgeräte, sind tausende Arbeitsplätze gefährdet. Der Betriebsrat verhandelt derzeit gegen Massenentlassungen. All diese Angriffe sind nur die Spitze des Eisbergs. Hunderttausende von Arbeitsplätzen in der weltweiten Automobilindustrie werden wegfallen. Fast keiner der 780.000 Beschäftigten in der deutschen Automobilindustrie, 480.000 in der chemischen Industrie und Zehntausende in der Eisen- und Stahlindustrie haben einen sicheren Arbeitsplatz.
Arbeiter:innenklasse wehrt sich gegen Angriffe
Diese sehr umfassenden Angriffe der kapitalistischen Monopole werden großen Widerstand in der Arbeiter:innenklasse hervorrufen. Denn diese Angriffe richten sich vor allem gegen das Industrieproletariat, d.h. gegen die am besten organisierten und bewusstesten Teile der Arbeiter:innenklasse. Die Arbeiter:innen protestieren bereits gegen die Angriffe des Thyssenkrupp-Monopols mit Aktionen, einschließlich illegaler Streiks mit Zehntausenden von Teilnehmern. Auch die VW-Beschäftigten organisieren Massenaktionen in allen deutschen Werken mit dem Motto: „Wir werden den Angriffen nicht nachgeben, wir werden unsere Arbeitsplätze und unsere Arbeit schützen“. Die IG Metall hat in diesen Werken einen Organisationsgrad von 92 Prozent. Gleichzeitig haben die Beschäftigten hier eine historisch starke Kampferfahrung. Auf der anderen Seite der Medaille steht der Verrat der Gewerkschaftsbürokraten, die von den Monopolen gekauft und bezahlt wurden. Diese Bürokraten bemühen sich fieberhaft, dem großen Geld, das sie von den Monopolen erhalten haben, gerecht zu werden und sie werden dies auch weiterhin tun. In diesem Prozess wird ihr Verrat an der Arbeiter:innebklasse noch viel deutlicher sichtbar werden.
Das Industrieproletariat, gegen das sich die Angriffe richten, bildet den Hauptteil der Arbeiter:innenklasse in Deutschland und umfasst eine große Zahl von migrantischen Arbeiter:innen. Diese bilden die „privilegierten“ Teile der Arbeiter:innenklasse in Bezug auf ihre Arbeitsplätze und Löhne. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind 52 Prozent der Beschäftigten in der Schwerindustrie bei den Banken verschuldet. Wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren, bedeutet das, dass sie vieles von dem verlieren, was sie bisher hatten. Deshalb werden sie sich gegen diese ihnen aufgezwungenen Vernichtungsangriffe wehren.
Diese vielschichtigen Angriffe der kapitalistischen Monopole fallen mit den Tarifverhandlungen zusammen. Diese Tarifverhandlungen und die Dynamik des Kampfes gegen die Angriffe werden zusammenlaufen, die Arbeiter:innen und Werktätigen werden in einen Prozess der verstärkten Aktion eintreten. In solchen Zeiten ist die Arbeiter:innenklasse viel empfindlicher für politische Propaganda und Agitation. Diese Situation wird uns viele Gelegenheiten bieten Verbindungen mit der Klasse zu knüpfen. In Anbetracht dieser Entwicklungen sollten wir den Prozess genauer und mit Interesse verfolgen. Wir sollten uns besonders bemühen, die Arbeitenden in den Gebieten, in denen wir uns befinden, anzusprechen, um an ihren Aktionen teilzunehmen.
BİR-KAR-Arbeiter:innenkommission
