17. Juni 2026

USA und Iran einigen sich auf Kriegsende

In der Nacht zum heutigen 15. Juni 2026 gelangten die USA und der Iran zu einem vorläufigen Rahmenabkommen, das den seit dem 28. Februar 2026 laufenden Krieg formal beenden soll. Die USA und Israel hatten den Krieg mit Luftangriffen auf den Iran begonnen, noch während der Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Als Grund für diesen Angriff nannte US-Präsident Trump eine ganze Reihe sich teils widersprechender Gründe: einer erwarteten israelischen Attacke zuvorzukommen, eine angeblich unmittelbar bevorstehende iranische Bedrohung zu stoppen, Irans Raketenfähigkeiten zu zerstören, den Bau einer Atomwaffe zu verhindern, sich Irans Ölressourcen zu sichern, und durch Regimewechsel die Opposition an die Macht zu bringen.

Über den Inhalt des Abkommens lässt sich aktuell nur Widersprüchliches festhalten. Iranische Medien veröffentlichten Teile des Abkommens; US-Präsident Trump dementierte diese aber und sprach davon, dass die Führung in Teheran falsche Vertragsinhalte an die Medien weitergegeben habe. Es ist also heute noch unklar, was das Abkommen wirklich beinhaltet. Laut iranischen Medien soll es ein sofortiges und dauerhaftes Ende der Kampfhandlungen an allen Fronten einschließlich des Libanon geben, die US-Seeblockade soll binnen 30 Tagen aufgehoben werden und die Straße von Hormus soll wiedereröffnet werden. Außerdem sollen US-Streitkräfte aus der Region abgezogen werden, mindestens 300 Milliarden Dollar an Wiederaufbauhilfen gezahlt sowie 24 Milliarden Dollar an eingefrorenen iranischen Geldern freigegeben werden. Die Frage nach dem iranischen Atomprogramm bliebe ungeklärt und Gegenstand der Schlussverhandlungen, die in 60 Tagen anstehen; die Zerstörung des Raketenprogramms und die Kontrolle über die Ölressourcen wären dagegen von dem Abkommen gestrichen und auch der angestrebte Regimewechsel wäre vom Tisch. Nimmt man diesen Entwurf für gegeben, dann lässt er sich als Kapitulation der ausgewiesenen US-Kriegsziele lesen, die durch die Reihe weg nicht erfüllt wurden.

Übrig bleibt die Frage, was die ursprüngliche Zielsetzung der USA war und wieso diese nicht erreicht wurde. Es ist sehr gut denkbar, dass es ein ernsthaftes imperialistisches Interesse an der Straße von Hormus und den Ölressourcen des Irans gab, die USA aber schlicht nicht in der Lage waren, dieses durchzusetzen. Dafür gibt es mehrere plausible Gründe: Erstens konnte der Iran seine militärische Schwäche durch die Sperrung der Straße von Hormus ausgleichen; es ist nicht zu unterschätzen, wie viel Druck er auf die USA aufbaute, indem diese extrem wichtige Handelsstraße gesperrt blieb. Zweitens handelte der westliche imperiale Block nicht geschlossen: Die NATO-Verbündeten lehnten Trumps Aufforderung ab, bei der Sicherung von Hormus zu helfen. Schließlich schlug der Krieg auf die USA selbst zurück: Er wurde teuer, weniger durch die konkreten Militärausgaben als durch die Folgen der gestörten Weltwirtschaft im eigenen Land. Benzin, Energie und Lebenshaltung wurden deutlich teurer — eine Last, die wie bei jedem Krieg vor allem auf den Lohnabhängigen liegt — und Trumps Zustimmungswerte fielen parallel auf ein Rekordtief.

Sichtbar wurde damit die Grenze des US-Einflusses, genauer die Unfähigkeit, den eigenen Block hinter einem Krieg zu versammeln, den die US-Regierung im Alleingang begonnen hatte. Dass die USA diesen Krieg überhaupt durch ein Rahmenabkommen beenden, statt ein Ergebnis vorzugeben, deutet stark darauf hin, dass sie nicht in der Lage sind, ihre Ziele gegenüber dem Iran allein durchzusetzen.

Trotzdem wäre es falsch, von einer reinen Niederlage zu sprechen. Der Iran wurde militärisch schwer getroffen und sieht sich mit Kriegsschäden in dreistelliger Milliardenhöhe konfrontiert; auf militärischer Ebene haben die USA es geschafft, den Iran massiv zu schädigen. Was bisher nicht eintrat, war der Kollaps des Regimes. Dass es nicht zusammenbrach, obwohl es so stark blutete, erklärt sich wesentlich aus eben jenem Druckmittel der Straße von Hormus, mit dem der Iran seine militärische Unterlegenheit bisher sehr erfolgreich ausgleichen konnte.

Für ein abschließendes Urteil über Verlauf und vor allem Ausgang des Krieges ist es aber noch zu früh, denn der Krieg ist vier Monate alt und der wenige Stunden alte Frieden sehr fragil. Fest steht aber schon jetzt, dass die USA einen massiven Dämpfer erlitten haben und Zugeständnisse machen mussten, die die Lage des iranischen Regimes deutlich stabilisiert haben. Am kommenden Freitag soll das Rahmenabkommen in der Schweiz unterzeichnet werden — wenn sich bis dahin nicht eine (oder sogar beide Seiten) entscheiden, den Krieg weiterzuführen.

Für die iranische Bevölkerung steht fest: Weder das iranische Kapital in Form der Islamischen Republik noch der US-Imperialismus vertreten ihre Interessen. Sie ist doppelt beherrscht: von einer eigenen herrschenden Klasse, die sie ausbeutet und unterdrückt, und von der unmittelbaren Bedrohung durch die Angriffe der USA und Israel, die ihre Befreiung behauptet, aber ihre Infrastruktur zerstört und sie durch diesen Krieg umbringt. Trotzdem ist sie nicht bloß Opfer. Bereits im Januar waren sie zu großer Zahl auf der Straße und es sind die arbeitenden Klassen auf beiden Seiten, in Iran wie in den USA, die die Lasten dieses Krieges tragen. Für ihre Interessen kann letztlich nur sie selbst einstehen.