13. Mai 2026

Trump: „Heute Nacht wird eine ganze Zivilisation untergehen“

Nachdem die USA und Israel am 28.02.2026 den Iran unter dem Vorwand, dessen Atomprogramm zu zerstören, angriffen, sperrte dieser die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund 20 % des weltweiten Öl- und Gashandels fließen. Damit wurde eine der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten lahmgelegt.

Am Wochenende stellte US-Präsident Donald Trump dem Iran das Ultimatum, dass dieser die Straße von Hormus bis Dienstagabend vollständig für den Schiffsverkehr öffnen müsse, andernfalls würden die USA alle iranischen Kraftwerke und Brücken zerstören. Kurz vor Ablauf des Ultimatums heute verschärfte sich die Lage: Trump schrieb auf seiner eigens gegründeten Social Media Plattform „Truth Social“, dass „eine ganze Zivilisation heute Nacht untergehen werde, um nie wieder zurückzukehren“.

Militärisch liefen die Angriffe Israels und der USA indessen weiter; es wurden gezielt wirtschaftliche relevante Ziele in Angriff genommen, wie etwa der Flughafen in Teheran oder ein Chemiekomplex. Frankreich, die Vereinten Nationen und Amnesty International warnten vor weiteren Angriffen auf zivile Infrastruktur als Verstoß gegen das Völkerrecht; Amnesty warnt vor einer Reihe an Kriegsverbrechen.

Wie bereits vielfach hervorgehoben wissen wir, dass es sich um einen imperialistischen Krieg handelt, den die USA und Israel aktuell gegen den Iran führen. Leidtragende sind nach wie vor die iranische Zivilbevölkerung, während internationale Konzerne sich an diesem Krieg eine goldene Nase verdienen.

Interessant am aktuellen Geschehen ist vor allem die unverblümte Rhetorik Trumps, der als Vertreter der herrschenden Klasse kein Problem damit zu haben scheint, plump auszusprechen, was Sinn und Natur des imperialistischen Kriegsgeschehens ist: Die Auslöschung ganzer Zivilisationen zu einem konkreten Zweck: der Sicherung kapitalistischer Kontrolle über strategische Ressourcen und Handelswege. Was andere Politiker:innen gern hinter diplomatischer Sprache und Floskeln von Sicherheit, Demokratie und Selbstverteidigung verbergen, spricht Trump aktuell unverhohlen aus.

Mindestens genauso aufschlussreich ist die Reaktion derer, die ihre Bedenken gegenüber der aggressiven Kriegspolitik äußern, die Israel und die USA führen: Vor allem Frankreich und Amnesty International äußerten zuletzt ihre Bedenken und warnten vor völkerrechtswidrigen militärischen Handlungen und Kriegsverbrechen – natürlich ohne das System zu kritisieren, was diese Zustände überhaupt hervorbringt. 

Auf diese Weise vergießt der Westen schon seit jeher seine Krokodilstränen: Bedenken werden geäußert, Erklärungen abgegeben und Linien gezogen – diese aber stets mit Bleistift, damit man sich leicht wegradieren kann, wenn man sicher ist, dass die eigenen Interessen gewahrt bleiben. Wir haben dieses Muster bereits in Gaza beobachten müssen: dieselben Regierungen, die Kriegsverbrechen verbal verurteilten, lieferten weiter Waffen, blockierten Resolutionen im UN-Sicherheitsrat und normalisierten schrittweise das Inakzeptable – die Auslöschung der palästinensischen Bevölkerung.  Im Iran wiederholt sich diese Struktur. Die gleichen Politiker, die daran beteiligt waren, Gaza in Schutt und Asche zu legen und mehrere hunderttausend Menschen zu ermorden, drohen an anderer Stelle wieder mit der Auslöschung einer Bevölkerung, wollen Infrastruktur zerstören und Menschen vertreiben.

Und wieder schweigt der Westen nicht, eigentlich wird sogar sehr viel gesagt. Nur ist das Gesagte selbst Teil der Verschleierung dessen, was den Krieg im Iran antreibt. Es erzeugt den Anschein moralischer Kontrolle, es benennt die schrecklichen Umstände, die imperialistische Kriege nach sich ziehen, aber ohne je die Machtverhältnisse zu berühren, aus denen der Krieg erwächst. Der liberale Diskurs muss die Legitimität des Systems permanent reproduzieren, auch und gerade dann, wenn dieses System im Begriff ist, eine ganze Zivilisation zu zerstören.