Erneut bedroht US-Präsident Donald Trump den Iran mit Krieg. Auch Benjamin Netanyahu und der Shah-Sohn Reza Pahlavi fordern dies seit mehreren Jahren gezielt. Der Unterschied ist nun, dass der Zuspruch von Iraner:innen hierfür – vor allem in der Diaspora – gewachsen ist.
Ein Krieg gegen den Iran würde vor allem kapitalistischen Interessen dienen: Die Rüstungsindustrie, die Sicherung regionaler Hegemonie und die Kontrolle über weltweite Handels- und Energieflüsse, die entlang des Irans verlaufen. Zudem betrachtet die US-Regierung den Iran als strategischen Gegenspieler in Westasien, insbesondere im Einfluss auf lokale Milizen. Innenpolitisch dient die Iran Politik zugleich dazu, die Machtbasis und Anhängerschaft der US-Regierung zu stärken.
Die USA hat in den letzten Wochen dutzende Kampfjets in die Golf Region gebracht und gegen den Iran aufgerüstet. Die Bundesregierung fordert jetzt Deutsche im Iran dazu auf, das Land umgehend zu verlassen und hat aufgrund der steigenden Bedrohung eigene Soldaten aus dem kurdischen Erbil im Irak ausgeflogen. Auch der Iran bereitet sich vor und rüstet das Land auf.
Atomverhandlungen in Genf
In den vergangenen Tagen kam es in Genf zu Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Kernpunkte sind:
- Wie stark der Iran Uran anreichert
- Welche Kontrollen und Inspektionen durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) stattfinden
- Welche wirtschaftlichen Zugeständnisse im Gegenzug möglich sind
Berichtet wird, dass beide Seiten versuchen, sich an ein Atomabkommen wie 2015 anzunähern, aus dem Trump ausgestiegen war. Die USA fordern: starke Beschränkungen oder Einstellung der Urananreicherung, Rückkehr zu einem umfassenderen Abkommen ähnlich dem alten JCPOA, sowie Druck auf den Iran auszuüben, um sein Raketenprogramm und regionale Einflussnahmen einzuschränken. Der Iran hingegen fordert: Aufhebung der harten US-Sanktionen, Anerkennung seines Rechts auf Nutzung von Atomtechnologie, keine einseitige Null-Anreicherung ohne Gegenzug.
Beide Seiten haben wechselseitige, aber schwer miteinander vereinbare Forderungen. Bis jetzt gibt es noch keine Einigung und Trump gab dem Iran eine Frist von 10–15 Tagen, andernfalls möge der Iran mit “ernsthaften Konsequenzen” rechnen.
Proteste im Iran
Im ganzen Iran brachen aufgrund der wirtschaftlichen Lage und steigender Lebenshaltungskosten Ende 2025 Massenproteste aus, die vom Regime brutal und blutig unterdrückt wurden. Reza Pahlavi animiert dabei aus dem sicheren Exil, dass Menschen für ihn auf die Straßen gehen sollen. Er beansprucht die Proteste für sich und missbraucht hierbei die vom Regime ermordeten für seine Interessen. Die anhaltenden Sanktionen der USA verschärfen währenddessen die Not der Bevölkerung, während die Elite am wenigsten Schaden trägt.
Pahlavis Rolle und die SIKO
Am vergangenen Samstag versammelten sich laut Polizei etwa 250.000 Menschen auf der Theresienwiese in München. Organisiert wurde die Veranstaltung von monarchistischen iranischen Gruppen. Pahlavi trat als Hauptredner auf und nutzte die Gelegenheit, sich als Alternative zur Islamischen Republik zu inszenieren. Seine Forderungen zielen darauf ab, dass der Iran “unter Druck von außen befreit wird”, er selbst an die Macht kommt und ein „sicheres demokratisches“ System schafft. Dabei ist Pahlavi klar pro-westlich und unterstützt die westliche Militarisierung und den Imperialismus offen.
Die Sicht der Iraner:innen
Im Iran selbst sind die Menschen geteilt. Während die Javid Shah-Proteste in den Medien dominieren, distanzieren sich Gewerkschaften, linke Gruppen, Studentenbewegungen und Minderheiten sowohl vom Mullah-Regime als auch von Pahlavi, wie man dies auf Social Media verfolgen kann. Aber auch sprechen Iraner:innen darüber, dass linke Bewegungen zu schwach waren, viele sich allein gelassen gefühlt haben und imperialistische Kräfte dies nutzten, um sie an sich zu binden.
Organisationen erwähnen, dass beide Seiten rechte Ideologien vertreten: Das Regime einen islamistisch-nationalistischen Ansatz, Pahlavis Bewegung einen persisch-nationalistischen. Der Iran ist ein Mehrvölkerstaat und viele Minderheiten erinnern sich noch an die Unterdrückung durch die Zentralisierungspolitik von Pahlavis Vater und Großvater. Pahlavi selbst habe sich laut Berichten nie von den Verbrechen seiner Familie distanziert. Viel mehr betont Reza Pahlavi, dass die Einheit des iranischen Staatsgebiets gewahrt bleiben muss, was zu Spannungen und Misstrauen in Teilen der kurdischen Regionen führt. Diese fordern nämlich aufgrund jahrhundertelanger Unterdrückung in der iranischen Geschichte weitgehende Autonomie oder Unabhängigkeit.
Monarchistische Anhänger:innen im Exil griffen sogar vermehrt in der Diaspora lebende iranische Minderheiten aggressiv an. Der ehemalige Shah wird ohne zu hinterfragen idealisiert und Parolen wie “Tod den Linken” ist immer wieder zu hören. Zudem darf nicht vergessen werden, dass Reza Pahlavi zu den direkten Unterstützern Trumps und Netanyahus zählt, welche ebenfalls beide rechte nationalistische Politik betreiben.
Katrastrophale Aussichten bei Krieg
Ein Krieg zwischen den USA und dem Iran würde keine Freiheit bringen, sondern Zerstörung. Er würde Arbeiter:innen, Frauen, die Jugend, Minderheiten und besonders die arme Bevölkerung treffen; nicht die Eliten in Washington oder Teheran. Während Rüstungsindustrie und geopolitische Machtzentren profitieren, zahlt die Bevölkerung mit ihrem Leben, so, wie es unter anderem in Afghanistan und Irak zu sehen ist. Weder theokratischer Autoritarismus noch monarchistischer Nationalismus sind dabei eine Lösung. Die Alternative liegt in einer selbstorganisierten, sozialen Bewegung von unten, gegen kapitalistische Machtpolitik. Für die iranischen Organisationen gilt es, an Stärke und Rückhalt durch die iranische Arbeiter:innenklasse zu gewinnen.
