Das mit Zustimmung der USA, EU und Israel sowie der aktiven Unterstützung des türkischen Staates an die Macht gebrachte dschihadistische HTS-Regime in Syrien bedroht weiterhin die Existenz des kurdischen Volkes. Trotz vereinbarter „Waffenruhe“ besteht permanent eine hohe Gefahr von Angriffen der Terrorbanden Dscholanis. Zurecht fürchten viele ein bevorstehendes Massaker.
Die kurdische Selbstverwaltung in Rojava soll vollständig unter die Kontrolle des syrischen Staates übergehen, was bedeutet, dass sämtliche blutig erkämpften Errungenschaften des kurdischen Volkes geraubt werden. Dementsprechend gibt es auch kein wirkliches „Angebot“ seitens des HTS-Regimes; stattdessen wird in den sogenannten Verhandlungen lediglich die Kapitulation gefordert.
Die 2014/2015 durch einen großen Widerstand der kurdischen Kräfte verteidigte Stadt Kobanê wird belagert. Eine halbe Million Menschen sind von dieser Belagerung betroffen und leiden unter den Konsequenzen. Seit Tagen leben sie ohne Wasser- und Stromversorgung, was aktuell bei den niedrigeren Temperaturen für eine lebensbedrohliche Lage sorgt. Die medizinische Versorgung funktioniert nicht, denn selbst Hilfsorganisationen wie Heyva Sor (Kurdischer Roter Halbmond) werden mit Drohnen angegriffen, sodass sie nicht nach Kobanê gelangen. Außerdem mangelt es an Grundnahrungsmitteln, insbesondere Babynahrung. Unter diesen Umständen kamen viele Menschen nach Rojava, um vor Ort Hilfe zu leisten und den Widerstand zu stärken.
Das wahre Gesicht des Imperialismus
Rojava war von Anfang an kein Koalitionspartner, dem eine Zukunft garantiert werden sollte. Die Kurd:innen waren ein Spielstein des westlichen Imperialismus, angeführt von den USA, um die Kräfte des IS zu vertreiben und die eigene Stellung in Syrien zu stärken. Es ging somit nur um die eigenen imperialistischen Interessen. Es war nur eine Frage der Zeit, dass dieser Spielstein entsorgt wird. Aus diesem Grund wäre es auch falsch, von einem „Verrat“ zu sprechen, denn im imperialistisch-kapitalistischen Weltsystem gibt es weder wahre Freundschaften noch Feindschaften. Was zählt ist ausschließlich die Interessenpolitik bzw. der Nutzen.
Schon bei den vernichtenden Angriffen des türkischen Staates auf die kurdische Stadt Afrin im Jahr 2018 war klar zu sehen, dass die USA der Existenz des kurdischen Volkes keinen Wert beimessen. Doch spätestens jetzt, wo die kurdischen Kräfte – die jahrelang gekämpft und zahlreiche Opfer gegen die reaktionären Kräfte des IS gebracht haben – von den USA völlig isoliert gelassen und sogar durch die Zusammenarbeit mit den dschihadistischen HTS-Banden ersetzt worden sind, ist das wahre Gesicht des Imperialismus mehr denn je erkennbar. Nun werden sogar zahlreiche bis dato gefangene IS-Kämpfer freigelassen, damit sie in Zukunft als Soldaten für weitere Operationen im Nahen Osten dienen können. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich auch unter anderem auf einen militärischen Angriff gegen den Iran vorbereitet.
Solange die kurdische Selbstverwaltung mit den imperialistischen Plänen vereinbar war, wurde sie geduldet. Heute hat sie ihren Nutzen verloren, denn der westliche Imperialismus hat erfolgreich eine Koalition mit einem neuen dschihadistischen Regime in Syrien geschaffen, das Hand in Hand mit den Interessen der USA und des zionistischen Israels geht. Die Geschichte hat oft genug bewiesen, dass das Vertrauen in imperialistische Großmächte stets fatale Folgen und große Zerstörung mit sich bringt. Die Befreiung der unterdrückten Völker liegt einzig allein in einer konsequenten antiimperialistischen Haltung und dem gemeinsamen Kampf der Völker des Nahen Ostens gegen den Imperialismus, Zionismus und jegliche reaktionären Kräfte.
