13. Mai 2026

US-Präsident Trump will Grönland kaufen

In den letzten Monaten machte US-Präsident Donald Trump immer wieder Schlagzeilen mit seinem Plan, Grönland zu kaufen. Die staatlichen Beziehungen zwischen der USA und Grönland waren schon immer komplex und sorgten für Diskussionen:

Grönland ist ein international anerkanntes, autonomes Territorium des Königreichs Dänemark, das aktuell von rund 56.000 Einwohner:innen bewohnt wird. Als Dänemark während des zweiten Weltkriegs unter deutscher Besatzung stand, sprangen die USA den Grönländer:innen zur Seite, um eine Besetzung des Territoriums durch die Briten bzw. Kanadier zu verhindern. Nach dem Zweiten Weltkrieg behielten die USA ihr strategisches Interesse an Grönland. Die Insel liegt auf der kürzesten Route zwischen den Supermächten über den Nordpol und wurde im Kalten Krieg militärisch unverzichtbar. Obwohl Dänemark die US-amerikanische Präsenz zunächst beenden wollte, schloss es 1951 ein Verteidigungsabkommen, das den USA weitreichende Rechte einräumte. 

Die USA versuchten schon in der Vergangenheit wiederholt, Grönland zu kaufen. Präsident Eisenhower unterbreitete Mitte der 1950er Jahre dem dänischen König ein entsprechendes Angebot, das abgelehnt wurde. Die anhaltende amerikanische Militärpräsenz führte zu Konflikten: 1953 erfolgte eine Zwangsumsiedlung der lokalen Bevölkerung; die USA lagerten heimlich Atomwaffen trotz dänischer Verbote und als 1968 ein Bomber bei Thule abstürzte, wurde diese Täuschung öffentlich bekannt. Auch geheime Projekte wie Camp Century verschärften die Spannungen. Nach dem Kalten Krieg zogen sich die USA weitgehend zurück – von über 30.000 Soldaten blieben weniger als 200. Die Thule-Basis (heute Pituffik Space Base) wird jedoch weiterhin betrieben.

Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus verstärkte Donald Trump seinen Druck auf Grönland massiv. In Davos bekräftigte er jüngst seinen Anspruch auf die Insel und drohte zuletzt mit Zöllen gegen Deutschland und andere NATO-Partner. Die europäischen Verbündeten reagierten demonstrativ: Acht Länder entsandten Soldaten nach Grönland, wobei Frankreich offen erklärte, man wolle eine NATO-Übung in Grönland veranstalten. Trump verkündete daraufhin eine angebliche Einigung mit NATO-Generalsekretär Rutte, doch Dänemark stellte klar, dass Rutte nicht in seinem Namen verhandeln könne und die Souveränität Grönlands nicht zur Debatte stehe.

Die Hintergründe des nach wie vor bestehenden Interesses an Grönland sind vielfältig: Grönland besitzt die weltweit größten Vorkommen an seltenen Erden und China kontrolliert derzeit 90 Prozent der Verarbeitung dieser strategisch unverzichtbaren Rohstoffe. US-Milliardäre wie Bezos, Gates und Altman haben seit 2019 hunderte Millionen in grönländische Bergbauprojekte investiert. Militärstrategisch liegt Grönland auf der Flugroute russischer Raketen und die Transpolar Sea Route entlang der Ostküste wird zwischen 2030 und 2050, wegen des Wegschmelzens von Eis, als kürzeste Verbindung zwischen Europa und Asien nutzbar. China versucht seit 2011, sich in Grönlands Bergbausektor einzukaufen. 

Mit dem Grönland-Konflikt sehen wir ein Lehrbuchbeispiel für die von Lenin beschriebene imperialistische Neuaufteilung der Welt. Die seltenen Erden sind unverzichtbar für Mikrochips, Waffensysteme und erneuerbare Energien. Chinas Dominanz bedroht die US-Hegemonie existenziell und die Beteiligung von Tech-Milliardären zeigt die Verschmelzung von Monopolkapital und Staatsgewalt – der Staat wird zum Werkzeug privater Profitinteressen.

Trumps aggressive Rhetorik offenbart nicht Stärke, sondern Schwäche. Die USA verlieren an wirtschaftlicher Dominanz und greifen deshalb zu roher Machtpolitik. Sie können im Wettbewerb nicht mehr konkurrieren und versuchen durch militärische Kontrolle ihre Vormachtstellung zu retten. Diese Aggressivität richtet sich auch gegen europäische „Verbündete“ – ein Beweis, dass im Imperialismus keine dauerhaften Allianzen existieren.

Die zunehmende Militarisierung der Arktis birgt die Gefahr direkter kriegerischer Handlungen. Der Kampf um Grönland ist Teil einer umfassenderen imperialistischen Rivalität, was deutlich zeigt, dass die Kriegsgefahr wächst. Lenin beschrieb unmissverständlich, dass Imperialismus notwendig zu (kriegerischen) Konflikten führt und im Falle Grönlands sehen wir dies erneut bestätigt. Der Konflikt zeigt die strukturelle Krise des imperialistischen Systems: sinkende Profitraten, bröckelnde US-Hegemonie, verschärfte Konkurrenz, steigende Kriegsgefahr. Nur die Überwindung des Kapitalismus durch eine sozialistische Weltordnung kann diese Dynamik durchbrechen. Solange die Produktionsmittel in privater Hand sind, wird der Kampf um Rohstoffe und Hegemonie weitergehen – bis zur Zerstörung der menschlichen Lebensgrundlage.