In den ersten Tagen des neuen Jahres eskalierte die Situation rund um die US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) dramatisch. Was als „Großoperation zur Einwanderungskontrolle“ begann, entwickelte sich zu einer Serie systemischer Gewalt, die aktuell in den USA landesweit für Proteste sorgt.
Am 7. Januar 2026 erschoss der ICE-Beamte Jonathan Ross die 37-jährige Renee Good am hellichten Tag in Minneapolis. Die Behörden rechtfertigten den Schusswaffeneinsatz mit angeblicher Notwehr und beschuldigten Good, eine „inländische Terroristin“ zu sein, die den Beamten bedroht habe. Videomaterial und Zeugenaussagen widerlegen jedoch diese Darstellung eindeutig.
Nur einen Tag nach dem Mord an Good in Minneapolis kam es am 8. Januar zu einem weiteren gewaltsamen Zwischenfall in Portland, Oregon. ICE-Beamte schossen auf ein Fahrzeug am Adventist Health Hospital und verletzten einen Mann und eine Frau. Das Heimatschutzministerium behauptete, der Mann sei ein illegaler Einwanderer aus Venezuela mit angeblichen Verbindungen zu einer kriminellen Organisation und rechtfertigte auch hier den Einsatz der Schusswaffe mit Notwehr. Wie im Fall von Renee Good blieben diese Anschuldigungen jedoch unbewiesen.
Die Gewalt löste umgehend Proteste aus. Noch in der Nacht nach dem Vorfall in Portland versammelten sich Hunderte Demonstrant:innen vor einem ICE-Gebäude.
Die Spannungen verschärften sich weiter, als in der Nacht zum 15. Januar erneut ein Mann bei einer ICE-Operation angeschossen wurde.
Die jüngsten Gewalttaten ereigneten sich im Rahmen der sogenannten „Operation Metro Surge“, die das Heimatschutzministerium als größte Aktion der Einwanderungskontrolle seiner Geschichte bezeichnete. Die Operation begann bereits im Dezember 2024 mit dem Einsatz von rund 2.000 Einwanderungsbeamten in Minnesota, unter der Leitung von ICE-Chef Gregory Bovino.
Die Operation folgte auf eine Anweisung von Präsident Donald Trump von Anfang Dezember, gezielt Menschen somalischer Herkunft ins Visier zu nehmen, die er als „Abfall“ bezeichnete; als Vorwand dienten angebliche Betrugsfälle in Kindertagesstätten. Als Reaktion auf die Proteste kündigte die Heimatschutzbehörde an, Hunderte weitere Bundesbeamte nach Minneapolis zu entsenden.
Die aktuelle Gewalt steht im Zusammenhang einer monatelangen Entwicklung zunehmender Brutalität. Bereits in früheren Razzien wurden Granaten, Blackhawk-Helikopter und chemische Kampfstoffe eingesetzt – auch gegen Kinder. Auf die daraufhin aufkommenden Proteste, man erinnere sich an die Bilder der Proteste in Los Angeles (Kalifornien) im Juni 2025, reagierte die Trump-Regierung mit dem Ausrufen der Nationalgarde:
Die Trump-Administration versuchte Mitte des Jahres 2025, die ICE-Einsätze durch Nationalgardisten in Chicago, Los Angeles und Portland zu verstärken. Bundesgerichte stoppten diese Pläne jedoch. Der anschließende Versuch, mit Truppen aus Texas die Gerichtsbeschlüsse zu unterlaufen, mündete in einen juristischen Konflikt, der erst Ende Dezember 2025 endete, als der Supreme Court die Beschränkungen bestätigte.
Daraufhin kündigte Trump den Abzug der Nationalgardisten aus den Großstädten an, drohte jedoch: „Wir werden zurückkommen, vielleicht in einer ganz anderen und stärkeren Form.“
