15. Mai 2026

Der Boykott in der Türkei gegen das AKP-Regime

Vor wenigen Wochen, am 19. März, wurde der Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoğlu, ein „Hoffnungsträger“ der Opposition, wegen angeblicher Korruption und Terrorismusunterstützung inhaftiert – ein klares politisches Manöver seitens des Erdogan-Regimes. Die darauffolgenden Proteste ließ die Regierung mit Wasserwerfern, Schlagstöcken, Pfefferspray und Plastikgeschossen – offiziell als „nicht-tödliche Munition“ bezeichnet – durch massive Polizeigewalt angreifen.

Es ist ihr jedoch bisher nicht gelungen, die Proteste niederzuschlagen, denn die erste Polizeibarrikade wurde am gleichen Tag der Inhaftierung des Bürgermeisters von den Studierenden der Universität Istanbul durchbrochen. Danach schlossen sich Millionen von Menschen diesem Mut der Studierenden an und zogen auf die Straßen. Trotz der Inhaftierung von hunderten von Protestierenden gelang es der islamistisch-faschistischen Regierung nicht, die Massen unter Kontrolle zu bringen. Die Bevölkerung zeigte einen starken Zusammenhalt, der nicht gebrochen werden konnte. Als die Proteste nicht in den Mainstream-Medien wie CNNTürk oder NTV ausgestrahlt wurden, entschieden sich die Protestierenden zu einem Boykott aller Unternehmen, die demselben Großkonzern der Sender angehören bzw. der Regierung nahestehen. Hiervon ist unter anderem auch der deutsche Automobilkonzern Volkswagen betroffen. Das AKP-Regime reagierte mit absurden Mitteln, die seine Panik im Angesicht der Massenbewegung offenlegen.

Für den 2. April riefen die Student:innen erneut zu einem Generalboykott auf, an dem der gesamte Konsum eingestellt werden sollte. Viele Läden blieben leer und auch an diesem Tag zeigte sich die Panik der Regierung: Minister der Regierung teilten Aufnahmen in den sozialen Netzwerken, wie sie einkauften. Außer ihnen selbst und mitgebrachten Statist:innen schienen jedoch nicht viele Menschen dort einzukaufen. Das ist kein Wunder, denn laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut KONDA stehen etwa 70% der Bevölkerung hinter den Protesten. Die staatliche Nachrichtenagentur vermeldete jedoch, dass sich die Umstäze am 2. April im Vergleich zum 1. April um das Doppelte erhöht hätten. Angesichts der wirtschaftlichen Schieflage und der hohen Inflation, von der die Bevölkerung sehr stark betroffen ist, ist das allerdings sehr unrealistisch. Bereits seit Jahren bestehen erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit offizieller Statistiken, wie bspw. Inflationsdaten. Ein anderes Indiz dafür, dass der Boykott doch Anklang findet, ist der panische Versuch seitens des Regimes, Boykott-Aufrufen mit Repressionen zu begegnen. So wurden mehrere Menschen verhaftet, nur weil sie zum Boykott aufgerufen hatten.

Es ist zu beobachten, dass die faschistische AKP-Regierung unter ihrem Anführer Erdogan zu allen Mitteln greift, um die breite Massenbewegung aufzuhalten. Die Studierenden dagegen haben bekanntgegeben, dass sie den Generalboykott fortan jeden Mittwoch durchführen werden. Was nun folgen muss, ist, diese Energie der Massen von der Aktion des Boykotts auf die Aktion des Klassenkampfes auszuweiten. Das heißt, die Klasse der Arbeiter:innen bzw. der Lohnabhängigen, die tagtäglich durch ihre Ausbeutung das Erdogan Regime und die Klasse der Unternehmer:innen bereichert, muss ihre stärkste politische Waffe einsetzen: Es ist die Aufgabe der Gewerkschaften, jetzt einen Generalstreik auszurufen. Kein König dieser Welt hat je standgehalten vor der organisierten Kraft der Arbeiter:innenschaft und auch das Erdogan Regime wird keine Ausnahme bilden.