15. Mai 2026

„Mehr als ein Mensch ertragen kann“: UN-Bericht über sexuelle Gewalt an Palästinenser:innen

Die Vereinten Nationen erheben in einem aktuellen Bericht Vorwürfe gegen Israel im Zusammenhang mit dem Völkermord in Palästina. Die UN-Untersuchungskommission für die besetzten palästinensischen Gebiete dokumentiert den systematischen Einsatz sexueller, reproduktiver und anderer geschlechtsspezifischer Gewalt durch die israelischen Streitkräfte gegen Palästinenserinnen und Palästinenser.

Die Expert:innen dokumentierten Fälle von sexuellen Übergriffen, erzwungener öffentlicher Entkleidung und Vergewaltigungen, die auf Befehl oder mit stillschweigender Duldung der militärischen oder zivilen Führung erfolgt seien. Neben der direkten Gewalt gegen Palästinenser:innen wirft der Bericht Israel vor, systematisch Einrichtungen der sexuellen und reproduktiven Gesundheitsfürsorge im Gazastreifen zerstört zu haben, darunter Entbindungsstationen und eine Klinik für In-vitro-Fertilisation (IVF). Diese Angriffe haben zusammen mit den Einschränkungen bei der Versorgung mit Lebensmitteln und medizinischen Gütern die reproduktiven Möglichkeiten der palästinensischen Bevölkerung stark eingeschränkt. Die Kommission stuft diese Handlungen als „völkermörderische Akte“ ein, die darauf abzielen, die Geburtenrate der Palästinenser:innen zu reduzieren.  

Die dokumentierten Verbrechen haben bis heute zu einer beispiellosen Zahl von Todesfällen unter palästinensischen Frauen und Kindern geführt.

Israel weist die Vorwürfe zurück; Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete den Bericht als einseitig und antisemitisch.

Der UN-Bericht zeigt, dass sexualisierte Gewalt und die gezielte Zerstörung der reproduktiven Gesundheitsversorgung nicht nur Kriegsverbrechen sind, sondern integraler Bestandteil kolonialer Besatzungspolitik. In kolonialen und imperialistischen Herrschaftssystemen wird sexualisierte Gewalt seit jeher eingesetzt, um unterworfene Völker zu demoralisieren und patriarchale Strukturen zur Kontrolle der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Im Falle Israels dient sie dazu, palästinensische Gemeinschaften zu destabilisieren, indem Frauen, die Trägerinnen der zukünftigen Generation, gezielt angegriffen werden. Die Zerstörung von Entbindungsstationen und die Blockade lebensnotwendiger medizinischer Güter sind keine Nebeneffekte des Krieges, sondern zielen darauf ab, die Reproduktionsfähigkeit der palästinensischen Bevölkerung einzuschränken. In der Kolonialgeschichte wurden ähnliche Maßnahmen zur Bevölkerungskontrolle eingesetzt – von der Zwangssterilisation indigener Völker in den USA bis zu den Repressionsmaßnahmen Frankreichs in Algerien. Israel wendet diese Taktik an, um die langfristige Vorherrschaft der jüdischen Siedlerkolonie zu sichern.

Der Bericht bestätigt, dass Israel nicht nur eine Besatzungsmacht ist, sondern eine koloniale Struktur aufrechterhält, die sich klassischer Herrschaftsmechanismen bedient – sexualisierte Gewalt und demographische Kontrolle. Diese Gewalt ist Ausdruck eines systemischen, imperialistisch gestützten Siedlerkolonialismus.