In einer Zeit, in der die Welt von zahlreichen Krisen, schweren Konflikten, regionalen Kriegen, Ungleichheiten, Armut und den Auswirkungen der Klimakrise „erschüttert“ wird, fand am 18. und 19. November in Rio de Janeiro, Brasilien, der 19. G20-Gipfel statt. Die Staats- und Regierungschefs der am Gipfel teilnehmenden Länder erklärten, sie seien zusammengekommen, „um die großen globalen Herausforderungen und Krisen zu bewältigen und ein starkes, nachhaltiges, ausgewogenes und integratives Wachstum zu fördern“.Das Hauptthema des zweitägigen Treffens der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Entwicklungsländer war der „Kampf gegen den Hunger in der Welt“. Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sagte, er wolle eine „globale Allianz gegen Hunger und Armut“ ins Leben rufen. Deutschland, die USA und die EU sagten ihre Unterstützung für das Bündnis zu. „Wir werden zunächst auf nationaler Ebene die erste Armutsbekämpfungsstrategie in der EU entwickeln, uns aber auch auf globaler Ebene engagieren“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor Beginn des Gipfels dem brasilianischen Fernsehsender Globonews.
Viele Länder sind mit Massenarmut und Hunger konfrontiert. In ihrem im Oktober veröffentlichten „Poverty, Prosperity and the Planet Report“ (Bericht über Armut, Wohlstand und den Planeten) wies die Weltbank darauf hin, dass die Armut zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder ansteigt und dass das globale Ziel, die extreme Armut bis 2030 auf 3 Prozent zu reduzieren, unerreichbar geworden ist. Beim derzeitigen Tempo wird dieses Ziel schätzungsweise erst in dreißig Jahren erreicht werden. Beth Bechdol, stellvertretende Generaldirektorin der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, sagte in einem Interview am Welternährungstag, dass im Jahr 2023 weltweit 733 Millionen Menschen Hunger leiden werden. Er wies darauf hin, dass diese Situation nicht nur den Einzelnen seiner Grundrechte berauben, sondern auch die globalen Ungleichheiten verstärken würde.
Überraschenderweise einigten sich die die G20 auf eine Abschlusserklärung, welche zeigt, dass sich die Mitgliedsstaaten auf einen gemeinsamen Text einigen konnten, jedoch ohne die erwartete Unterstützung westlicher Forderungen. Weder gab es eine Verurteilung Russlands für den Ukraine-Krieg noch eine Erwähnung des 07. Oktobers 2023. Auf der anderen Seite heißt es in der Erklärung, dass die Ministererklärung zur steuerlichen Zusammenarbeit angenommen wurde. Die G20-Länder haben sich darauf geeinigt, sich für eine effektive Besteuerung der Superreichen einzusetzen. Somit wollen sie wohl den Hunger und die Armut auf der Welt bekämpfen. In Anbetracht der Tatsache, dass genau diese reichen Länder für Ausbeutung, Kriege und Zerstörung auf der Welt hauptverantwortlich sind, wirkt diese Maßnahme überhaupt nicht zielführend. Man stellt sich auch die Frage inwieweit diese Maßnahmen überhaupt umgesetzt werden können. Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze wertet dies als einen echten Gipfelerfolg. In der Erklärung wird das menschliche Leid durch weltweite Konflikte bedauert und es wird dazu aufgerufen humanitäre Hilfe und den Schutz der Zivilbevölkerung, vor allem im Gazastreifen und Libanon, auszuweiten. Bedauern kann man aber auch die Tatsache, dass die reichen Industrieländer mit vollem Einsatz in Richtung Militarisierung und Krieg ziehen. An humanitäre Hilfen zu appellieren und die Ausweitung des Schutzes der Zivilbevölkerung zu fordern, anstatt wirkliche Maßnahmen, wie den sofortigen Stopp des Krieges in Palästina und Ukraine, ist ebenfalls nicht zielführend und wirkt somit unglaubwürdig. Länder wie Deutschland zeigen uns tagtäglich, dass man mehr Waffen liefern und endlich „kriegstüchtig“ werden müsstenSie machen den Militarismus für die Gesellschaft attraktiv und setzen sich dann alle gemeinsam an den Tisch und appellieren an humanitäre Hilfen und den Schutz der Zivilbevölkerung.
