9. Juni 2026

Bolivien: Mutmaßlicher Anschlag auf Evo Morales

Am Sonntag, den 27. Oktober 2024, soll ein Anschlag auf Boliviens ehemaligen Präsidenten Evo Morales verübt worden sein. Morales selbst berichtete auf Facebook über den Vorfall und zeigte ein durch Schüsse beschädigtes Fahrzeug. Dabei erklärte er, sein Fahrer sei verletzt worden und eine Kugel habe ihn nur knapp verfehlt. Morales gab an, dass der Angriff von Insass:innen zweier Fahrzeuge ausgegangen sei; er wisse jedoch nicht, ob es sich um Polizisten oder Soldaten gehandelt habe.

Die bolivianische Regierung stellt den Vorfall anders dar und beschuldigt Morales des Angriffs. Regierungsminister Eduardo del Castillo erklärte, Morales sei in eine Polizeikontrolle geraten und habe dabei das Feuer auf die Beamten eröffnet, wodurch ein Polizist getötet und ein weiterer verletzt worden sei. Morales und sein Begleiter hätten anschließend die Flucht ergriffen, wobei ihr Fahrzeug einen Polizisten angefahren haben soll. Die Polizei verfolgte Morales und forderte schließlich militärische Unterstützung an.

Morales bestreitet diese Darstellung und bezeichnet die Vorwürfe als Versuch, von einem „kriminellen Angriff“ auf ihn abzulenken. Es wurden nun Ermittlungen gegen ihn eingeleitet. Morales gab zunächst zu, auf die Reifen eines der Verfolgerfahrzeuge geschossen zu haben, nahm diese Aussage später jedoch zurück. Der Regierung zufolge sollen Anhänger:innen von Morales die beteiligten Fahrzeuge aus einer Militäreinheit entwendet und in Brand gesetzt haben, offenbar um Beweise zu vernichten. Gleichzeitig organisieren Morales‘ Anhänger:innen Straßenblockaden. An Orten wie Cochabamba geht die Polizei dabei teilweise gewaltsam gegen die Protestierenden vor.

Evo Morales war von 2006 bis 2019 Präsident Boliviens und der erste indigene Präsident des Landes. Als Gründer der sozialistisch orientierten Partei „Bewegung zum Sozialismus“ (MAS) setzte er sich während seiner Amtszeit besonders für die Rechte der indigenen Bevölkerung und für soziale Programme zur Bekämpfung von Armut ein. Er verstaatlichte wichtige Industrien wie Öl und Gas und führte eine neue Verfassung ein, die Bolivien als „plurinationalen Staat“ definierte.