Zum dritten Mal in der Geschichte haben die Vereinigten Staaten ihren Austritt aus der UNESCO angekündigt. Die Entscheidung wurde von der Trump-Regierung mit bekannten Schlagworten begründet: Die Organisation sei „zu woke“, beschäftige sich zu sehr mit „sozialen und kulturellen Themen“ und vertrete Positionen, die nicht mit der außenpolitischen Linie „America First“ vereinbar seien.
Die UNESCO, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, steht seit Jahren im Visier us-amerikanischer Nationalkonservativer. Bereits 1984 unter Ronald Reagan und 2017 unter Donald Trump hatten die USA ihre Mitgliedschaft ausgesetzt. Auch diesmal trifft der Vorwurf, die UNESCO sei voreingenommen gegenüber Israel, erneut auf: Kritik richtet sich unter anderem an Resolutionen, die sich gegen israelische Siedlungspolitik in Palästina richten – für Washington ein Anlass, die Organisation als „anti-israelisch“ zu bezeichnen.
Der Vorwurf, die UNESCO sei „zu woke“, zielt auf die Ablehnung jeder Form von Kritik an westlicher Deutungshoheit: Themen wie Dekolonisierung, kulturelle Vielfalt oder die Anerkennung palästinensischen Lebens stehen in direktem Widerspruch zur außenpolitischen und ökonomischen Interessenlage der USA.
Die UNESCO ist eine Institution, die, trotz aller Reformschwächen, auch Stimmen aus dem globalen Süden einen Raum gibt. Aus Sicht imperialer Staaten ist das problematisch, weil es die westliche Deutungshoheit infrage stellt und machtkritische Perspektiven sichtbar macht, die ökonomische und geopolitische Interessen kritisieren könnten.
Gleichzeitig dient die Benutzung des Begriffs „woke“ als ideologische Waffe. Er wird überall auf der Welt von rechten Stimmen genutzt, um legitime Forderungen nach Frieden, Veränderung und Gleichwertigkeit herunterzuspielen und als gefährlich darzustellen. Damit wird Protest gegen Rassismus oder soziale Ungleichheit entpolitisiert und abgewertet.
