Am 13. Juni 2025 hat Israel unter dem Codenamen „Operation Rising Lion“ Luftangriffe auf den Iran gestartet. Ziel waren unter anderem die Atomanlagen in Natanz und Isfahan sowie militärische Einrichtungen in und um Teheran. In mehreren Regionen kam es zu schweren Explosionen. Laut iranischen Angaben wurden dabei mindestens 78 Menschen getötet und über 300 verletzt. Unter den Getöteten sollen sich auch mehrere Atomwissenschaftler:innen befinden.
Der Iran reagierte unmittelbar mit Raketen- und Drohnenangriffen, unter anderem auf Tel Aviv und Jerusalem. Dabei wurden laut israelischen Behörden mindestens drei Menschen getötet und Dutzende verletzt. In Israel wurde der Ausnahmezustand ausgerufen, der Luftraum geschlossen und eine Ausweitung der militärischen Angriffe angekündigt. Der Iran kündigte seinerseits weitere Vergeltung an.
Die Reaktion der deutschen Bundesregierung auf den israelischen Angriff auf den Iran folgt einem bekannten Muster: Kanzler Merz betont das „Selbstverteidigungsrecht“ Israels, verweist auf die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm und ruft gleichzeitig zur Deeskalation auf – eine rhetorische Gratwanderung, die vor allem darauf zielt, deutsche Bündnistreue mit minimalem diplomatischen Risiko zu inszenieren.
Wieder einmal zeigt sich, welche Rolle der deutsche Staat spielt: Er stellt sich klar hinter die westliche Machtordnung, in der Israel als verlängerter Arm des Westens in einer strategisch wichtigen, ressourcenreichen Region agiert. Wenn von „Selbstverteidigung“ die Rede ist, lenkt das davon ab, dass Israel gezielt nukleare Anlagen und zivile Einrichtungen eines souveränen Staates angegriffen hat – mit tödlichen Folgen für die zivile Bevölkerung. Dass dieser Angriff nicht scharf kritisiert, sondern diplomatisch flankiert wird, reiht sich ein in eine lange Kontinuität deutscher Nahostpolitik: Deutschland stellt sich ungeachtet dokumentierter Kriegsverbrechen bedingungslos an die Seite Israels.
Diese Haltung hat weniger mit historischer Verantwortung zu tun als mit gegenwärtigen Machtinteressen: Israel bleibt ein strategischer Partner, technologisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch. Die moralische Rhetorik dient dabei vor allem der Disziplinierung innerstaatlicher Kritik: Wer sich gegen die deutsche Parteinahme stellt, läuft Gefahr, politisch delegitimiert zu werden und sieht sich nicht selten massiven Repressionen ausgesetzt. In diesem Sinne ist der gesamte Diskurs um „Deeskalation“ ein Feigenblatt- er schützt nicht die Bevölkerung vor Krieg, sondern die deutsche Position vor internationaler Kritik.
