15. Mai 2026

Wirtschaft im „Sinkflug“?

Die Stimmung innerhalb der Unternehmen in Deutschland ist schlecht: Der ifo Geschäftsklimaindex für Deutschland ist im August 2024 weiter gesunken, was auf eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage hinweist. Der Index fiel von 87,0 Punkten im Juli auf 86,6 Punkte im August. Damit sinkt der Index den dritten Monat in Folge. 

Die Unternehmen sind unzufriedener mit ihren laufenden Geschäften und die Erwartungen für die Zukunft sind pessimistisch, was auf rückläufige Auftragsbestände zurückzuführen ist. Auch die Investitionsgüterhersteller stehen vor großen Herausforderungen. Die Wirtschaft steht unter Druck: Reuters beschreibt die aktuelle Lage als ein „Wandeln am Rande der Rezession“, der ifo-Präsident Clemens Fuest spricht davon, dass die Wirtschaft zunehmend in die Krise gerate. 

Beide Aussagen verharmlosen die Lage: Die schwächelnde Konjunktur hat bereits jetzt großen Einfluss auf den Arbeitsmarkt, was sich in massenhaftem Stellenabbau und Kurzarbeit äußert. Die Anzahl der Kurzarbeiter:innen ist zur Zeit so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr, zahlreiche Unternehmen kündigen Stellenstreichungen an und gleichzeitig ist der Bedarf an Fachkräften riesig. Allein bei der Deutschen Bahn sollen in den kommenden fünf Jahren 30.000 Stellen gestrichen werden, obwohl die Fahrpläne schon mit dem jetzigen Personal nicht mehr umsetzbar sind. Diese Maßnahmen zeigen sich deutlich im Anstieg der Arbeitslosenzahlen; im Juni gab es nach offiziellen Angaben 2,78 Millionen Arbeitslose in Deutschland. 

Auch die heruntergekommene Infrastruktur zeigt deutlich, dass die Krise uns bereits in vollem Umfang erreicht hat. Das Schienennetz der Bahn ist baufällig und müsste von Grund auf erneuert werden, zudem fehlen massenhaft Stellen beim Fahrpersonal. Auch die Straßen und Städte in Deutschland sind in schlechtem Zustand. Die soziale Infrastruktur leidet seit Jahren: In der Pflege, im Bildungssystem und innerhalb der Fürsorgesysteme fehlen Stellen, Personal und ein angemessener Lohn. Auch Kultureinrichtungen leiden unter Sparmaßnahmen und fehlenden Sanierungen. 

Woran liegt das? Der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, beantwortete diese Frage damit, dass viele Menschen ihr Geld lieber sparen würden und dass der Konsum nicht in die Gänge komme. Die Wahrheit sieht anders aus: Der Kapitalismus ist am Limit. Durch zunehmende Ungleichheit, die Klimakrise, die Corona-Pandemie und die Inflation stößt er an seine systemischen Grenzen. Aufgrund seines unermüdlichen Strebens nach Wachstum sägt der Kapitalismus an dem Ast, auf dem er sitzt. 

Erklären kann man dieses Phänomen durch den von Karl Marx definierten Wachstumszwang, der von ihm als ein „äußerliches Zwangsgesetz“ beschrieben wird, das die Kapitalisten dazu zwingt, ihre Produktivität zwecks der Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich zu steigern. Dieser Zwang ist nicht nur ein individuelles Bedürfnis, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Mechanismus, der die kapitalistische Produktionsweise prägt. Das Ziel dieser kontinuierlichen Expansion ist die Maximierung des Mehrwerts. Dies erfordert, dass die Arbeitszeit fürs Erarbeiten der täglichen Grundbedürfnisse und damit für die Wiederherstellung der Arbeitskraft verkürzt werden muss. Auf diese Weise kann die Zeit verlängert werden, in der der Arbeiter kostenlos für den Kapitalisten arbeitet. 

Diese ständige Akkumulation von Mehrwert ist aber nicht nachhaltig und äußert sich in Problemen wie dem Klimawandel, Armut, Inflation und auch in einer schlechten wirtschaftlichen Lage. Kurzum: Der Kapitalismus schafft Wachstum, aber braucht auch Wachstum, um am Leben zu bleiben. Weil unbegrenztes Wachstum in einer begrenzten Welt jedoch nicht möglich ist, erreicht der Kapitalismus schnell seine Grenzen und sein Ende. Der schlechte ifo-Geschäftsindex ist also kaum überraschend und zeugt von einer wirtschaftlichen Krise. Der Kapitalismus bietet den Menschen keine lebenswerten und sicheren Lebensbedingungen und muss daher einem sozialistischen System weichen, in dem es weder eine schlechte Infrastruktur, Klimawandel, Inflation, noch Kurzarbeit oder Stellenabbau gibt.