{"id":922,"date":"2020-07-07T07:45:15","date_gmt":"2020-07-07T07:45:15","guid":{"rendered":"https:\/\/resistance-international.de\/?p=922"},"modified":"2020-07-07T07:45:15","modified_gmt":"2020-07-07T07:45:15","slug":"11-faelle-rassistischer-polizeimorde-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/resistance-info.de\/?p=922","title":{"rendered":"11 F\u00e4lle rassistischer Polizeimorde in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p id=\"magicdomid36\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Laut einer Studie der Uni Bochum kommt es j\u00e4hrlich zu ca. 12.000 rechtswidrigen \u00dcbergriffen von Polizeibeamten*Innen. Vor Gericht landen nur 40 dieser F\u00e4lle \u2013 also 0,3%. Seit dem Jahr 2000 sind \u00fcber 155 T\u00f6tungen durch Polizeibeamt*Innen bekannt. Immer wieder rechtfertigen die Polizei und Staatsanwaltschaft die Morde durch eine verkehrte Darstellung. Man spricht dabei oft von Notwehr &#8211; selbst, wenn die Opfer sichtlich keine Gefahr darstellten, oder von Selbstmorden der Opfer. Zudem werden die Todesopfer nach ihrem Tod kriminalisiert, um die \u00d6ffentlichkeit davon zu \u00fcberzeugen, diese Morde seien nur f\u00fcr die Sicherheit der B\u00fcrger, um sie vor den Kriminellen zu sch\u00fctzen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid38\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Dass wir von den ganzen rassistischen Mordf\u00e4llen nur wenig bis gar nichts h\u00f6ren, ist kein Zufall. Der Staat kommt meist nur dann in die Mainstream-Medien, wenn man von \u201eHeldentaten\u201c der Polizei oder kriminellen Ausl\u00e4ndern berichtet.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid39\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Daher folgen jetzt die Darstellungen von elf F\u00e4llen rassistischer Polizeigewalt mit Todesfolge.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid43\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl b\"><b>HALIM DENER<\/b><\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid44\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Halim Dener floh als unbegleiteter Minderj\u00e4hriger aus seiner kurdischen Heimat. Er erhoffte sich, den Repressionen des t\u00fcrkischen Staates zu entfliehen. Doch nicht nur der T\u00fcrkische Staat geht gegen Kurden und ihren Freiheitskampf brutal vor, auch in Deutschland waren und sind Kurden mit Repression konfrontiert.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid45\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Am Anfang der 1990er Jahre wurde in der Politik und in den Medien \u00f6ffentlich gegen die Kurden gehetzt. Sie galten als gef\u00e4hrlich, wurden teilweise als Terroristen bezeichnet und deshalb von Polizeibeamt*Innen h\u00e4ufig mit gezogener Waffe kontrolliert .\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid46\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Am Abend des 30. Juni 1994 plakatierten Halim Dener und andere Jugendliche f\u00fcr eine kurdische Organisation und wurden von einem bewaffneten Polizisten in Zivil gesichtet. Alle Jugendlichen rannten weg. Es kam zu Gerangel. Wie der Abend genau verlief, ist bis heute noch unklar. Ein SEK-Beamter schie\u00dft dem 16-j\u00e4hrigen Kurden t\u00f6dlich in den R\u00fccken.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid47\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Der SEK-Beamte wurde jedoch freigesprochen, weil sich der Schuss seiner Waffe aus Versehen gel\u00f6st haben soll. Wie das passieren konnte, wurde bisher nicht zufriedenstellend und glaubhaft aufgekl\u00e4rt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid52\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl b\"><b>\u00a0AAMIR AGEEB<\/b><\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid53\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Abschiebung ist eine in Deutschland weitverbreitete und von vielen Politikern erw\u00fcnschte, sogar geforderte Form rassistischer Polizeigewalt. Der 30 Jahre alte Aamir Ageeb war aus dem Sudan gefl\u00fcchtet und hatte Hoffnung auf das Asylrecht der BRD. Doch sein Antrag wurde abgelehnt und deshalb tauchte er unter. Als die Polizei ihn fand, wurde er inhaftiert, um sp\u00e4ter abgeschoben zu werden. Am 28. Mai 1999 wurde er aus dem Abschiebgef\u00e4ngnis Mannheim abgeholt und in ein Lufthansa-Flugzeug gesetzt, um ihn in den Sudan abzuschieben. Er wehrte sich. Die Bundesgrenzschutzbeamten fixierten ihn auf den Sitz und setzen ihm ein Motorradhelm auf. Der Helm kommt bei Abschiebungen \u00f6fter zum Einsatz, wenn Gefl\u00fcchtete sich wehren, weil man ihnen das Recht auf Schutz verweigert. Es soll die Grenzschutzbeamt*Innen davor sch\u00fctzen, durch Bisse verletzt zu werden. Die Beamten dr\u00fcckten den Kopf von Aamir Ageeb gewaltsam nach unten, w\u00e4hrend die Maschine startete. Als sie ihn nach langer Zeit loslie\u00dfen, stellten sie fest, dass der junge Sudanese kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Drei \u00c4rzte, die zuf\u00e4llig als Passagiere mit an Bord waren, versuchten ihn wiederzubeleben. Aber Aamir Ageeb war bereits tot. Den Passagieren und Flugbegleiter*Innen wurde gesagt, er sei ein krimineller M\u00f6rder gewesen, weshalb man w\u00e4hrenddessen nicht eingriff.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid54\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Nach einer Obduktion wurde gesagt, es sei zun\u00e4chst keine anatomisch eindeutig nachweisbare Todesursache feststellbar. Die Grenzschutzbeamten seien somit nicht f\u00fcr seinen Tod verantwortlich gewesen. Sie wurden nicht bestraft.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid59\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl b\"><b>ACHIDI JOHN<\/b><\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid273\" class=\"ace-line\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Am 8. Januar 2001 wurde Achidi John wegen Verdachts auf Drogenhandel festgenommen. Man ging davon aus, er habe die Drogen geschluckt, um so bei der Drogenkontrolle davon zu kommen. Anstatt auf das nat\u00fcrliche Ausscheiden zu warten, bestand die Polizei darauf, durch zwanghafte Verabreichung von Brechmittel die Kontrolle zu beschleunigen. Eine Rechtsmedizinerin f\u00fchrte eine Magensonde ein. Als Achidi John sich wehrte, wurde er fixiert. Unmittelbar nach der Verabreichung fiel er zu Boden, was aber \u201enormal\u201c sei. So begr\u00fcndete man zumindest den Verzicht, einen Notarzt zu rufen. \u00dcblicherweise muss von Anfang ein An\u00e4sthesist f\u00fcr Notf\u00e4lle anwesend sein &#8211; darauf verzichtete man von vornherein. Seine Atmung und auch sein Puls fielen aus, ein Reanimierungsversuch blieb erfolglos. Am 12. Januar 2001, nach vier Tagen im Koma, erkl\u00e4rte man ihn offiziell f\u00fcr tot.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid61\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Laut Obduktion soll er zuerst an einem Herzstillstand gelitten haben, der dann zu Sauerstoffmangel und sp\u00e4ter zu einem Hirntod f\u00fchrte. Zudem wurde ein Herzfehler entdeckt, was dann mit in die Akte genommen wurde. So sei er am Ende an einer Kombination aus einem fr\u00fcheren Herzfehler, dem Einfluss von Kokain und dem Stress w\u00e4hrend einer Brechmittelvergabe gestorben.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid62\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Die Klage gegen die Rechtsmedizinerin blieb erfolglos und die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein. Grund daf\u00fcr war, dass man bis zu dem Zeitpunkt des Mordes noch keine Vereinbarung \u00fcber das Verbot von Brechmittelvergabe fand. Als jemand im Jahre 1999 versuchte, eine Klage wegen Verletzung der Grundrechte einzureichen, wurde diese abgelehnt und spielte somit keine Rolle im weiteren Gerichtsverlauf. Man stellte n\u00e4mlich fest, &#8222;ein Brechmitteleinsatz [&#8230;] in Hinblick auf die Menschenw\u00fcrde [&#8230;] und die Selbstbelastungsfreiheit begegne keinen grunds\u00e4tzlichen verfassungsrechtlichen Bedenken&#8220;. Eine Beurteilung im Hinblick auf den &#8222;Schutz der k\u00f6rperlichen Unversehrtheit [&#8230;] und auf die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit des Eingriffs&#8220; sei dabei nicht vorgenommen worden.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid67\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl b\"><b>LAYA-ALAMA COND\u00c9<\/b><\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid68\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">In der Nacht des 27. Dezember 2004 wird Laya-Alama Cond\u00e9 wegen Verdachts auf Drogenhandel mit in die Gewahrsamszelle einer Polizeistation in Bremen genommen. Er trug keine Drogen mit sich, jedoch vermutete die Polizei, er habe vorher die Drogen geschluckt, um die Beweise zu entsorgen.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid69\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">W\u00e4hrend er an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen gefesselt war, verabreichte ein Polizeiarzt ihm unter Zwang Brechmittel und Wasser durch eine Nasensonde. In seinem Erbrochenem wird ein Kokaink\u00fcgelchen gefunden, was noch nicht als Nachweis f\u00fcr Drogenhandel gilt. Nach weiterer Brechmittel- und Wasservergabe kommen erneut zwei K\u00fcgelchen durch das Erbrochene zum Vorschein. Weil der Brechreiz abnimmt, dr\u00fccken die Polizisten*Innen den Kiefer von Laya-Alama Cond\u00e9 brutal auseinander, damit der Arzt mit Hilfe einer Pinzette und eines Spatels weitersuchen kann. Der gefesselte Cond\u00e9 verlor das Bewusstsein, seine Atmung wurd immer schw\u00e4cher. Erst dann reagierte der Notarzt. Bevor man ihn beatmen konnte, musste man zwei Liter aus Rachen und Magen abpumpen. Dennoch sammelte sich Wasser in seiner Lunge. Er wurde mit Lungen\u00f6dem und schweren Hirnsch\u00e4den in eine Klinik eingeliefert und stirbt an den schweren Folgen &#8211; am 7. Januar 2005, am selben Tag wie Oury Jalloh.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid70\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">In 33 EU-Staaten, sowie in elf Bundesl\u00e4ndern wird die Beweismittelsicherung durch Brechmittel seit den 90er Jahren ge\u00e4chtet. Der Polizeiarzt stand drei Mal vor dem Gerichtshof und erst beim dritten Mal erteilte man ihm eine Geldstrafe in H\u00f6he von 20.000 \u20ac, die er der Mutter von Laya-Alama Cond\u00e9 zahlen musste. 2014 ver\u00f6ffentlichte die Bremer Polizei eine Brosch\u00fcre, die zur Aufarbeitung dienen soll.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid75\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl b\"><b>OURY JALLOH<\/b><\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid76\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Am Morgen des 07. Januar 2005 in Dessau wurde Oury Jalloh bei einer Polizeikontrolle in Gewahrsam genommen, weil er stark betrunken war. In Gewahrsam stellte der Polizeiarzt keine Verletzungen fest. Man fesselte ihn an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen und legte ihn auf den Bauch. Kurze Zeit sp\u00e4ter verbrannte Oury Jalloh auf einer feuerfesten Matratze in der Gewahrsamszelle. Die Polizei erkl\u00e4rte es f\u00fcr Suizid, obwohl er vorher alle Gegenst\u00e4nde abgeben musste, ein Feuerzeug trug er laut Protokoll nie mit sich. Auch bei der ersten Durchsuchung fand man kein Feuerzeug. Erst drei Tage sp\u00e4ter tauchte pl\u00f6tzlich ein verschmortes Feuerzeug auf. Damit sollte der Suizid f\u00fcr best\u00e4tigt erkl\u00e4rt sein. Danach gab es keine weitere Aufkl\u00e4rungsbereitschaft seitens der Polizei. 2012 stellte man bei einer Untersuchung des Feuerzeugs jedoch fest, dass keine DNA-Spuren von Oury Jalloh zu finden waren. Stattdessen wurden fremde Fasern gefunden, die nicht mit jenen aus der Zelle \u00fcbereinstimmten, wobei auch Hunde bzw. Katzenhaare gefunden wurden. Deshalb konnte es nicht als Beweismittel gewertet werden.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid77\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Verschiedene Brandgutachten best\u00e4rken den Verdacht, dass das Feuer durch eine andere Person gelegt wurde \u2013 man vermutet sogar mit Brandbeschleuniger. Dem Dienstgruppenleiter der zust\u00e4ndigen Polizeibeamten*Innen verh\u00e4ngte man wegen fahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung nur eine Geldstrafe, da er den Brandalarm ignoriert hatte. Im Jahr 2014 wurde der Fall von der Staatsanwaltschaft wieder aufgenommen. Verletzungen, die nicht durch das Feuer verursacht und sp\u00e4ter an seinem K\u00f6rper festgestellt wurden, blieben bis heute ungekl\u00e4rt. Der leitende Staatsanwalt nahm 2017 an, dass Oury Jalloh in seiner Zelle angez\u00fcndet wurde, um die vorherige Gewalt gegen ihn zu vertuschen. Kurz darauf wurde der Staatsanwaltschaft der Fall entzogen und der neuen Staatsanwaltschaft in Halle \u00fcbergeben. Der Fall wurde fallengelassen, denn die Auswertung der zahlreichen Gutachten verschiedener Fachrichtungen lasse nicht zu, \u201edass der konkrete Ausbruch des Brandes, dessen Verlauf und das Verhalten Oury Jalloh sicher nachgestellt und eindeutig bewertet werden kann\u201c.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid78\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">2019 ergab ein medizinisches Gutachten, dass Jalloh vor seinem Tod noch schwerer verletzt wurde, als bisher bekannt war. Die Familie legte im November 2019 Beschwerden gegen die geschlossenen Ermittlungen beim Bundesverfassungsgericht ein.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid83\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl b\"><b>CHRISTY SCHWUNDECK<\/b><\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid271\" class=\"ace-line\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Am 19. Mai 2011 besuchte Christy Schwundeck das Jobcenter-B\u00fcro in Frankfurt am Main. Sie war in finanzieller Not und bat um einen Vorschuss des Arbeitslosengeldes ll in H\u00f6he von zehn Euro. Der Sachbearbeiter weigerte sich, es kam zur Diskussion und schlie\u00dflich rief der Sachbearbeiter die Polizei. Als die Polizei schlie\u00dflich eintraf und Christy Schwundeck aufforderte, sich auszuweisen, weigerte sie sich. Die Polizei griff daraufhin nach ihrer Tasche, weshalb Christy Schwundeck nach ihrem Messer griff und den Beamten verletzte, weil der Polizist das Messer mit der Hand abwehrte und danach zur\u00fcckwich. Seine Kollegin drohte ihr, wenn sie das Messer nicht fallen lasse, w\u00fcrde man schie\u00dfen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid85\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Laut Aussagen dieser Polizistin habe man ihr erst gedroht, als Christy sich den Polizisten mit dem Messer n\u00e4hern wollte. Weder der verletzte Polizist noch andere Zeugen best\u00e4tigten diese Aussage. Der Polizist sagte aus, Christy Schwundeck h\u00e4tte die Polizistin erst wahrgenommen, als diese ihr gedroht habe, woraufhin sich Christy Schwundeck auch umdrehte. Die Polizisten schoss ihr t\u00f6dlich in den Bauch.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid86\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">In den Medien wird Christy Schwundeck als aggressive Frau dargestellt, die randalierte und die Ordnung des Betriebs gest\u00f6rt haben soll. Dabei ging es ausschlie\u00dflich um eine finanzielle Notlage und einen einfachen Hilferuf.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid87\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Die Staatsanwaltschaft stellt die Situation gef\u00e4hrlicher dar, als der verletzte Polizist selbst. Dennoch geht die Staatsanwaltschaft von einer Notwehrsituation aus.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid92\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl b\"><b>OUSMEN SEY<\/b><\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid270\" class=\"ace-line\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Am Morgen des 07. Juli 2012 rief Ousman Sey den Notruf in Dortmund. Als die zwei Rettungssanit\u00e4ter ankamen, stellten sie Herzrasen fest, sahen jedoch keine Dringlichkeit, ihn mit ins Krankenhaus zu nehmen. Er solle sich erstmal ausruhen und wenn es schlimmer wird, solle er nochmal anrufen. Nach 30 Minuten rief er wieder den Notruf, sein Bruder wachte auf und stellte fest, dass Ousman Sey bereits krampfte. Er sei aggressiv geworden und habe eine Scheibe eingeschlagen. Als die Rettungssanit\u00e4ter erneut eintrafen, verweigerten sie wegen fehlender Dringlichkeit erneut die Einweisung ins Krankenhaus. Ousman Seys Nachbarin, die als Krankenschwester arbeitete, sah das anders und rief daher die Polizei. Als diese dann eintraf, nahm man ihn in Handschellen und versprach ihm eine \u00e4rztliche Untersuchung vom Polizeiarzt. Ousman Sey wehrte sich zun\u00e4chst. Er bat in der Gewahrsamzelle mehrmals um die Untersuchung eines Arztes und dass man ihn ins Krankenhaus bringen solle. Beides verweigerte man ihm, man sah keine Dringlichkeit. In der Gewahrsamszelle brach Ousman Sey in Handschellen gelegt zusammen. Eine Untersuchung gab es nicht. Sp\u00e4ter im Krankenhaus stelle man einen Atemstillstand fest.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid94\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Bisher gibt es keine Aufkl\u00e4rung zu diesem Fall. Es gibt weder Untersuchungen zu unterlassener Hilfeleistung aufgrund von Rassismus, noch f\u00fcr allgemeines Fehlverhalten der Polizist*Innen und Sanit\u00e4ter*Innen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid99\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl b\"><b>HUSSAM FADL<\/b><\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid100\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Hussam Fadl lebte in einer Notunterkunft f\u00fcr Gefl\u00fcchtete in Berlin. Am 27.09.2016 wurde seine Tochter von einem anderen Mitbewohner der Notunterkunft sexuell missbraucht. Der T\u00e4ter wurde von der Familie sofort \u00fcberf\u00fchrt und dem Sicherheitspersonal der Unterkunft \u00fcbergeben. Diese verst\u00e4ndigten die Polizei, die dann vor Ort den Fall aufnahm und die zwei Zeugen des Missbrauchs und den T\u00e4ter befragten. Daraufhin wurden dem T\u00e4ter Handschellen angelegt und er wurde ins Polizeiauto gebracht. Der Vater Hussam Fadl versuchte sich dem T\u00e4ter zu n\u00e4hern, obwohl die Autot\u00fcren verschlossen waren. Drei Polizeibeamte schossen mehrmals auf Hussam Fadl. Eine Kugel traf ihn t\u00f6dlich, er starb am selben Tag sp\u00e4ter im Krankenhaus.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid101\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Gerechtfertigt werden die t\u00f6dlichen Sch\u00fcsse mit einer Falschaussage der Polizisten. Er habe ein Messer bei sich getragen, weshalb die drei Polizisten wegen Notwehr freigesprochen wurden. Das Messer tauchte Tage sp\u00e4ter auf, ohne DNA-Spuren oder Fingerabdr\u00fccken. Die Zeugen und einige der 30 Polizisten*Innen, die am Tatort anwesend waren, bezeugen, dass er kein Messer in der Hand hatte. Kein Bewohner hat das Messer vor Ort gesehen.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid269\" class=\"ace-line\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl b\"><b>AMAD AHMAD\u00a0<\/b><\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid107\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Zehn Wochen hielt man Amad Ahmad im Gef\u00e4ngnis in Kleve (NRW) gefangen, zu Unrecht. Er war unschuldig und wurde verwechselt. Dass er nicht der Gesuchte ist, glaubte man ihm nicht. Nach zehn Wochen Freiheitsberaubung soll in seiner Zelle ein Brand ausgebrochen sein, auf Hilferufe reagierten die W\u00e4rter nicht. Zwei Wochen sp\u00e4ter am 17. September 2018 stirbt er an den Brandverletzungen. Die Beh\u00f6rden behaupten, er habe den Brand selbst gelegt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid108\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Laut Staatsanwaltschaft wurden die Ermittlungen wegen Freiheitsberaubung gegen die sieben Polizisten*Innen, die ihn zu Unrecht festnahmen, eingestellt. Sie h\u00e4tten bei der Datenabfrage fehlerhafte Angaben erhalten war dabei die Begr\u00fcndung. Au\u00dferdem sei ein Fehlverhalten bei der Bek\u00e4mpfung des Brandes nicht festgestellt worden.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid109\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Dass jede Gef\u00e4ngniszelle so konzipiert ist, dass weder Suizid noch das Selbstanz\u00fcnden m\u00f6glich ist, scheint nur Nebensache zu sein. Schlie\u00dflich werden alle Gegenst\u00e4nde, wie z.B. ein Feuerzeug konfisziert, wenn jemand ins Gef\u00e4ngnis eingewiesen wird.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid114\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl b\"><b>WILLIAM TONOU-MBOBDA<\/b><\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid115\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Im April 2019 hat sich William Tonou-Mbobda freiwillig in eine psychiatrische Behandlung der der Universit\u00e4tsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) begeben. Er sei an Schizophrenie erkrankt und war bereits mehrmals in Behandlung.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid116\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Am Morgen des 21. April 2019 setzte er sich friedlich auf die Bank vor dem UKE. Die Pflegekr\u00e4fte sollen ihm an diesem Morgen Tabletten hingehalten haben, die er ruhig ablehnte. Die Pflegekr\u00e4fte verst\u00e4ndigten die Sicherheitsm\u00e4nner des UEK. Sie dr\u00fcckten ihn auf den Boden, fixierten ihn mit dem Bauch auf den Boden und setzten sich auf seinen R\u00fccken. Einer habe sogar versucht, ihm den Mund zuzuhalten, wie Zeugen*Innen berichteten. Er schrie mehrmals, er k\u00f6nne nicht atmen. Man habe ihm brutal gegen Bauch und Nieren getreten. Es war eine Wiederbelebung notwendig. William Tonou-Mbobda konnte zun\u00e4chst reanimiert werden. Auf der Intensivstation wurde er f\u00fcnf Tage lang k\u00fcnstlich beatmet, bis er am 26. April 2019 starb.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid117\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">In der \u00d6ffentlichkeit rechtfertigte man den Tod damit, er sei gewaltt\u00e4tig und psychisch krank gewesen. Man entzog sich somit der Verantwortung, denn er sei selbst schuld gewesen. Ein Mitarbeiter des UKE gab an, dass unter den Mitarbeitern oft rassistische Bemerkungen fielen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid272\" class=\"ace-line\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Nach einer Obduktion wurde als Todesursache eine Sauerstoffmangelsch\u00e4digung des Gehirns angegeben, die durch pl\u00f6tzliches Herzversagen herbeigef\u00fchrt worden sein soll. Sein Herz war kerngesund. Der Herzstillstand kl\u00e4rt nichts, trotzdem seien die Ermittlungen weitgehend abgeschlossen. Es ist noch unklar, wann die Ermittlungen endg\u00fcltig abgeschlossen werden und wann und ob die Beschuldigten, die M\u00f6rder, wegen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge vor Gericht gehen m\u00fcssen.<\/span><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid123\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl b\"><b>ROOBLE WARSAM<\/b><\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid124\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Rooble Warsam war aus Somalia und lebte in einer Sammelunterkunft f\u00fcr Gefl\u00fcchtete in Schweinfurt. Am Abend des 26. Februar 2019 hatte er mit seinen Zimmermitbewohnern eine lautstarke Diskussion, aber handgreiflich wurden sie nicht. Rooble Warsam hatte am Abend Alkohol getrunken und der Sicherheitsmann der Unterkunft verst\u00e4ndigte die Polizei, weil er glaubte, mit der Situation nicht allein umgehen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid125\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Als die Polizei ankam, versuchten die Polizisten den Bewohnern zu erkl\u00e4ren, man d\u00fcrfe in der Unterkunft keinen Alkohol trinken. Rooble Warsam widersprach, denn die Hausordnung erlaubte Alkoholkonsum und im Unterkunftskiosk wurde sogar Alkohol verkauft. Die Polizei packte ihn und seinen Mitbewohner daraufhin und brachten sie in die Gewahrsamszelle. Laut Angaben der Polizei habe Rooble Warsam zu sehr mit den Polizisten diskutiert. Was danach geschah ist ungekl\u00e4rt, zwei Stunden sp\u00e4ter starb er. Der Familie (gr\u00f6\u00dftenteils in Schweden sesshaft) und den Unterkunftsbewohnern erkl\u00e4rte man, er habe sich selbst mit dem Bettlaken in der Zelle stranguliert und sich so selbst get\u00f6tet. Die Zellen waren jedoch leer, ohne Bettlaken oder \u00c4hnlichem. Es befand sich nur eine befestigte Matratze auf dem Boden. Ein Suizid durch Strangulation ist also gar nicht m\u00f6glich.\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid126\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Fast eine Woche wurde die Leiche im K\u00fchlhaus gelassen und der Familie vorenthalten. Die Familie forderte eine Obduktion, um die Todesursache zu \u00fcberpr\u00fcfen. Die Polizei ignorierte diese Forderung. Au\u00dferdem wollten sie, dass man ihnen die Leiche \u00fcbergibt, damit sie nach muslimischem Brauch die K\u00f6rperwaschung und Beerdigung durchf\u00fchren k\u00f6nnen. Sie bekamen die Leiche erst nach mehreren Wochen. Sein K\u00f6rper war bedeckt von offenen Wunden und H\u00e4matomen und an seinem Hals waren Schrammen von N\u00e4geln. Hinweise auf eine m\u00f6gliche Strangulation fanden die Familienmitglieder jedoch nicht.<\/span><\/p>\n<p id=\"magicdomid127\" class=\"ace-line\" spellcheck=\"true\"><span class=\"author-a-nz65z1lz68zz78zz81zz81zz88zz69zkz75zz66z6yl\">Es gibt bis heute keine Aufkl\u00e4rung, keine Ermittlungen gegen die beteiligten Polizisten*Innen.\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laut einer Studie der Uni Bochum kommt es j\u00e4hrlich zu ca. 12.000 rechtswidrigen \u00dcbergriffen von Polizeibeamten*Innen. 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