{"id":3827,"date":"2026-06-23T11:32:07","date_gmt":"2026-06-23T11:32:07","guid":{"rendered":"https:\/\/resistance-info.de\/?p=3827"},"modified":"2026-06-23T11:32:12","modified_gmt":"2026-06-23T11:32:12","slug":"die-auswirkungen-von-ki-auf-den-klassenkampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/resistance-info.de\/?p=3827","title":{"rendered":"Die Auswirkungen von KI auf den Klassenkampf"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;Diskussion um K\u00fcnstliche Intelligenz ist von allen Seiten laut \u2013 KI, so sagt man einerseits, bringe Potenziale, aber andererseits auch Risiken mit sich. KI-Assistenzen haben Einhalt gewonnen in Musikproduktion und visueller Kunstproduktion, aber auch in Schulen und Universit\u00e4ten werden Large Language Models, sogenannte LLMs, vielerorts von Sch\u00fcler:innen und Studierenden genutzt, um Texte zu verarbeiten und zu produzieren. LLMs sind lediglich eine spezielle Unterkategorie der K\u00fcnstlichen Intelligenz, die sich auf die Verarbeitung und Generierung von menschlicher Sprache spezialisiert hat. Mit ihnen lassen sich Lese- und Schreibkompetenzen auslagern, was sich nicht zuletzt auf die Alphabetisierung und ihre Beibehaltung auswirken kann. Neben der Auslagerung intellektueller Arbeit im Lehrkontext sieht die kapitalistische Industrie den Nutzen von KI in der Effizienzsteigerung. Sie werde \u201esicher, skalierbar und wirksam.\u201c Es l\u00e4sst sich diskutieren, ob die Weiterentwicklung und Demokratisierung von KI im hiesigen Kontext des westlichen Imperialismus nicht sogar das Endstadium der kapitalistischen Produktion sind. Wir m\u00f6chten die Idee unterbreiten, dass die Resultate dieser Entwicklung Deskilling und sog. \u201eBullshit-Jobs\u201c Symptome dieser Entwicklung sind, die direkten Einfluss auf die Effektivit\u00e4t und direkte Form des Klassenkampfes haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von der Dampfmaschine zur automatisierten, KI-gest\u00fctzten Produktion l\u00e4sst sich die Entwicklung von der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart abzeichnen, die die notwendige Arbeit, nach Marx, auf ein Minimum verk\u00fcrzt hat. Mit der notwendigen Arbeit meint Marx das spezifische \u201eQuantum&#8220; (die unbestimmbare Menge)&nbsp;Arbeit, welches&nbsp;f\u00fcr die Produktion einer Ware A aufgebracht werden muss. Wenn die Produktion von Ware A in Zeiten der industriellen Revolution 2 Stunden gedauert hat, so dauert sie unter den heutigen Produktionsbedingungen nur noch ein Bruchteil dieser 2 Stunden. Die logische Konsequenz, so Marx, m\u00fcsste eine Verk\u00fcrzung des Arbeitstages sein, weil man nun nicht mehr so viel arbeiten muss, um die notwendige (= notwendig f\u00fcr den Konsum) Menge an Waren zu produzieren. Wir befinden uns heute in einer Zeit der massiven \u00dcberproduktion und des \u00dcberkonsums. Ersteres kann durch zweiteres jedoch kaum kompensiert werden, so landet eine Vielzahl an Waren unkonsumiert auf M\u00fcllkippen und verschmutzen den Planeten. Mit Hinblick auf die historische Entwicklung hin zum 8-Stunden Arbeitstag ist dieser die logische Konsequenz der Entwicklung der Produktion, jedoch war auch er das Ergebnis von langem, harten Arbeiter:innenkampf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kapitalist verdient in der Produktion von Waren prim\u00e4r am produzierten Mehrwert. \u201eDie KI kann keinen Mehrwert produzieren und deshalb auch nicht den:die Arbeiter:in ersetzen, weil nur durch die menschliche Arbeit Mehrwert zugesetzt werden kann\u201c \u2013 aber was bedeutet das konkret? Wenn es, im 8-Stunden Arbeitstag, 6 Stunden dauert, um Waren im Wert des Arbeitslohns (bei Marx \u201eWert der Arbeitskraft\u201c) zu produzieren, man aber weitere 2 darauf verwendet, um weiter zu produzieren, dann ist ebendiese Mehrarbeit von 2 Stunden, was den Mehrwert produziert. Der Mehrwert ist also der durch die Person produzierte Warenwert, der \u00fcber die Verg\u00fctung der Arbeitskraft hinaus produziert und vom Kapitalisten vereinnahmt&nbsp;wird. Eine KI ist im Marxismus konstantes Kapital (oder \u201etotes Kapital\u201c), weil sie lediglich bereits vorhandenes, von Menschen geschaffenes Wissen verarbeitet und automatisiert. Sie ist, um beim Szenario&nbsp;der Produktion zu bleiben, kein Ersatz f\u00fcr den:die Arbeiter:in, sondern eine neue Maschine, die der Mensch bedient. Jetzt ist es trotzdem so, dass mit KI ein Profit geschaffen werden kann. Der Profit f\u00fcr den Kapitalisten ist nicht direkt gleich dem Mehrwert. Der Profit, den ein KI-Business macht, ist meist kein \u201eneuer&#8220; Wert, der durch die KI aus dem Nichts erschaffen wurde. Stattdessen handelt es sich um einen Teil des gesellschaftlichen Mehrwerts, der in der Gesamtwirtschaft durch andere menschliche Arbeiter erarbeitet und durch den technologischen Vorteil (h\u00f6here Effizienz) in Richtung der KI-Besitzer umverteilt wird. So wird die logische Konsequenz aus der Implementierung von KI in der Produktion eine Kostensenkung f\u00fcr den Kapitalisten sein, aber nicht zwangsl\u00e4ufig einen kompletten Ersatz f\u00fcr Arbeiter:innen darstellen, da diese Maschinen von irgendwem \u201egef\u00fcttert,&#8220;&nbsp;bedient und\/oder gewartet werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die Ver\u00e4nderung der konkreten T\u00e4tigkeiten im Rahmen der Lohnarbeit in der Produktion ver\u00e4ndert die Position der Arbeiter:innen in der Produktion, in der Gesamtwirtschaft und in der Gesellschaft insgesamt. Die Senkung der notwendigen Arbeit(szeit), wie im ersten Punkt bereits diskutiert, unter Ber\u00fccksichtigung der \u201eneuen Maschine\u201c KI schafft in ihrer Konsequenz keine Abschaffung der Arbeit, sondern eine Vergr\u00f6\u00dferung des Anteils von \u201eBullshit-Jobs\u201c in der Summe aller Jobs, die es gibt. Es muss kontrolliert werden, dass die automatisierte Produktion l\u00e4uft, und in anderen T\u00e4tigkeiten muss die KI mit Befehlen gesteuert\u00a0 werden, um Inhalte auszuspucken, die vorher Produkte der Geisteskraft arbeitender Personen gewesen sind. Mit der \u00dcbernahme der KI im Lernbereich (Schule und Hochschule) findet eine Entwertung von damals noch hochausgebildeter Arbeitskraft statt. Wenn die tats\u00e4chliche Geisteskraft der Ingenieur:innen, oder die langj\u00e4hrig angeeignete Kenntnis von Arbeiter:innen in der Produktion von Waren obsolet werden (= Deskilling), werden sie es selbst. Marx spricht schon fr\u00fch von der Entfremdung der lohnabh\u00e4ngigen Klasse von ihren T\u00e4tigkeiten. Effizienzsteigerung war historisch und ist eine kleinschrittigere Aufteilung verschiedener Arbeitsschritte im Produktionsprozess: Eine Person s\u00e4gt das St\u00fcck Holz zurecht, eine zweite Person bohrt L\u00f6cher, eine dritte Person setzt Gewinde ein, \u2026 Das Ergebnis: Arbeiter:innen die in den kleinen Schritten, die sie verrichten, sehr schnell werden. Die einzelne Person ist aber, im Gegensatz zur Zeit vor der Industrialisierung, v\u00f6llig entfremdet von dem Endprodukt. Die Produktion eines Stuhls umfasst nun die Beteiligung vieler Personen, die alle kleinschrittig arbeiten anstelle der einen Person, die im Gesamtproduktionsprozess involviert ist. Schon diese inkrementellen Innovationen im Produktionsprozess entfremdeten die Arbeiter:innenschaft weiter und f\u00fchrten zu sog. \u201eArbeitskrankheiten,\u201c wie Marx schon fr\u00fch erkennt: Man erkennt den Sinn der T\u00e4tigkeit nicht mehr, weil man das Gef\u00fchl daf\u00fcr verliert, woran man arbeitet. Dies ist gemeint, wenn von \u201eBullshit Jobs\u201c die Rede ist. Eine bekannte Arbeitskrankheit, die direktes Produkt dessen ist, ist bspw. Burnout.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Folge der Fragmentierung des Arbeitsprozesses in der Produktion und des sog. Deskillings von hochqualifizierten Fachkr\u00e4ften ist die Ersetzlichkeit der einzelnen Person. Wenn sich der Kapitalist durch die KI-gest\u00fctzte Effizienzsteigerung die Ausbildung des Personals sparen kann, weil die Bullshit-Jobs einfach zu verrichten sind, dann verliert der:die Arbeiter:in einen wichtigen Hebel im Arbeitskampf. Damals war der hohe Ausbildungsgrad der Einzelperson etwas, was ihm:ihr Macht gegeben hat. Wenn wir mit unseren umfangreichen Kenntnissen die Arbeit in einem Streik niederlegen, dann sind wir schlechter ersetzbar, als wenn f\u00fcr unsere T\u00e4tigkeit keine umfangreichen Kenntnisse notwendig sind. Der Kapitalist kann uns entbehren und unser Kampf wird uns erschwert. KI wird so nicht zum Werkzeug unter dem:der Arbeiter:in, sondern eine Deskilling-Maschine im Interesse des Kapitalisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass KI einen direkten, oft verkannten Einfluss auf den Klassenkampf der lohnabh\u00e4ngigen Klasse hat und haben wird. Weil ohne menschliche Produktionsarbeit kein Mehrwert zugesetzt werden kann, wird die KI die menschliche Produktion im Kapitalismus nicht vollends ersetzen k\u00f6nnen. Der Profit des Kapitalisten lastet auf den Schultern der Ausbeutung der lohnabh\u00e4ngigen Klasse. KI ist in der Arbeit kein Werkzeug der lohnabh\u00e4ngigen Klasse, sondern eine Deskilling-Maschine, die den Arbeiter:innen ihren Hebel im Arbeitskampf raubt. Je mehr Kompetenzen wir uns durch die Vereinnahmung unserer Leben durch KI nehmen lassen, desto mehr nehmen wir uns selbst die M\u00f6glichkeit, im Klassenkampf eine Machtposition erlangen zu k\u00f6nnen. Wir brauchen Kompetenzen, wir brauchen Wissen, um das sozialistische Projekt zu verwirklichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gibt es denn kein Szenario,&nbsp;in dem wir als Sozialist:innen, wir als Arbeiter:innen von der KI potenziell profitieren?&nbsp;Es l\u00e4sst sich eine Lage vorstellen, in der&nbsp;die KI die planwirtschaftlich organisierte Produktion in der Gesellschaft automatisiert und dem:der Arbeiter:in die M\u00f6glichkeit gibt, statt Mehrarbeit nur notwendige Arbeit zu verrichten. Es bleibt diskutabel, inwieweit eine KI-gesteuerte planwirtschaftliche Produktion mit dem \u00f6kologischen Einfluss der KI vertr\u00e4glich f\u00fcr unseren Planeten w\u00e4re, selbst wenn die Fabriken nur z.B. ein halbes Jahr laufen, statt das ganze Jahr \u00fcber. Kann man sich die Rechenleistung der KI auch nur in Ma\u00dfen leisten?&nbsp;Dieses Szenario l\u00e4sst sich nur am Modell diskutieren, weil wir keine vollst\u00e4ndige&nbsp;realweltliche Diskussionsgrundlage haben. Es ist&nbsp;aber potenziell ein fruchtbares Gedankenexperiment, was Technologie nicht verneint, sondern \u00fcberlegt, wie man sie&nbsp;sich zu Nutze machen k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die&nbsp;Diskussion um K\u00fcnstliche Intelligenz ist von allen Seiten laut \u2013 KI, so sagt man einerseits, bringe Potenziale, aber andererseits auch Risiken mit sich. 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