{"id":3733,"date":"2026-02-22T12:07:28","date_gmt":"2026-02-22T12:07:28","guid":{"rendered":"https:\/\/resistance-info.de\/?p=3733"},"modified":"2026-02-22T18:47:18","modified_gmt":"2026-02-22T18:47:18","slug":"provokation-nach-dem-tod-eines-faschisten-in-frankreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/resistance-info.de\/?p=3733","title":{"rendered":"Provokation nach dem Tod eines Faschisten in Frankreich"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach einer faschistischen Provokation in der franz\u00f6sischen Stadt Lyon ist der Tod des 23-j\u00e4hrigen Rechtsradikalen Quentin Deranque am 14. Februar zu einer Hetz- und Lynchkampagne gegen Antifaschist:innen sowie die linke Opposition instrumentalisiert worden. <\/p>\n\n\n\n<p>Am 12. Februar kam es in Lyon vor einer Konferenz an der Universit\u00e4t Sciences Po Lyon zu Spannungen. Die pal\u00e4stinensisch-franz\u00f6sische Abgeordnete von La France insoumise (LFI), Rima Hassan, war von Studierenden eingeladen worden. Die Veranstaltung sollte von dem in Frankreich aktiven rechtsradikalen und rassistischen Frauenkollektiv N\u00e9m\u00e9sis sowie von mit ihm verbundenen neo-nazistischen und faschistischen Gruppen provoziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach darauffolgenden Auseinandersetzungen erlag der 23-j\u00e4hrige Quentin Deranque zwei Tage sp\u00e4ter im Krankenhaus seinen Verletzungen. Quentin stand bekannterma\u00dfen in Verbindung mit zahlreichen rechtsradikalen Kollektiven wie Action Fran\u00e7aise. Die genaue Todesursache ist bis heute von den Justizbeh\u00f6rden nicht bekannt gegeben worden. Im Zuge der Ermittlungen wurden bislang insgesamt elf Personen festgenommen; wer unmittelbar f\u00fcr den Tod verantwortlich ist, ist weiterhin ungekl\u00e4rt. Dennoch wurde der Vorfall von Beginn an als \u201eantifaschistischer Lynchmord\u201c dargestellt und zum Ausgangspunkt einer politischen Anschuldigungskampagne gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LFI und La Jeune Garde im Visier<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An erster Stelle der Angegriffenen steht die parlamentarische Linkspartei La France insoumise (LFI). Obwohl LFI eine legale, im Parlament vertretene Partei ist, wurde sie k\u00fcrzlich vom franz\u00f6sischen Senat der Kategorie \u201eultralinks\u201c zugeordnet und damit stigmatisiert. Dieser Schritt der Regierung wird als Versuch gewertet, La France insoumise im Vorfeld der im kommenden Monat stattfindenden Kommunalwahlen zu marginalisieren. Ebenso wurde das antifaschistische Jugendkollektiv La Jeune Garde (Die Junge Garde), das von der Regierung f\u00fcr den Tod Quentin Deranques verantwortlich gemacht wird, bereits im vergangenen Jahr per Verwaltungsentscheid und ohne gerichtliches Urteil aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Tod Quentin Deranques beschr\u00e4nkte sich Pr\u00e4sident Emmanuel Macron auf Appelle zu \u201eRuhe und Besonnenheit\u201c, w\u00e4hrend Justizminister G\u00e9rald Darmanin das Kollektiv offen ins Visier nahm und erkl\u00e4rte: \u201eLa Jeune Garde t\u00f6tet.\u201c Ein Assistent von Rapha\u00ebl Arnault, einem der Gr\u00fcnder von La Jeune Garde und Abgeordneten von La France insoumise, wurde festgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Folge wurde in der franz\u00f6sischen Nationalversammlung eine Schweigeminute f\u00fcr Quentin Deranque abgehalten. Damit fand erstmals seit 1944 eine offizielle Gedenkminute im Parlament f\u00fcr eine Person statt, die mit dem radikal rechten Milieu in Verbindung stand.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Faschistische Angriffe gehen weiter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das so geschaffene politische Klima lie\u00df faschistische Angriffe im ganzen Land eskalieren. In Paris, Lyon und Toulouse organisierten rechtsradikale Gruppen Aktionen unter dem Slogan \u201eJustice pour Quentin\u201c (\u201eGerechtigkeit f\u00fcr Quentin\u201c). In Toulouse gingen rund 15 Faschisten mit Schlagst\u00f6cken, Messern und Fahrradketten auf die Stra\u00dfe, griffen Passant:innen an und verletzten mindestens drei Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zentrales Ziel dieser Angriffswelle waren auch die B\u00fcros von La France insoumise. In zahlreichen St\u00e4dten wurden lokale Parteib\u00fcros attackiert, mit neo-nazistischen Symbolen beschmiert und mit Drohungen versehen. In Paris ging beim nationalen Hauptquartier von La France insoumise eine Bombendrohung ein, woraufhin das Geb\u00e4ude vollst\u00e4ndig evakuiert wurde. In Rennes r\u00fcckten aufgrund einer verd\u00e4chtigen Tasche Entsch\u00e4rfungseinheiten an. In Lyon griff ein maskierter Angreifer mit Eisenstange das lokale Geb\u00e4ude von Solidaires (Gewerkschaftlicher Solidarit\u00e4tsverband) an; in derselben Stadt beschmierten Neo-Nazis die Mauern einer Moschee.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quelle der Gewalt: Recht<\/strong><strong>sradikal<\/strong><strong>e und <\/strong><strong>der <\/strong><strong>Staat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 16. Februar ver\u00f6ffentlichten zun\u00e4chst das unabh\u00e4ngige Medienportal Contre-Attaque und anschlie\u00dfend Le Canard Encha\u00een\u00e9 Bildmaterial und Zeugenaussagen, die die offizielle Darstellung grundlegend ersch\u00fcttern. Die Aufnahmen und Aussagen zeigen, dass am Tag der Ereignisse eine 15\u201320-k\u00f6pfige, maskierte und bewaffnete faschistische Gruppe \u2013 darunter auch Quentin Deranque \u2013 mit Pfefferspray, Eisenstangen, metallenen Kr\u00fccken und Brandmitteln einen Hinterhalt vorbereitet und den Angriff begonnen hatte. Dieselben Zeugenaussagen belegen zudem, dass der get\u00f6tete Faschist nach der Auseinandersetzung eine Krankenhauseinweisung zun\u00e4chst abgelehnt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gewalt der radikalen Rechten ist kein Zufall. Seit 2022 wurden in Frankreich mindestens elf Menschen von rechten und neo-nazistischen Gruppen get\u00f6tet; mindestens 19 weitere wurden bei Messer- oder Schusswaffenangriffen schwer verletzt. Die Mehrzahl dieser Attacken wurde mit Messern, Macheten, Ketten, \u00e4hnlichen Waffen oder mit Schusswaffen ver\u00fcbt. W\u00e4hrend der Tod von El Hacen Diarra, der im vergangenen Monat in Paris von der Polizei get\u00f6tet wurde, noch in frischer Erinnerung ist, zeigen diese Zahlen deutlich: Die eigentliche Quelle der Gewalt in Frankreich sind nicht Antifaschist:innen, sondern der Staat und die unter seinem Schutz agierende radikale Rechte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass ein Tod, der auf eine gezielte Provokation folgte \u2013 bei der faschistische Gruppen mit Eisenstangen kampfbereit auftraten \u2013, verdreht und dazu benutzt wird, Menschen auf der Stra\u00dfe anzugreifen und eine Lynchkampagne gegen die antifaschistische Bewegung und die Linke zu f\u00fchren, macht erneut sichtbar, wie offen die faschistische Gewalt in Frankreich eskaliert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer faschistischen Provokation in der franz\u00f6sischen Stadt Lyon ist der Tod des 23-j\u00e4hrigen Rechtsradikalen Quentin Deranque am 14. 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