{"id":2075,"date":"2023-10-13T12:11:13","date_gmt":"2023-10-13T12:11:13","guid":{"rendered":"https:\/\/resistance-international.de\/?p=2075"},"modified":"2023-10-13T12:11:13","modified_gmt":"2023-10-13T12:11:13","slug":"burkina-faso-mali-und-niger-endlich-antikolonial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/resistance-info.de\/?p=2075","title":{"rendered":"Burkina Faso, Mali und Niger &#8211; endlich antikolonial?"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">Die drei Staaten im Nordwesten Afrikas vereint eine zuletzt gemeinsame Geschichte. Sie alle gingen vor kurzem durch einen Putsch. Au\u00dferdem k\u00e4mpfen alle drei gegen eine Welle dschihadistischer Aufst\u00e4nde, die aus Mal<\/span><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">i<\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\"> 2021 auch in die beiden Nachbarl\u00e4nder Burkina-Faso und Niger geschwappt sind.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Die Situation in Mali:<\/strong><\/p>\n<p><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">In Mali begann die Serie an Milit\u00e4rputschen. Nachdem 2020 schon ein Putsch stattgefunden hatte, kam es 2021 erneut zur Macht\u00fcbernahme. Ein Streit zwischen dem Milit\u00e4r und zivilgesellschaftlichen <\/span><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">G<\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">ruppen, welche 2020 nach dem Putsch eine \u00dcbergangsregierung ausgehandelt hatten, war erneut eskaliert. Das Milit\u00e4r f\u00fchlte sich nach einer Nichtbeteiligung gezwungen zu handeln.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Die Situation in Burkina Faso:<\/strong><\/p>\n<p><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">Ibrahim Traore, der durch einen Putsch am 30.<\/span> <span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">September in Burkina Faso an die Macht gelangt ist, ist der j\u00fcngste Staatschef der Welt. Die Machtergreifung des jungen Milit\u00e4rs wurde durch <\/span><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">die b\u00fcrgerlichen Medien<\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\"> mit folgenden Worten begleitet: &#8222;Ein Gespenst geht um in Westafrika. Sein Name: Antiimperialismus.&#8220;\u00a0<\/span>Auch wenn dies nichts mit Antiimperialismus zu tun hat, betont der neue Staatschef ihre Fesseln von Frankreich befreien zu wollen und die N\u00e4herungen zu Russland zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<p><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">Er selbst war im Norden des Landes im Kampf gegen dschihadistische Rebellen aktiv und warf seinem Vorg\u00e4nger Pr\u00e4sident Damiba vor, sich zu sehr auf die Kolonialmacht Frankreich im Kampf gegen diese Gruppen verlassen zu haben. Seine L\u00f6sung <\/span><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">ist die Ausweitung der Partnerschaften mit seinen neuen <\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">Verb\u00fcndeten. Er sieht sowohl in den USA einen Partner, als auch in Russland. Er wirbt f\u00fcr einen selbstbewussten afrikanischen Kontinent, losgel\u00f6st von allen Abh\u00e4ngigkeiten gegen\u00fcber dem Westen. Viele vergleichen ihn durch sein Alter und seinen Hintergrund und seine Agenda mit dem Staatsgr\u00fcnder und Anti-Imperialist Thomas Sankara. Seine Reden beendet Traor\u00e9<\/span> <span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">mit den Worten &#8222;La patrie ou la mort, nous vaincrons!&#8220;, zu Deutsch: &#8222;Vaterland oder Tod, wir werden siegen&#8220; \u2013 das Motto des revolution\u00e4ren Kuba unter Fidel Castro. So auch beim Russland-Afrika-Gipfel in Sankt Petersburg, wo er vor allem durch seine Forderungen <\/span><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">laut b\u00fcrgerlicher Presse <\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">an seine amerikanischen Kollegen auffiel. Er bezeichnete die Menschen Afrikas als &#8222;die vergessenen V\u00f6lker der Welt.&#8220;\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">Auf der anderen Seite<\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\"> steht <\/span><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">er <\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">aber auch enorm unter Druck. F\u00fcr den Sommer 2024 hat er demokratische Wahlen angek\u00fcndigt<\/span><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">.<\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\"> Seine Position ist weiter instabil<\/span><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">.<\/span> <span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">I<\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">m September wurde ein Putschversuch gegen ihn vereitelt. Bis jetzt sind 40 % des Landes nicht unter der Kontrolle der Regierung. Der Kampf gegen die Dschihadisten geht <\/span><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">jedoch <\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">weiter.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Die Situation in Niger<\/strong><\/p>\n<p>In Niger putschte im Juli 2023 unter F\u00fchrung von General Abdourahmane Tchiani, Befehlshaber der Pr\u00e4sidentengarde, einer Eliteeinheit des Milit\u00e4rs. Der gew\u00e4hlte Pr\u00e4sident Mohamed Bazoum und seine Frau wurden im Pr\u00e4sidentenpalast festgesetzt. Die Verfassung wurde au\u00dfer Kraft gesetzt und alle Institutionen aufgel\u00f6st. Die Putschisten unter Tchiani machten die schwierige Wirtschafts- und Sicherheitslage im Land f\u00fcr ihre Ma\u00dfnahme verantwortlich, aber auch die Kritik an der Milit\u00e4rpr\u00e4senz der Kolonialmacht Frankreichs war vielen Menschen im Land ein Dorn im Auge. Anfangs war nicht klar, ob das Volk und auch das Milit\u00e4r hinter den Putschisten stehen. Jedoch sieht es so aus, als h\u00e4tten sie die mehrheitliche Unterst\u00fctzung des Volkes. Aus dem Ausland stellten sich die USA, die UN, die EU, Russland und die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas gegen den Putsch und drehten das Land den Geldhahn zu. Viele sahen hinter der Verurteilung durch die Ecowas-Staaten jedoch franz\u00f6sische Interessen. Unterst\u00fctzung bekam man jedoch aus Mali und Burkina Faso. Beide L\u00e4nder gelten im Westen Afrikas als Gegenpol zu Frankreich. Die Regierungen beider L\u00e4nder sagten dem Land im Falle eines Konflikts ihre Unterst\u00fctzung zu.<\/p>\n<p><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">Eine Wirtschaftsblockade wurde eingerichtet, au\u00dferdem wurde seitens Ecowas eine m\u00f6gliche milit\u00e4rische Intervention angek\u00fcndigt. F\u00fcr den Westen galt der Niger als ein sicherer Boden f\u00fcr die Stationierung ihrer Soldaten. Hier wurde offiziell der Kampf gegen die Dschihadisten in der Sahel-Zone gef\u00fchrt. Zudem wurde der Niger als Bollwerk gegen Migration in Richtung Libyen und damit in Richtung Europa eingesetzt. Nun m\u00fcssen auch hier die franz\u00f6sischen Soldaten abziehen, der franz\u00f6sische Botschafter hatte vorher schon das Land verlassen. Neben den 2.000 franz\u00f6sischen Soldaten befinden sich auch 100 deutsche Soldaten im Land. Auch diese sollen bald folgen und das Land verlassen. \u201eImperialistische und neokolonialistische Kr\u00e4fte sind nicht mehr willkommen auf unserem nationalen Territorium\u201c hie\u00df es in der Hauptstadt Niamey. Und auch aus der Zivilgesellschaft werden diese Forderungen an die neue Regierung weitergegeben. So fordert ein B\u00fcndnis aus Akteuren der Zivilgesellschaft, dass jetzt auch der Rohstoffhandel mit Frankreich eingestellt wird. F\u00fcr Frankreich k\u00f6nnte das zu einem riesigen Problem werden. Das wichtigste Handelsgut des Sahel-Staats ist Uran. F\u00fcr Frankreich ein wichtiger Rohstoff, versorgt sich das Land doch zwei Drittel immer noch aus Atomkraftwerken, welche auf das Uran angewiesen sind. Unter anderem kommt dieses aus dem Niger. Das B\u00fcndnis M62 fordert nun die Einstellung und bezieht sich vor allem auf die ungleichen Verh\u00e4ltnisse beim Handel sowie das nigrische Gesetz. Das franz\u00f6sische Unternehmen Orano baut das Uran momentan ab, m\u00fcssten aber nach nigrischen Bergbau-Gesetz in nationalen H\u00e4nden sein. Au\u00dferdem hat Frankreich 2010 Uran im Wert von 3,5 Milliarden Euro an Frankreich exportiert, aber nur 459 Millionen Euro an den Sahel-Staat gezahlt. Eine Einstellung h\u00e4tte dramatische Konsequenzen f\u00fcr das EU-Land, aber nur geringe Auswirkungen auf die nigrische Wirtschaft. Die Putschisten hatten bereits im Juli einen Exportstopp angek\u00fcndigt. Bisher wurde dieser offenbar ni<\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">cht durchgef\u00fchrt. Problem ist, dass Frankreich seine kolonialen Interessen geschickt mit dem Niger verflochten hat. So geh\u00f6rt die Firma Somair, die aktuell 90<\/span> <span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">% des Urans im Niger ausbeutet, zu 63<\/span> <span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">% der mehrheitlich staatlichen franz\u00f6sischen Orano-Gruppe, zu 37<\/span> <span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">% der nigrischen Staatsfirma Sopamin. Die Vertr\u00e4ge wurden erst im Mai bis 2040 verl\u00e4ngert. In Frankreich hatte man schon fr\u00fch auf das Problem reagiert und auch in anderen L\u00e4ndern Vertr\u00e4ge abgeschlossen. Das Uran kommt unter anderem aus Kasachstan, Australien oder Namibia. Nur ein F\u00fcnftel wird aus dem Niger bezogen. Die EU steht wohl schon mit Kasachstan in Verhandlungen, um einem eventuellen Lieferstopp zuvorzukommen und das Uran sonst anderswo einzukaufen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">Weiter hat der Niger mit islamistischen Gruppen zu k\u00e4mpfen. Im August und im September starben wieder Soldaten bei Angriffen durch Ableger der Al-<\/span><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">Q<\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">aida und den Islamischen Staat. Die Kontrolle \u00fcber das Staatsgebiet hat damit Priorit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\">Die franz\u00f6sische Milit\u00e4rpr\u00e4senz in Afrika ist keinesfalls vorbei. Man ist weiter im Nachbarland Tschad, wo es in letzter Zeit ebenfalls vermehrt zu Demonstrationen gegen eine franz\u00f6sische Milit\u00e4rpr\u00e4senz kam, wie auch in Senegal, der Elfenbeink\u00fcste, Gabun und Dschibuti pr\u00e4sent. In der Nato wird die Abkehr von Afrika <\/span><span class=\"author-a-z122zz83zz73zez122zxja5z87zz81zfa3z89zz80z\">ebenfalls als<\/span><span class=\"author-a-gz66zu0z87zwz69zz89zp7nz87zdpz75z9\"> Nachteil gesehen.\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die drei Staaten im Nordwesten Afrikas vereint eine zuletzt gemeinsame Geschichte. Sie alle gingen vor kurzem durch einen Putsch. 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