Weihnachten wird oft als die Zeit der „Nächstenliebe“ bezeichnet, in der es um Wohltätigkeit, Besinnlichkeit und ein freundliches Miteinander geht. Das ganze Land ist im Kaufrausch für Geschenke und die Kassen klingeln. Laut Marktforscher:innen wird es dieses Jahr zu Weihnachten mehr als 126 Milliarden Euro Umsatz geben. Doch ein Blick auf die Gesellschaft genügt, um zu sehen, dass ein erheblicher Teil der Gesellschaft gar nicht in den Genuss dieses Festes kommt.
Wir leben in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem, was infolge von Krisen die Lebensbedingungen der großen Mehrheit der Bevölkerung zwangsläufig verschlechtert und die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr vegrößert. Aktuell sind in Deutschland 2,2 Millionen Kinder und damit jedes siebte Kind armutsgefährdet. Als armutsgefährdet gelten Haushalte, in denen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen. Bei beispielsweise zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren beträgt der Schwellenwert 2900 Euro netto im Monat. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind sind es weniger als 1795 Euro netto. Bei Alleinlebenden liegt der Schwellenwert bei 1381 Euro netto.
Außerdem galten laut dem Statistischen Bundesamt letztes Jahr 17,6 Millionen Menschen und damit 20,9 Prozent der Bevölkerung als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. In diese Kategorie wird man als Person gezählt, wenn mindestens eine dieser drei Bedingungen auf sie zutrifft: Ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze, ein Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung, ein von starker materieller und sozialer Entbehrung geprägter Haushalt. Millionen von Menschen haben somit nicht einmal die Möglichkeit Geschenke einzukaufen. Um den Wünschen der Liebsten gerecht zu werden und insbesondere den Kindern etwas bieten zu können, verschulden sich jedes Jahr viele Menschen oder überziehen sogar ihre Konten.
Doch auch im zwischenmenschlichen Sinne bleibt die „Nächstenliebe“ für viele ein bloßes Wort. Durch den in der kapitalistischen Gesellschaft stets geförderten Individualismus und die Konkurrenz werden die Menschen immer mehr voneinander isoliert. Zwischenmenschliche Beziehungen werden immer oberflächlicher und nutzenorientierter. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jedes Jahr etwa 871.000 Menschen an den physischen und psychischen Folgen der Einsamkeit. Das sind durchschnittlich 100 Todesfälle pro Stunde.
Einer der größten Widersprüche, die uns die Herrschenden in diesem System in der Weihnachtszeit zu verschleiern versuchen, ist die steigende Militarisierung und der steigende Rechtsruck. Während hierzulande immer rassistischere und menschenfeinlichere Politik oder Gesetze ins Leben gerufen werden, bereitet sich der imperialistische deutsche Staat erneut auf zerstörerische Kriege vor. Er profitiert auch indirekt von anderen Kriegen, wie aktuell im Sudan, indem er große Waffenexporte an für den Krieg verantwortliche Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Katar oder die Vereinigten Arabischen Emirate tätigt.
Die zu Weihnachten gepriesenen Werte sind somit für viele Menschen in Deutschland, aber auch für Millionen Menschen dieser Welt nichts als ein Märchen, das lediglich den Konsum ankurbeln und die Massen besänftigen soll. Wahre Nächstenliebe ohne Ausnahmen und Widersprüche kann es nur in einer Gesellschaft jenseits des Kapitalismus geben, in der nicht mehr der Profit, sondern einzig allein die Bedürfnisse des Menschen im Vordergrund stehen.
