Der 02. August wurde 2015 durch das Europaparlament zum offiziellen Gedenktag innerhalb der EU um an den Völkermord an den Roma und Sinti durch die Nationalsozialisten zu gedenken. Die Sinti und Roma und weitere Bevölkerungsgruppen, wie die Lalleri, Lowara, Kalderasch und Jenischen usw. haben bedauerlicherweise eine lange Historie ihrer Diskriminierung, Unterdrückung und Verfolgung vorzuweisen. Bis zum 19. Jahrhundert wurden Roma versklavt und teilweise zwanghaft sesshaft gemacht. Zu Zeiten des Kaiserreichs hat sich dementsprechend ebenso wenig verändert und es wurden Gesetze zur Unterdrückung der Sinti und Roma eingeführt.
Zu den Anfängen der NS-Zeit hat sich die Situation der Sinti und Roma weiter verschärft. Sie wurden ab 1933, ähnlich wie die jüdischen Menschen des damaligen Deutschlands, aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen, wie dem Handel, der Schule und bestimmten Berufsständen. Es kam genauso zu Eheverboten, Zwangsscheidungen und sogar zu Sterilisation von Frauen und Männern. Ebenso wurden sie ab 1936 dazu gezwungen sich in Lagern um größere Städte herum, wie Köln, Frankfurt am Main oder Berlin, anzusiedeln, die als das Äquivalent zu dem Beginn der Bildung von Ghettos für die jüdischen Bevölkerung durch die Nazis angesehen werden können.
Ab 1937 begann man durch neue Polizeigesetzgebung Sinti und Roma unter Vorwänden der „Verbrechensprävention“ auf unbestimmte Zeit in Konzentrationslager zu verschleppen. Ab 1938 wurden die Vorwände direkter und gingen nicht mehr auf das vermeintliche Verhalten der Sinti und Roma ein, sondern auf sie als „Rasse“. In den Folgejahren wurden die Sinti und Roma die im Gebiet der Kontrolle der Nazis waren durch Kooperation mit verschiedensten Institutionen wie Kirchen, Ämtern und anderen Kollaborateuren dokumentiert, zwangssterilisiert und zu großen Teilen in Konzentrationslager in Polen, wie Auschwitz-Birkenau, deportiert. Von den 30.000 Sinti und Roma die das Regime in elf Ländern dokumentieren konnte, wurden ca. 23.000 nach Auschwitz deportiert.
Viele der Sinti und Roma in den Lagern starben in den Folgejahren an Hunger, Krankheiten, Misshandlungen durch die SS, Folgen der Zwangsarbeiten und an abscheulichen Experimenten durch KZ-Ärzte. Die ersten Massenvernichtungen an Sinti und Roma in den Konzentrationslagern begannen im März 1943. Im Mai 1944 sollten die letzten 6.000 Roma und Sinti des KZ-Auschwitz-Birkenau in Gaskammern vernichtet werden. Die Inhaftierten leisteten Widerstand und konnten so der Vergasung vorerst entgehen. Nur wenige Monate später, am 02. August 1944 wurden die letzten verbliebenen Roma und Sinti im KZ Auschwitz (etwa 3.000 wurden als „arbeitsfähig“ eingestuft und in andere Lager abtransportiert) ermordet. Diese letzten KZ-Häftlinge waren überwiegend ältere Menschen, Frauen und Mütter, und Kinder. Insgesamt können die Verfolgung und Ermordung an den Sinti und Roma während der NS-Zeit nur geschätzt werden, aber es wird von 220.000 bis 500.000 Opfern in ganz Europa ausgegangen. Der fehlende Datenlage liegt zum einen zu Grunde, dass Viele nicht als Angehörige dieser Minderheiten vermerkt wurden. Zum anderen wurden viele Sinti und Roma in ganz Europa bei unzähligen unvollständig dokumentierten Massakern vernichtet.
Auch nach dem Krieg hat sich vorerst nicht viel an dem Verhältnis vom Folgestaat des NS-Regimes zu den Sinti und Roma verändert. Die Verbrechen an ihnen wurden lange nicht anerkannt und nachdem sie teilweise anerkannt wurden, wurde die Entschädigung an weiteren diskriminierenden Kriterien gebunden, von Gedenken und Aufarbeitung ganz zu schweigen. Viele der Errungenschaften die heute erreicht wurden, sind nur durch Bewegungen und Proteste aus der Roma und Sinti-Community selbst entstanden. Die Diskriminierung dauert noch bis heute an, ob im Bildungssystem, durch Diskriminierung und Stigmatisierung innerhalb der Gesellschaft oder durch rassistisch motivierte Attentate. Beim Anschlag in Hanau vom 19. Februar 2022 waren drei der Opfer Sinti und Roma. Rechte, rechtskonservative und auch Parteien der „Mitte“ machen immer noch Propaganda mit Vorurteilen und Stigmata gegenüber den Sinti und Roma und schieben sie im gleichen Zug ab.
